+
Nach knapp sechs Monaten ist die Fürstenstraße seit Mittwoch wieder für den Verkehr freigegeben. Für etwa 680 000 Euro wurde sie samt Straßenbeleuchtung erneuert.

Die Leidenszeit ist vorbei, der Ärger noch da 

Fürstenstraße nach sechs Monaten Bauzeit wieder befahrbar

Garmisch-Partenkirchen - Endlich. Nach sechs Monaten Bauzeit ist die Fürstenstraße in Garmisch-Partenkirchen wieder befahrbar. Das freut alle Beteiligten – besonders die Wirtsleute aus dem Bräustüberl und dem Restaurant Husar. Sie haben besonders unter der Straßensperrung gelitten. Und üben Kritik.

Robert Gebhart hat sich auf einiges eingestellt – darauf nicht. Dass sich die Sanierung der Fürstenstraße so auf sein Geschäft auswirken würde, „dass es so schlimm werden würde“, damit hat der Pächter des Bräustüberls nicht gerechnet. 15 000 Euro hat er dieser Tage aus seinem Privatvermögen auf sein Geschäftskonto überwiesen, um die Rechnungen bezahlen zu können.

Seit 22. Juni weiß er, wie wichtig es den Menschen ist, direkt vor dem Haus zu parken. An diesem Tag haben die Arbeiten begonnen, seitdem blieb die Fürstenstraße bis einschließlich Dienstag gesperrt – und die Gäste blieben aus. Für die Umsatzeinbußen macht Gebhart niemanden verantwortlich, die bringen solche Arbeiten nun einmal mit sich. Auch wenn er von Anfang an andere Straßen in Garmisch-Partenkirchen für deutlich sanierungsbedürftiger gehalten hätte: „Es ist gut, dass etwas gemacht wird.“ Das Wie aber regt ihn dermaßen auf, dass er seinem Ärger dieser Tage im Internet auf Facebook Luft gemacht hat.

„Ich kenne niemanden, der dafür Verständnis hat“

„Liebe Gemeinde“, schreibt er unter anderem, „es wäre schön, wenn Ihr Euren Hintern bewegen würdet, denn hier werden Existenzen aufs Spiel gesetzt.“ Nicht nachvollziehen kann Gebhart die Dauer: Sechs Monate für etwa 800 Meter Straße – „ich kenne niemanden, der dafür Verständnis hat“. Dieses fehlt ihm auch für die Tatsache, dass die Straße bereits vor etwa zwei Wochen asphaltiert wurde, die Gemeinde sie aber erst am Mittwoch freigegeben hat.

Martin Bader, Sprecher des Marktes, bringt hier die Verkehrssicherungspflicht ins Spiel. Beispielsweise standen noch Pflasterarbeiten im Bereich der Gehwege an – bevor diese nicht abgeschlossen waren, durften die Verantwortlichen die Sperrung nicht aufheben. Und was die Dauer betrifft, liegt diese angesichts der umfangreichen Maßnahmen laut Bader im Rahmen. So wurden in den vergangenen Monaten der Kanal erneuert, die Hauptwasserleitung sowie neue Strom- und Hausanschlüsse verlegt, die Straße komplett neu aufgebaut, eine neue Asphaltdecke aufgebracht und eine neue Straßenbeleuchtung installiert. „Es gab kaum Verzögerungen.“ Konkret: knapp eine Woche im Vergleich zur ursprünglichen Ankündigung. Sogar der Kostenrahmen von 680 000 Euro – 20 Prozent bezahlt der Markt, 80 Prozent übernehmen die Anwohner – werde wohl eingehalten.

Auf die Ferienplanung einer Firma keinen Einfluss

Diese guten Nachrichten überzeugen Gebhart nicht. Wie leichtfertig hier mit den Existenzen von Unternehmern umgegangen wird, „das macht mich fertig“, sagt der Wirt im Tagblatt-Gespräch. Als weiteres Beispiel führt er an: Kaum hatten die Arbeiten begonnen, verabschiedete sich die beauftragte Firma im August in den Betriebsurlaub. „Hut ab“, schreibt er dazu süffisant. Leider habe man grundsätzlich auf die Ferienplanung eines Unternehmens keinen Einfluss, entgegnet Rathaus-Sprecher Bader.

Doch auch Verena Merget, Inhaberin des Restaurants Husar, ist überzeugt: Die Dauer der Vollsperrung hätte die Gemeinde reduzieren, zum Beispiel mit Teilabschnitten arbeiten können. Wie Gebhart fühlt sie sich als Unternehmerin, die wegen der Arbeiten unter Umsatzeinbußen litt, zu wenig unterstützt. „Ich habe das Gefühl, das interessiert die Gemeinde nicht.“ Bader betont: Man habe die Betroffenen umfassend informiert, der Einschränkungen ist er sich bewusst. Diese lägen „in der Natur der Sache“. Doch versuchten die Verantwortlichen, diese zu minimieren, indem sie während der Bauzeit zumindest die Zufahrt für Anwohner, die Wirte und deren Lieferanten weitgehend offen hielten.

Jetzt beruhigt sich die Lage

Seit Mittwoch nun können auch die Gäste die zwei Gaststätten wieder anfahren. Merget und Gebhart atmen auf. Akut bedroht sehen die beiden ihre Existenzen nicht. Hätten die Arbeiten aber noch länger gedauert, am Ende bis über Weihnachten hinaus, „dann auf jeden Fall“, sagt Merget. „Jeder Tag, der gesperrt ist, ist ein schlechter Tag“, bekräftigt Gebhart. Doch geht er ebenfalls davon aus, dass ab sofort „alles normal weitergeht“ und sich damit auch seine finanzielle Situation beruhigt.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Bürgerentscheid zum Kurhaus hinfällig
Antrag angenommen: Die Gemeinde Bad Bayersoien kommt den Forderungen der Initiatoren des Bürgerbegehrens nach. Jetzt wird das öffentliche Verfahren eingeleitet.
Bürgerentscheid zum Kurhaus hinfällig
Für Geschwister soll’s billiger werden
Es war die Stunde der Formulierungskünstler und – fast klar – eine Rechtsanwältin hat gesiegt. Die Frage ist nur, ob das auch vorhalten wird. Als es in der Sitzung des …
Für Geschwister soll’s billiger werden
Nach Ski-Sturz querschnittsgelähmter Niko kämpft sich zurück
Ein Sturz beim Training im Kaunertal hat Nikolai Sommers Leben verändert. Für immer: Der 16-Jährige, der als Nachwuchstalent des Deutschen Skiverbands galt, ist …
Nach Ski-Sturz querschnittsgelähmter Niko kämpft sich zurück
Kommunaler Wohnungsbau: Gemeinde gibt Gas
Die Marktgemeinde Murnau macht ernst mit dem kommunalen Wohnungsbau am Längenfeldweg: Jetzt wurde als erster Schritt der Architektenwettbewerb dazu auf den Weg gebracht.
Kommunaler Wohnungsbau: Gemeinde gibt Gas

Kommentare