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Sie koordinierten Ehrenamt im Landkreis: Annett-Maria Jonietz (l.) und Regina Wäger vom Freiwilligen-Zentrum „Auf geht’s!“.

Männer engagieren sich weniger

Das Freiwilligenzentrum "Auf geht's" bringt Menschen zusammen

Garmisch-Partenkirchen - Das Freiwilligenzentrum „Auf geht’s“ vermittelt ehrenamtliches Engagement. Der Erfolg spricht eindeutig für sich: Immer mehr Menschen wollen sich für andere einsetzten. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen unterstützt die Organisation künftig finanziell noch stärker. 

Das, was sie tun, erhielt zwar durch die Flüchtlingswellen der jüngsten Zeit besondere Aufmerksamkeit. Doch das Freiwilligen-Zentrum „Auf geht’s!“ praktiziert ehrenamtliches Engagement eigentlich schon viel länger. Nämlich seit 14 Jahren: „Wir vermitteln jeden Bürger, der sich betätigen möchte“, sagt die Leiterin Annett-Maria Jonietz. Umgekehrt berät die Organisation auch Einrichtungen, die jemanden suchen, der sich einbringen kann. Einfach ausgedrückt ist das der Kern von Jonietz Arbeit.

Seit „Auf geht’s“ vor drei Jahren vom Bayerischen Sozialministerium in einem Modellversuch die offizielle Qualifizierung als „Koordinierungszentrum Bürgerschaftliches Engagement“ erhalten hat, geht es mit dem Zentrum aufwärts. Der Staat zahlte in diesem Zuge ein Drittel der 36 000 Euro, die der Dienst alle Jahre kostet. Den Restbetrag übernahm der Landkreis Garmisch-Partenkirchen und der Trägerverein „Lebenslust“. Doch die Anschub-Förderungen liefen in diesem Jahr aus. Erfreulicherweise steigt dafür jetzt der Landkreis stärker ein. Zukünftig übernimmt er nicht nur ein, sondern sogar zwei Drittel der Kosten.

„Ziel des staatlichen Modellprojekts war es, in ganz Bayern flächendeckend für alle Bereiche des bürgerschaftlichen Engagements eine effiziente Infrastruktur herzustellen“ erklärt Jonietz. „Dazu schuf man als Anlauf-, Informations- und Vernetzungsstelle Koordinierungszentren, so wie wir eines sind. Unsere Zuständigkeit reicht mittlerweile über den gesamten Landkreis Garmisch-Partenkirchen.“

Das Freiwilligenzentrum steht unter der Trägerschaft des „Lebenslust e.V“, eines sozialen Netzwerks aus sieben Organisationen von der Caritas bis hin zur evangelischen Diakonie und dem Rotkreuz-Kreisverband. Für all jene Menschen, die sich für andere einsetzen möchten, versuchen Jonietz und ihre Mitarbeiter die passende Tätigkeit findet. „Denn schließlich weiß nicht jeder gleich, wo und wie er so etwas findet“, sagt sie. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Regina Wäger knüpft die Koordinatorin die Netze, die nötig sind, um die Helfer mit den Hilfe-Suchenden zusammenzubringen. Und das schon seit nunmehr vielen Jahren. „Mit ständig wachsendem Erfolg“, betont Jonietz lachend.

Der Erfolg von „Auf geht’s!“ ist auch an Zahlen ablesbar: Hatte man bis 2012 „nur“ 321 Freiwillige vermittelt, so waren es 2014 schon 388. Heuer waren es bis dato sogar 502 Frauen und Männer. Ähnlich stark aufwärts bewegen sich auch die Anzahl neuer Freiwilliger: 2012 beliefen sich diese noch auf 24, im Jahr 2014 waren es 69 und 2015 sogar 97.

Doch wohin werden all die Freiwilligen vermittelt? Die „Auf geht’s!“-Broschüre „Einblicke“ enthält einen umfangreichen Katalog von immerhin 47 Einrichtungen, die höchst dankbar über ehrenamtliche Hilfe sind. Das reicht vom Lenzheim (Hilfe in der Caféteria, Besuche der Senioren) über die Bürgermeister-Schütte-Schule (Lesepaten, Schülerhilfe), bis zum Kindergarten (Kinderbetreuung, Hausaufgaben-Unterstützung) und dem Sozialdienst Katholischer Frauen (Alltagsunterstützung, rechtlicher Betreuer, Frauenhaus, Gartenarbeiten) bis zur Hilfe in Büchereien und dem Krankenbesuchsdienst im Unfallklinikum.

Bemerkenswert ist, dass 67 Prozent aller freiwilligen Ehrenamtlichen weiblich sind. Nur 33 Prozent Männer engagieren sich. Dabei bietet „Auf geht’s!“ neben der Arbeit auch durchaus attraktive Zusatzprojekte: Beispielsweise gibt’s einen PC-Lehrgang, ein Ehrenamts-Forum, einen Stammtisch, Völkerfeste in Flüchtlingsheimen, das „Café International“, mehrere Netzwerktreffen, Fußball für Asylbewerber und natürlich das „Dankeschönfest“.

Interessant dürfte auch die „Freiwilligen-Akademie“ sein, die Vorträge, Seminare, Treffen und Kurse im Programm hat. Das Forum soll engagierten Menschen im Landkreis die Möglichkeit zu Bildung, Qualifikation und Austausch geben. Dies ist besonders attraktiv, da „die Angebote für die Freiwilligen kostenlos oder stark ermäßigt sind“, betont die Koordinatorin. Sie wird schon recht haben mit ihrer Feststellung: „Wir bringen Menschen zusammen, die zusammen passen, weil wir Angebot und Nachfrage kennen."

Wolfgang Kaiser

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