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Neue Lebensperspektive: Auf dem Bauernhof „Granja“ bei Montero leben ehemalige Straßenkinder.

Freiwilligendienst in Bolivien

Straßenkindern eine Zukunft schenken

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Seehausen - Den eigenen Horizont erweitern und etwas Sinnvolles tun – das soll ein Freiwilligendienst in einem Entwicklungsland bieten. Die Seehauserin Franziska Robl (18) lässt sich auf dieses Abenteuer ein: Sie geht für ein Jahr nach Bolivien, um ehemalige Straßenkinder zu betreuen.

Das Ticket hat sie bereits, bald geht’s los: Dann wird Franziska Robl das beschauliche Fischerdorf Seehausen verlassen und in eines der ärmsten Länder Südamerikas, nach Bolivien, fliegen. Ihr Ziel ist ein Bauernhof außerhalb der Stadt Montero, wo die Salesianer Don Boscos Straßenkindern ein neues Zuhause und eine Lebensperspektive schenken. Dort wird die junge Frau aus Bayern einen so genannten entwicklungspolitischen Freiwilligendienst absolvieren. „Das ist schon eine Herausforderung“, sagt die 18-Jährige, die heuer am St.-Irmengard-Gymnasium in Garmisch-Partenkirchen ihr Abitur gemacht hat.

Dieser Freiwilligendienst – das Motto lautet „weltwärts“ – kommt bundesweit an. Seit er 2008 durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung ins Leben gerufen wurde, haben rund 20 000 junge Menschen zwischen 18 und 28 Jahren mitgemacht. Die Teilnehmer engagieren sich zwischen sechs und 24 Monaten in einem Projekt in einem Entwicklungs- oder Schwellenland, ob nun auf den Gebieten Bildung, Gesundheit, Umwelt, Landwirtschaft, Kultur oder Menschenrechte. Das kann ein Trinkwasserprojekt in Äthiopien ebenso sein wie die Arbeit in einer Waldorfschule im Regenwald, um zwei Beispiele zu nennen. Der interkulturelle Austausch und das Sammeln von Erfahrungen stehen dabei im Mittelpunkt.

Das reizt auch Franziska Robl. „Ich wollte was Neues kennenlernen, aber nicht als Touristin“, sagt sie. Ihr sei es wichtig, alle Facetten eines Landes zu erleben – nicht nur die aufpolierte Seite aus den Urlaubsprospekten. Durch verschiedene Kontakte stieß sie auf „Don Bosco Volunteers“ – eine Initiative, die Jugendfreiwilligendienste bei den Salesianern anbietet. Eine Anlaufstelle dieser Ordensgemeinschaft der katholischen Kirche ist nicht weit entfernt: das Kloster Benediktbeuern. So kam eins zum anderen. Die Seehauserin, die seit vielen Jahren Ministrantin der Murnauer Pfarrei St. Nikolaus ist, bewarb sich – und bekam den Zuschlag für ihr Wunschziel Südamerika. Mehrere Vorbereitungskurse folgten. „Ich weiß, was auf mich zukommt“, sagt sie.

Auf dem Bauernhof in Bolivien leben rund 40 Buben, darunter auch Waisen, im Alter von acht bis 14 Jahren – alle aus ärmlichen Verhältnissen. Bei den Salesianern haben sie ein Heim gefunden – und die Chance, eine Schul- und Berufsausbildung zu absolvieren. Franziska Robl wird zusammen mit weiteren Helfern und den Erziehern für die Betreuung der Kinder zuständig sein. Dazu zählen Freizeitaktivitäten und Hausaufgabenbetreuung. Angst vor Sprachbarrieren hat die Seehauserin nicht. Sie lernte in der Schule drei Jahre lang Spanisch – eine der Amtssprachen Boliviens.

Wer Geld verdienen will, ist bei dem Freiwilligendienst fehl am Platz. Das Ganze ist eine ehrenamtliche Tätigkeit, neben freier Verpflegung und Unterkunft gibt es nur ein bescheidenes Taschengeld. Aber darum geht es der 18-Jährigen nicht, die sogar einen Teil der Kosten selbst trägt und dafür Spenden sammelt. „Ich will bewusst Abstand nehmen vom Luxus, den wir hier haben“, erklärt sie. Neben der Unterstützung einer guten Sache geht es ihr um Selbsterfahrung. „Das ist für mich eine Phase der Orientierung.“ Denn in Sachen Berufswahl ist sich die Seehauserin noch nicht sicher. Momentan ist ein Pädagogik-Studium der Favorit. Nach dem Jahr in Bolivien wird sie sicher mehr wissen.

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