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Schwenken die Fahnen für ihr Heimatland: Julia und Mark Winkler freuen sich auf ein spannendes Duell.

Deutsch-ukrainische Partnerschaft

Fußball-EM: Der Verlierer schläft im Gästebett

Garmisch-Partenkirchen - Die Fußball-EM ist in vollem Gange. Am Sonntagabend steigt auch die Deutsche Nationalmannschaft in das Turnier ein. Zum Auftakt geht es gegen die Ukraine. Für ein Ehepaar in Garmisch-Partenkirchen kein Spiel, wie jedes andere.

„In mir schlagen zwei Herzen“, sagt Julia Winkler. „Eines davon ukrainisch, das andere deutsch.“ Der Grund dafür ist schnell erklärt: Den Großteil ihres Lebens hat die gebürtige Potsdamerin im Heimatland ihrer Eltern in Osteuropa verbracht. Doch während einer Dienstreise lernte sie in Washington D.C. ihren jetzigen Ehemann Mark Winkler kennen und schon bald auch lieben. Aufgrund dessen Job als deutscher Pressesprecher im Marshall Center in Garmisch-Partenkirchen war früh klar, dass eine gemeinsame Zukunft nur in Deutschland möglich ist. Also packte sie ihre Sachen und zog ins Werdenfelser Land. Seit mittlerweile fünf Jahren leben die beiden in Garmisch-Partenkirchen und erfreuen sich an ihrer in Kürze zweijährigen Tochter.

Doch die Harmonie im Hause Winkler ruht demnächst. Zumindest für eine Nacht. Denn an diesem Sonntag kommt es bei der Fußball-EM zum großen Duell. Die deutsche Nationalmannschaft trifft zum Auftakt auf die Auswahl der Ukraine. Mitfiebern ist angesagt. „Als Soldat stehe ich bei der Hymne natürlich stramm“, gibt der 42-Jährige einen Einblick in die Stimmung kurz vor Spielbeginn. Seiner Frau geht es in dieser Hinsicht ähnlich. „Als stolze Ukrainerin werde ich meine Mannschaft natürlich lautstark anfeuern.“ Sogar ihr Vater wird per Video-Konferenz aus Donezk zugeschaltet sein und die „Schowto-blakytni“ (zu deutsch: die Gelb-Blauen) unterstützen.

Als wäre damit nicht schon genügend Brisanz geboten, hat sich das Ehepaar noch eine ganz besondere Wette einfallen lassen. „Der Verlierer muss in der Früh mit der Kleinen aufstehen“, verkündet die Fremdsprachenassistentin mit einem breiten Grinsen. Der Gewinner dürfe sich stattdessen noch einmal „ganz genüsslich umdrehen und ausschlafen“. Da sind gewisse Spannungen nach Spielende, laut ihrem Gatten, vorprogrammiert. „Die Nacht im Gästezimmer ist schon gebucht. Die Frage ist nur, für wen“, merkt er scherzhaft an.

Fragt man die beiden nach einem konkreten Tipp für das kommende Duell erhält man eine unerwartete Antwort. Die beiden setzen nämlich gleichermaßen auf einen 2:1-Sieg des jeweiligen Kontrahenten. „Die Ukrainer werden zwar mit großer Leidenschaft für ihr Volk spielen, aber Deutschland hat einfach eine super Mannschaft“, erklärt die 33-Jährige ihre Entscheidung. Deutlich weniger traut ihr Mann dem amtierenden Weltmeister zu. „Sie werden die Ukrainer auf die leichte Schulter nehmen. Man hat in der Qualifikation schon gesehen, dass sie sich gegen vermeintlich leichte Gegner gerne blöd anstellen.“ Er glaubt, dass für die DFB-Elf sowieso spätestens im Viertelfinale Schluss sei.

Doch bei allem Nationalpatriotismus soll die Rivalität zwischen dem sympathischen Paar natürlich „eine Ausnahme bleiben“, versichert der Soldat. „Wenn der Wetteinsatz eingelöst ist, ist bei uns alles wieder beim Alten."

Simon Nutzinger

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