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Der Spielleiter und seine Bühne: Auf drei Ebenen probt Abdullah Karaca mit den Darstellern der Geierwally.

Kultursommer 2017 Oberammergau

Geierwally am Fuße des Labers

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Ein neues Freilichttheater feiert in Kürze in Oberammergau Premiere: Regisseur Abdullah Karaca hat ein Erfolgsstück ausgesucht. 

Oberammergau – Sie lehnt sich auf, sprengt alle Fesseln, und wie den Geier, den sie zähmt, versucht ein ganzes Dorf, sie in die Schranken zu weisen. Dabei will sie nur sie selbst sein, frei von allen Zwängen, frei wie die Vögel der Lüfte. Der Mythos lebt. „Die Geierwally“, 1873 geschrieben von Wilhelmine von Hillern, die von 1883 bis 1911 in Oberammergau lebte. Dorthin kehrt eine Erfolgsgeschichte nun zurück.

Im Rahmen des Kultur- und Theatersommers wird das Kultstück, in elf Sprachen übersetzt und mehrfach verfilmt, insgesamt zehnmal als Freilichttheater im Passionsdorf dargeboten. Am 13. Juli – ein Donnerstag – ist am Pflanzgarten direkt oberhalb der Laberbahn-Talstation Premiere für Regisseur Abdullah Kenan Karaca, der seit Ende Mai mit den 19 Mitwirkenden probt. Die Resonanz im Vorfeld war gewaltig: Die acht Vorstellungen in der leergeräumten Hackschnitzelhalle der örtlichen Privatwaldgemeinschaft, in der pro Aufführung 350 bis 400 Zuschauer Platz finden, sind bereits seit längerer Zeit ausverkauft. Dazu Frederik Mayet, Geschäftsführer der Passionstheater GmbH: „Wir haben für den 24. und 25. Juli noch zwei Zusatzspiele eingeschoben. Die Tickets gibt es bei den Ammergauer Alpen, aber wer noch Karten will, muss sehr schnell sein.“

Die gesamte Logistik für die Inszenierung – Verpflegung der Besucher, Sanitäranlagen, Technik, Strom und so weiter – muss die personell dünn aufgestellte GmbH quasi aus dem Boden stampfen. Dazu kommt auch die Bühne, die in drei Ebenen in den Hang hineingebaut wird. Mit all diesen Herausforderungen hat Abdullah nicht so viel zu tun, er ist alleinig für die Inszenierung zuständig. Der 28-Jährige hat auch am Text von Hillerns einiges geändert: „Mir war zum Beispiel wichtig, stärker herauszuarbeiten, wie schäbig der Vater mit seiner Tochter umgeht.“ Dazu wird auch immer wieder die Wally als kleines Mädchen auftreten, als eine Art Prolog.

Sophie Schuster in der Hauptrolle

Großes Interesse fand in Oberammergau die Frage, wer die Geierwally spielen wird. Für Regisseur Karaca war wichtig, „dass es eine junge Frau ist, bei der ich es mir gut vorstellen kann, wie sie die Rolle ausfüllt.“ Die Wahl fiel schließlich auf Sophie Schuster (21), die bereits beim Kultursommer 2015 in Oberammergau in Shakespeares „Romeo und Julia“ die Hauptrolle inne hatte. Der Spielleiter: „Sie muss als Geierwally viel mehr aus sich rausgehen als bei der Julia. Und das macht sie auch sehr gut.“ Ihr Vater ist übrigens der passions-erprobte Anton Burkhart. Die Sprache in dem Stück ist natürlich bairisch. Für Abdullah, Sohn türkischer Eltern, „überhaupt kein Problem“, ganz im Gegenteil: „Ich liebe das Bairische, weil da eine wahnsinnige Ehrlichkeit rüberkommt. Ich bin damit aufgewachsen, es berührt mich. Dialekt ist direkter, ehrlicher.“

Eine weitere besondere Note erfährt die Inszenierung durch die Musik – und auch da ist viel Lokalkolorit drin: Kofelgschroa begleitet mit seinem ganz eigenen Stil die Freilichtaufführung am Fuße des Labers.

An Aktualität hat das Erfolgsstück der Wilhelmine von Hillern in knapp 150 Jahren nichts eingebüßt. Noch einmal Abdullah Karaca: „Es ist ein einziger Kampf, den die Wally führt. Sie hat immer mit Männern zu tun, die etwas von ihr wollen und die alles erzwingen wollen, und deshalb flüchtet sie in die Berg-Einsamkeit. Sie kämpft gegen ein Schubladendenken, gegen ein gesellschaftliches Rollenbild der Frau an.“ Auch hier ergibt sich wieder eine Parallele zu Oberammergau: Da gab es vor über 25 Jahren mutige Frauen im Ort, die vor Gericht ein allgemeines Mitwirkungsrecht bei den Passionsspielen erstritten.

Auf einen Blick

Termine: 13./15./20./24./25./27./30. Juli und 4./5. August, Beginn jeweils 20 Uhr

Besetzung:

Wallburga Strominger (Geierwally): Sophie Schuster; Junge Geierwally: Eva Norz; Vater Strominger: Anton Burkhart; Joseph Hagenbach (Bären-Josef): Jonas Konsek; Knecht Klettermaier: Andreas Richter; Vincenz Gellner: Lucas Clauß; Benedict Klotz: Christoph Stöger; Leander Klotz: Rochus Rückel; Nicodemus Klotz: Dima Schneider; Afra:Eva Reiser; Lammwirt: Tobias Simon; Oberdirne: Andrea Hecht; Bauer Andreas: Maximilian Burkhart; Bauer Bartl: Kilian Clauß; Pfarrer: Markus Köpf; Musik: Kofelgschroa

Karten:Ammergauer Alpen, Telefon 08822/945 88 88

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