Etwa 20 Menschen stehen an einem Absperrzaun und schauen alle in eine Richtung.
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Ein paar neugierige Fans versuchen, einen Blick auf die deutsche Nationalmannschaft zu erhaschen.

Sie wollen die Fußballstars sehen

DFB-Team trainiert in Seefeld: Fans klettern trotz Zaun auf Gelände - Verband reagiert

Die deutsche Fußball-Nationalmannschaft trainiert in Seefeld (Tirol), nahe Garmisch-Partenkirchen. Viel bekommt man vor Ort davon nicht mit - außer man lauert am Bauzaun.

Seefeld – Außer den Zäunen rund um WM-Arena, Fußballplatz und Hotel fällt in Seefeld und Mösern wenig von der Präsenz der deutschen Fußballnationalmannschaft auf. Auf der Straße sind ein paar offiziell beklebte Fahrzeuge des Deutschen Fußballbundes oder der Medien unterwegs, die lokale Polizei fährt ungewöhnlich oft Streife, und auf den Wanderwegen begegnen einem entweder Kameraleute und Fotografen oder ernst dreinblickende Mountainbiker im schwarz-weißen Dreistreifenlook – wohl Angehörige der DFB-Entourage.

Und hie und da sieht man ein Kind oder einen Erwachsenen im Fantrikot herumlaufen, meist mit Kamera und Teleobjektiv. Das war es dann aber auch: Hooligans, Schlachtenbummler oder größere Fanclubs – Fehlanzeige.

DFB-Trainingslager in Seefeld: „Von den Fußballfans her ist es wirklich sehr ruhig“

„Wir sind zwar vor allem an den Wochenenden gut gebucht, aber von den Fußballfans her ist es wirklich sehr ruhig“, bestätigt Elias Walser, Geschäftsführer des Tourismusverbands (TVB). Einzig vergangenen Freitag und Samstag, den ersten beiden Tagen, an denen die Mannschaft in der Olympiaregion weilte, gab es einen etwas größeren Menschenauflauf. Einige frechere Fans hielten sich dann auch nicht so genau an die Absperrungen und schlichen sich zwischen Straße und abgeplantem Wanderweg auf die steile Böschung oberhalb der Landesstraße. Daraufhin hat der DFB die Plane am Wanderweg entfernen lassen, die Fans auf den sicheren Weg hinter den Zaun verwiesen und ihnen dafür freie Sicht auf das Medien-Training gewährt.

Da sind sie, die großen Stars des deutschen Fußballs. Vom Wanderweg aus durften Fans sie beim Medien-Training beobachten.

DFB-Trainingslager in Seefeld: Fans durften Medien-Training beobachten

„Das war schon cool“, meint Familie Reisig, die die Topaussicht auf ihre Idole ausgiebig genoss. Sie seien zwar zufällig aus Neuwied (Koblenz) nach Mösern auf Kurzurlaub gekommen. „Aber als wir die ganzen Absperrungen gesehen haben, haben wir dann doch einen Security-Mitarbeiter angesprochen.“ Heraus kam dabei der Tipp, um 16 Uhr von Mösern in Richtung Seefeld zu wandern und das Glück des freien Blicks aufs Spielfeld. Das ist mittlerweile wieder vorüber, der Blick erneut von Planen verdeckt. „Schließlich sind ja auch noch ein paar Geheimtrainings angesetzt“, erklärt TVB-Chef Walser. Trotzdem habe sich der DFB darauf eingelassen, ein kleines Stück mit schräger Sicht aufs Spielfeld abgeplant zu lassen, um den wenigen Fans dann doch einen direkten Blick auf ihre Idole zu ermöglichen, und das ohne halsbrecherische Kraxeleien.

Deutsche Nationalmannschaft trainiert in Seefeld: Bayernfans nutzen Urlaub für einen Fußball-Ausflug

Einmal Neuer, Müller und Co. zu sehen, das war auch der Wunsch der Ehepaare Schütz und Matheuszik, die ihren ersten Urlaub nach Corona in Mittenwald verbringen. „Unsere Männer sind große Bayernfans“, sagt eine der Frauen. „Da haben wir uns gedacht, schauen wir doch einen Tag, was so in Seefeld passiert.“ Die Spieler ganz aus der Nähe haben sie zwar nicht gesehen, dafür aber ein Foto vom Teambus ergattert und live erlebt, wie die Reportagen, die abends im Fernsehen laufen, gedreht werden. Der leere Teambus fuhr eine halbe Stunde auf circa 200 Metern auf und ab, um dem Kamerateam eine schöne Aufnahme zu ermöglichen. „Und heute Abend sehen wir das sicher mit dem Kommentar, das Team kehrt vom Training zurück ins Hotel“, sagt Matheuszik lachend und gibt zu, sich ein bisschen veräppelt zu fühlen.

Spieler haben die Ehepaare Schütz und Matheuszik in Seefeld nicht entdeckt, dafür den Teambus der deutschen Nationalmannschaft.

Doch auch für die Medien ist dieses Trainingslager in Seefeld gar nicht so einfach. Bernd Schmelzer, ARD-Fußball-Kommentator seit 1991, erlebt in Seefeld seine siebte EM-Vorbereitung mit dem Nationalteam. „Durch Corona ist schon vieles anders, es gibt kein Rahmenprogramm für die Journalisten, und die Mannschaft ist sehr auf Distanz.“ Wie schon in den vergangenen 15 Monaten: Persönliche Einblicke, direkte Kontakte sind so gut wie unmöglich. Spieler, Betreuer und Journalisten unterliegen den strengen Coronaregeln der UEFA. „Der Ausfall eines Top-Teams wäre eine Katastrophe für die EM, das will keiner riskieren“, erläutert TVB-Chef Walser den Hintergrund für die Auflagen. Daher werden alle Medienvertreter täglich getestet und registriert. „Aber das ist hier in Seefeld mit der Registrierungs-App und den vielen Testmöglichkeiten total entspannt“, lobt ARD-Kommentator Schmelzer.

Trainingslager der deutschen Fußballstars: Kaum Kritik von Einheimischen und Gästen

Überhaupt scheint der DFB-Aufenthalt am Plateau recht reibungslos zu laufen. Die wenigen Fans zeigen Respekt. Die Kritik der anderen Gäste und Einheimischen hält sich in Grenzen. „Ich find es zwar ein bissl übertrieben und frag mich, wie viel das wieder kostet“, meint Helmut Wolf aus Zirl. Eigentlich trinkt er seinen Kaffee gern an der Sportalm, die derzeit den Medienvertretern vorbehalten ist. „Dann geh ich halt woanders hin.“ Die Auswahl ist ja groß in der Tourismusmetropole, die wohl nicht zuletzt dank Trainer Jogi Löw und seiner Jungs gerade aus dem Coronaschlaf erwacht. Kathrin Ebenhoch

Beim Testspiel gegen Dänemark kurz vor der EM 2021 musste sich Deutschland mit einem Remis begnügen. Bayern will heute entscheiden, ob und wie viele Fußballfans zur EM ins Münchner Stadion dürfen. Aufgrund des sinkenden Corona-Inzidenzzahlen locken in diesem Bereich Lockerungen.

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