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Im kleinen Kreis unterhält es sich besser: Die Gemeinderäte (v. l.) Georg Seitz, Christoph Wörnle und Josef Zunterer sind bei der Jahresversammlung offenbar guter Laune.

Das „freie Reden“ würde nur ohne Presse funktionieren

Freie Wähler: Lieber geschlossene Gesellschaft

Mittenwald - Ohne missliebige Presse diskutiert es sich einfach besser: Getreu diesem Motto sind die Freien Wähler Mittenwald bei ihrer Jahresversammlung verfahren. 

Die Vereinigung der Freien Wähler Mittenwald (VFM) hat bei ihrer Jahresversammlung vor allem auf eines gesetzt – Verschwiegenheit. Keine Diskussions-Details sollten ans Licht der Öffentlichkeit gelangen, die in den Medien nachher die Runde machen könnten. Mit anderen Worten: Eine Gruppierung, die sich im politischen Meinungsstreit befindet, verfährt nach dem Motto „Geschlossene Gesellschaft“.

„Wir wollten heuer offen über alles reden“, meint Vorsitzender Josef Schandl (Freiberger) gegenüber dem Tagblatt, dessen Berichterstatter bei besagter Sitzung kurzerhand vor die Tür gesetzt wurde. Schandls Begründung für diesen medien-feindlichen und in Mittenwald beispiellosen Schritt: Das „freie Reden“ würde nur ohne Presse funktionieren. Diese besondere Art der Öffentlichkeitsarbeit teilen offenbar auch die restlichen VFM-Ausschuss-Mitglieder. „Wir machten bisher die Erfahrung, dass Gesagtes in der Öffentlichkeit oftmals falsch interpretiert wurde“, sagt der Vorsitzende und Gemeinderat entschlossen.

Was die Öffentlichkeit letztlich erfahren soll, steht in einer von Schandl angefertigten Verlautbarung. Darin wird zwar fein aufgelistet, über welche Themen die Mitglieder und Interessierten (die durften rein) diskutierten. Konkrete Details bleiben in dem Protokoll zumeist auf der Strecke. Eine der wenigen brauchbaren Informationen ist der Wunsch der Parteilosen, „einen früheren Zeitpunkt“ zur Schließung des maroden Karwendelbads – vorgesehen ist der 6. November 2016 – anzustreben, da sich „unter anderem die längeren Öffnungszeiten mit etwa 234 000 Euro in der Gemeindekasse niederschlagen“ würden.

Spannender Tagesordnungspunkt: ungeklärte Mitglieds-Status von Hermann Salminger.

Pikant in Schandls Protokoll ist die Causa Hermann Salminger (76). Der Altbürgermeister und seine Gemahlin Brigitte kündigten 2013 ihre Mitgliedschaft bei den Freien Wählern auf (wir berichteten). Damit protestierten die Salmingers gegen den Rauswurf ihres Freundes Hans Klotz („Basch“), der sich in seiner letzten Legislaturperiode (2008 bis 2014) als Gemeinderat mit seiner Fraktion einen erbitterten Kampf lieferte. „So kann man nicht mit Leuten umgehen, die 35 Jahre ihr Bestes gegeben haben“, polterte Salminger im April 2013 gegenüber dem Tagblatt. Doch ist der „Sali“, wie das einstige Flaggschiff der Freien Wähler von allen genannt wird, auch wirklich bei der VFM ausgetreten? Was Schriftliches würde nicht vorliegen, steht in Schandls Protokoll geschrieben. „So bezahlte er auch für 2013 und 2014 seinen Jahresbeitrag.“

Nun aber erinnerte der Bürgermeister von 1996 bis 2008 per Mail an die Mitgliedskündigung von seiner Frau Brigitte und ihm aus dem Jahre 2013. Gegenüber dem Tagblatt betont Hermann Salminger, der nun auch 2015 zur Kasse gebeten werden sollte: „Natürlich haben wir 2013 bei Gudrun Rademacher (Anm. d. Red.: damals kommissarische Vorsitzende) schriftlich gekündigt. Wir haben die Kopie noch zu Hause.“

Ein wirklich interessantes Thema. Was die Mitglieder darüber denken, darüber liefert Schandls Protokoll natürlich keine Einzelheiten. Wie gesagt: geschlossene Gesellschaft.

Josef Hornsteiner

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