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Der Hammer: Vor Gericht wird ein härteres Urteil gesprochen.

Mittenwalderin legt Einspruch ein - ein Fehler 

Richter verdoppelt und vervierfacht Strafe

Sie hatte einen Unfall verursacht und eine Strafe erhalten. Doch mit dem Schiedsspruch war die Mittenwalderin nicht einverstanden. Sie legte vor dem Amtsgericht Einspruch ein – ein Fehler.

Mittenwald – Dass die 47-jährige Mittenwalderin gegen das Urteil Einspruch erhoben hatte, was zweifellos ein Fehler: Angetrunken, mit fast einem Promille Alkohol im Blut, hatte sie einen folgenreichen Verkehrsunfall gebaut, bei dem eine Farchanterin (37) schwere Verletzungen erlitt. Dafür bekam die Auslöserin einen Strafbefehl von 1800 Euro und eine Fahrerlaubnissperre von vier Monaten. Diesen Schiedsspruch empfand die Verursacherin aus dem Oberen Isartal als zu hart. Doch ihr Einspruch vor dem Amtsgericht Garmisch-Partenkirchen entwickelte sich zum Rohrkrepierer.

Richter Andreas Pfisterer befand in der Verhandlung, dass der Strafbefehl viel zu milde gewesen sei. Nun muss die Mittenwalderin mit 3300 Euro benahe eine doppelt so hohe Geldbuße entrichten. Und nicht nur das: Erst in einem Jahr und sechs Monaten darf sich die Frau frühestens wieder ans Steuer setzen.

Laut Staatsanwalt war die Mittenwalderin am 5. Dezember 2016 gegen 20 Uhr mit ihrem Wagen auf der Staatsstraße 2542 von Mittenwald in Richtung Klais unterwegs, obwohl sie wegen Alkohols im Grunde fahruntüchtig war: 0,97 Promille wurde von den Experten für den Tatzeitpunkt kalkuliert. Nicht zuletzt aufgrund dieses bedenklichen Pegels geriet sie prompt auf die Gegenspur und kollidierte dort frontal mit dem entgegenkommenden Fahrzeug der Farchanterin.

Davon abgesehen, dass deren demoliertes Auto hinterher nur noch Schrottwert hatte, zog sich die Werdenfelserin unter anderem einen Trümmerbruch des Ellbogens und eine schwere Thoraxprellung zu: Fahrlässige Straßenverkehrsgefährdung mit der Folge, dass das Opfer nicht nur eine Woche im Klinikum war, sondern auch längere Zeit arbeitsunfähig. Dafür erhielt sie zwar 6000 Euro Schmerzensgeld, doch ihr Wagen hatte hinterher nur noch einen Schrottwert von 500 Euro.

„Ich fuhr in einer leichten Linkskurve“, berichtete das Opfer nun vor dem Richter. „Da kam auf meiner Spur frontal der andere Wagen daher, und weil ich wegen der dortigen beiderseitigen Abhänge nicht seitlich ausweichen konnte, kam es notgedrungen zum Crash.“ Diesen schrecklichen Moment vergisst die Farchanterin nie: „Ich dachte: Das ist wie im Krimi, hoffentlich überlebe ich das – und alles drehte sich dann nur noch.“

Der Strafbefehl, den man der Mittenwalderin zustellte, hielt sich dann mit 1800 Euro in Grenzen. Dennoch legte sie ihr Veto ein. Mit dem Münchner Anwalt Peter Pospisil saß sie daher vor dem Kadi. Doch Richter Pfisterer fand ihre Denkweise gar nicht lustig. „So ein billiges Geschenk und dann noch Einspruch erheben.“ Praktisch im selben Atemzug kündigte er an, dass mit einer Reduzierung der Strafe bei ihm nicht zu rechnen sei.

Zwar wollte der Rechtsbeistand der Mittenwalderin daraufhin den Einspruch sogleich zurücknehmen, der Staatsanwalt jedoch lehnte ab. Es kam, wie es nunmehr kommen musste: Der Ankläger beantragte 1200 Euro Geldstrafe und der Verteidiger gar nur 900. Richter Pfisterer jedoch verfügte angesichts der fahrlässigen Straßenverkehrsgefährdung besagtes, noch viel härteres Urtel. Dumm gelaufen – für die Mittenwalderin.

Wolfgang Kunz

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