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Eines der wenigen Neubauprojekte in Murnau: Am Lüssweg entsteht eine kleine Wohnanlage – mit Preisen, die vor Jahren noch undenkbar waren. So werden etwa für eine Vier-Zimmer-Maisonette-Wohnung (rund 114 Quadratmeter) 699 000 Euro verlangt.

Preise steigen und steigen

Freie Immobilien in Murnau rar und teuer

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Murnau - Murnaus Immobilienmarkt ist so gut wie ausgetrocknet. Und die Preise kennen nur eine Richtung: nach oben. Die Ortspolitik will unbedingt gegensteuern und bezahlbaren Wohnraum schaffen. Nur wie? 

Ein Blick in die einschlägigen Internetseiten genügt: Wer in Murnau ein Domizil sucht, hat nicht viel Auswahl und braucht ein dickes Konto. Beispielsweise zeigt das Portal „Immobilienscout 24“, eines der größten dieser Art, gerade mal zwei Häuser und neun Wohnungen bei den Kaufobjekten an – und bei denen zum Mieten ein Haus und neun Wohnungen. Das ist nicht viel für die zweitgrößte Landkreis-Kommune mit rund 12 000 Einwohnern. Der schmucke Staffelsee-Ort ist beliebt: Die Nachfrage übersteigt das Angebot. Und die Euro-Krise feuert den „Betongold“-Boom zusätzlich an.

Das Dilemma: Es gibt kaum freien Baugrund – und wenn, dann nur zu Liebhaberpreisen. In den begehrten Lagen sind, so berichten Branchenkenner, mindestens 600 Euro pro Quadratmeter fällig. Das dreht – zusammen mit den gestiegenen Baukosten – die Preisschraube bei Häusern und Eigentumswohnungen und damit auch bei den Mieten nach oben. Sozial Schwache und selbst Normalverdiener können häufig nicht mehr mithalten – und müssen mitunter wegziehen. Keine gute Voraussetzung für einen Wirtschaftsstandort, der eigentlich neue Firmen anlocken und jungen Menschen eine berufliche Perspektive bieten soll. Das Thema beschäftigt die Ortspolitik bereits seit Längerem – und flammt immer wieder auf. Erst kürzlich brachte die Grünen-Gemeinderätin Veronika Jones den Vorschlag ins Spiel, Stelzenhäuser auf öffentlichen Parkplätzen zu errichten (wir berichteten). Auch beschäftigt sich die Rathaus-Verwaltung mit dem Thema bezahlbarer Wohnungsbau und will noch heuer Konzepte vorstellen.

Der politische Wille fehlt anscheinend nicht, wie eine kurze Umfrage unter den Fraktionen ergab. „Man kann nicht alles dem freien Markt überlassen“, sagt etwa Alexander Weinhart (Mehr bewegen). Die Gemeinde sei gefordert, einzugreifen. Und auch CSU-Fraktionssprecherin Regina Samm meint: „Wir brauchen günstigen Wohnraum.“ Aber dies werde nicht einfach. Denn dem Markt Murnau stünden nur eingeschränkt freie Flächen zur Verfügung. Immer wieder ist aus den Reihen der Gemeinderäte der Verweis auf den Flächennutzungsplan zu hören. Dieser Leitfaden für die Ortsentwicklung wird derzeit überarbeitet. Davon erhoffen sich die Volksvertreter sehr viel, denn es können neue Bauareale geschaffen und darauf Förderprogramme gestartet werden, ob nun für Einheimischenmodelle, Baugruppen, Genossenschaften oder den sozialen Wohnungsbau. Guntram Gattner (ÖDP/Bürgerforum) könnte sich einen „Deal“ mit privaten Grundbesitzern vorstellen. Diesen könnte man anbieten, ihre Wiesen in Bauland umzuwandeln, wenn sie im Gegenzug einen Teil davon für soziale Projekte abgeben. Welf Probst (Freie Wähler) warnt indessen davor, es mit dem Wachstum zu übertreiben. Denn damit verbunden sei auch ein höherer Bedarf an Infrastruktur. Probst: „Murnau soll Murnau bleiben.“

Murnau ist eine Hochpreis-Gemeinde: Laut den Zahlen des Immobilienverbandes Deutschland vom Herbst 2015 liegen Einfamilienhäuser (Bestand), je nach Lage und Ausstattung, bei 420 000 bis 900 000 Euro, Reihenmittelhäuser (Bestand und Neubau) bei 310 000 bis 460 000 Euro, Doppelhaushälften (Bestand und Neubau) bei 400 000 bis 590 000 Euro und Eigentumswohnungen (Bestand und Neubau) bei 2000 bis 3800 Euro pro Quadratmeter Wohnfläche. In der Luxusklasse ist freilich noch Luft nach oben. Wohnungsmieten liegen bei 7 bis 12.50 Euro pro Quadratmeter.

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