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"Müllberg": Der Täter zerstörte Leuchter-Glaskugeln, ein Teil der Alarmanlage und hat Bilder von Täuflingen heruntergerissen.

Er hat das Inventar demoliert

Mann will "das Böse" aus Uffinger Kirche austreiben

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Uffing - Unglaublich, aber wahr: Ein psychisch Kranker demoliert Ausstattungsgegenstände in Kirche St. Agatha. Der Polizei liegt eine ganze Liste an diversen Vergehen des Mannes vor.

Die Sorge um die Kirchen in der Region treibt Pfarrer Robert Walter um. So sehr, dass er am Sonntag in Seehausen sogar Messbesucher bat, die Augen offenzuhalten und bei Gelegenheit einen Blick in St. Michael zu werfen – sicher ist sicher. Walter, Seelsorger der Pfarreiengemeinschaft Staffelsee und Dekan, reagiert damit auf den unglaublichen Frevel, mit dem ein Münchner (69) genau eine Woche zuvor in St. Agatha in Uffing für Entsetzen gesorgt hatte. Der Mann, nach Angaben von Murnaus Polizei-Chef Joachim Loy psychisch krank und amtsbekannt, beschädigte Teile der Ausstattung im Gotteshaus und warf Gegenstände „auf einen Haufen – wie auf einen Müllberg“, sagt Pfarrer Walter. Zudem demolierte er die älteste Heiligenfigur in St. Agatha aus dem Jahr 1490 an der Hand, als er ihr den Bischofsstab entriss. Kirchenpfleger Georg Pantele schätzt den Gesamtschaden auf mehrere tausend Euro. St. Agatha berge Gegenstände von hohem künstlerischen Wert – „umso schlimmer“ sei eine Beschädigung, sagt Pantele.

Die Tat ist nur die Spitze eines Eisbergs. Bei der Murnauer Polizei lief seit 8. Februar eine ganze Litanei an Vergehen auf, die dem Mann in der Region zur Last gelegt werden. Die Inspektion wollte diese mit Rücksicht auf die psychische Erkrankung zunächst nicht publik machen. Einmietbetrug wird dem Münchner, der offenbar in Unterkünften in und um Murnau übernachtet(e), ebenso vorgeworfen wie wiederholter Kennzeichenmissbrauch, Belästigung, Sachbeschädigung und Hausfriedensbruch. Von dem Vorfall in Uffings Pfarrkirche zeigt sich Loy regelrecht „schockiert“.

Pfarrer erwischte den Münchner auf frischer Tat

Am Ambo wurde das Schwanenhals-Mikro verknotet.

Ein Segen, dass seit über 25 Jahren eine Alarmanlage mit Bewegungsmelder, die erst vor wenigen Monaten fast komplett erneuert worden war, das Inventar von St. Agatha schützt. Der 69-Jährige löste am späten Nachmittag Sirene und Blinklicht am Turm aus, nachdem er das rote Absperrseil überwunden hatte, an dem ein Schild auf die Sicherung aufmerksam macht – und rief so Pfarrer Walter auf den Plan, der den Mann auf frischer Tat ertappte. Als der Geistliche den Frevel, die kirchlichen Gegenstände auf einem Haufen, sah, „war das ein gewisser Schreck“, sagt er. Der Mann, der „das Böse aus der Kirche austreiben wollte“, sei bereits dabei gewesen, weitere Dinge zu holen. Der Pfarrer stellte ihn zur Rede, „doch er antwortete, er spreche nicht mit mir, nur mit der Polizei“. In dieser Situation rächte sich Uffings Handy-Misere: Walter hatte keinen Empfang, konnte die Polizei nicht rufen. „Das hat mich in dieser Situation am meisten geärgert. Sonst hätte sie sich locker entschärfen lassen.“ So aber musste der Seelsorger den Täter allein in der Kirche zurücklassen und etwa 100 Meter weit zur Straße laufen, um Alarm schlagen zu können. „Ich stand völlig unter Strom, weil ich dachte: Er macht weiter“, sagt Walter.

Täter wieder auf freiem Fuß

Doch der Mann flüchtete, dann schnappte ihn die Polizei. Dennoch konnten die Beamten ihn bislang nicht dauerhaft festsetzen – dafür reichen die Taten nicht aus. Das treibt Walter um, er meint: „Es kann sein, dass er zurückkommt.“ Deshalb rief er in Seehausen die Gläubigen zu Aufmerksamkeit auf – ein Appell, den er an die ganze Region richtet. Und: Auch die vor Jahren diskutierten Pläne, in St. Michael ebenfalls eine Alarmanlage zu installieren, liegen wieder auf dem Tisch und sollen nun umgesetzt werden. Die Vorstellung, alle Gotteshäuser sicherheitshalber zu verrammeln – aktuell können Gläubige in der Region tagsüber manche betreten, andere nicht –, missfällt Walter. „Mir ist wichtig, dass eine Kirche offen bleibt.“

Die Sorge, dass der Münchner ein weiteres Gotteshaus heimsucht, könnte bald passé sein. Die Polizei, sagt Loy, habe das Landratsamt gebeten, die Unterbringung in einer Psychiatrie zu prüfen, weil der Mann sich selbst gefährde. Anlass war ein Vorfall in einer Seehauser Unterkunft. Dort entfernte der Mann, der Angst vor Elektrosmog habe, nach Angaben Loys über Nacht alle beweglichen Metallteile, durchtrennte ein Telefonkabel, montierte den Rauchmelder von der Decke – und versah Steckdosen mit feuchten Kosmetiktüchern.

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