G7 Gipfel 2015 Schloss Elmau Benjamin Ruß
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Benjamin Ruß, Sprecher der Gipfel-Gegner, in Garmisch-Partenkirchen.

Misthaufen auf Protestwiese

Scharmützel vor G7-Gipfel: Gerangel um jedes Chemie-Klo

  • Peter Reinbold
    VonPeter Reinbold
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Garmisch-Partenkirchen - Kleine Scharmützel liefert sich die Polizei fünf Tage vor dem G7-Gipfel mit den wenigen Gegnern, die sich derzeit in Garmisch-Partenkirchen aufhalten. Es geht darum, Stärke und Unnachgiebigkeit zu zeigen – vor allem, wenn es sich um das Camp handelt.

Völlig entspannt hatte der Montag für Benjamin Ruß begonnen. Der Sprecher des Aktionsbündnisses „Stop G7 Elmau“ ließ fünf Tage vor dem G7-Gipfel auf Schloss Elmau (Kreis Garmisch-Partenkirchen), bei dem die sieben Staats- und Regierungschefs der führenden Industrienationen teilnehmen, zunächst keinerlei Hektik erkennen. Am Mittag saß er in der Garmischer Metzgerei Sedlmayr und genoss Schweinsbraten mit hausgemachtem Kartoffelsalat.

Die folgenden Stunden hatten es für den G7-Gipfel-Gegner dann in sich. Er musste Krisenmanager spielen und lernte die Unnachgiebigkeit der Behörden kennen. Als er beobachten wollte, wie am Wittelsbacher Parkplatz mobile Toiletten – gedacht für das nicht genehmigte Camp auf einer Wiese nahe der Loisach – zwischengelagert werden sollten, kam’s zu Problemen mit der Polizei. Die verhinderte das Abladen. „Es gibt dafür keine Erlaubnis“, sagt Polizeipressesprecher Hans-Peter Kammerer. Die Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, Besitzer des Grundstücks, wusste von der handstreichartigen Übernahme der Fläche, auf der in ein paar Wochen ein alljährliches Volksfest stattfindet, nichts. „Wir haben keinen Bescheid erlassen, weder einen positiven noch einen negativen“, meinte Sprecher Florian Nöbauer. Ruß bestand darauf, eine Zusage erhalten zu haben: „Eine mündliche.“

G7-Gipfel auf Schloss Elmau: Das Areal ist rund 7000 Quadratmeter groß

Nach einer stundenlangen Hängepartie gab es für ihn dann doch noch eine frohe Botschaft. Das Landratsamt entschloss sich in Absprache mit der Gemeinde, die Fläche freizugeben, weil sie für eine Dauerkundgebung vorgesehen ist. Die 16 Chemietoiletten durften abgeladen werden. Heute soll die zweite Fuhre von 14 folgen, inklusive Küche und Gerätschaften. Wann und ob der erste Teil der Ausrüstung, die die G7-Gipfel-Gegner für ihr Camp geordert haben, seinen endgültigen Bestimmungsort erreicht, entscheidet sich spätestens heute Vormittag in München. „Dies ist uns als Termin genannt worden“, erklärt Ruß. Beim Verwaltungsgericht hatten die „Stop G7 Elmau“-Anwälte einen Eilantrag eingereicht, weil das Ordnungsamt Garmisch-Partenkirchen das Lager nahe der Loisach wegen Überschwemmungsgefahr verboten hatte.

Das Areal rund um die 7000 Quadratmeter große Fläche, die rund 1000 Personen beherbergen sollte, ist von der Polizei weiträumig abgesperrt und leicht zu überwachen, da es nur einen Zufahrtsweg gibt. Das Campieren auf der Wiese, die ein Garmisch-Partenkirchner Gastwirt an die G7-Gipfel-Gegner verpachtet hatte, ist sogar erlaubt. „Mit Iso-Matte und Schlafsack geht das“, erklärte Peter Reichl, Kammerers Stellvertreter, während der täglichen Pressekonferenz. Der Aufbau von Zelten oder Ähnlichem werde allerdings nicht geduldet. Wer sich nicht daran halte, dem werde man die rechtliche Situation vor Augen führen, „dass er sich auf dünnem Eis bewegt“.

G7-Gipfel auf Schloss Elmau: Es gilt die Null-Toleranz-Grenze

Das Camp und seine Begleiterscheinungen – zurzeit der einzige Schauplatz, der der Polizei Kopfzerbrechen bereitet. Die Verkehrskontrollen zum G7-Gipfel auf Schloss Ellmau laufen nach Plan. „Es gibt keine Probleme“, sagt Reichl. Mit denen rechnet er frühestens ab Donnerstag, nach dem Protestzug in München, zu dem bis zu 30.000 Demonstranten erwartet werden. „Danach werden sich viele auf den Weg nach Garmisch-Partenkirchen machen“, glaubt der Kriminalrat.

Mit dem Zug oder per Bus werden seiner Meinung nach die meisten die Fahrt ins Werdenfelser Land antreten. Das Auto schließt er als Verkehrsmittel zum G7-Gipfel 2015 weitgehend aus. „Sie wissen, dass wir da sehr intensiv kontrollieren.“ Dass die Null-Toleranz-Grenze gilt, erfuhr Ruß gestern. Das Vorgehen der Polizei quittierte der 29-Jährige mit Unverständnis. „Wir tun, was von uns gefordert wird, und wir bekommen nur Knüppel zwischen die Beine geschmissen. Damit müssen wir leben. Wir lassen uns von diesen Auflagen nicht einschüchtern“, meinte er kämpferisch. Dabei hatte der Tag doch so entspannt angefangen.

Peter Reinbold

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: News-Blog und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir bereits für Sie zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

G7-Gipfel: Posse um Chemie-Klos von Gegnern - Bilder

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