G7 Gipfel 2015 Schloss Elmau Garmisch
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Scherben bringen Glück? Zum Glück keine Scherben! Ein Geschäftsmann in Garmisch-Partenkirchen montiert die Bretter ab, mit denen er sein Schaufenster vor potenziellen Randalierern schützen wollte.

Nach den turbulenten Tagen

Normalität, bitte: Das Fazit des G7-Gipfels in Elmau

  • Marcus Mäckler
    vonMarcus Mäckler
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Garmisch-Partenkirchen - Die Gipfelgegner waren friedlicher als befürchtet und schneller weg als gedacht. Garmisch-Partenkirchen will jetzt schnell in den Normalzustand zurückfinden – und zieht ein erstes Fazit.

Die wirklich wahren Wahrheiten gibt’s am Tresen, und wenn’s nur der beim Bäcker ist. „Gute Arbeit haben Sie gemacht“, sagt eine Frau zu dem Polizisten hinter ihr. „Wie lange bleiben Sie denn noch?“ Der fränkelt zurück: „Bis Dienstag, wenn das ganze G’schmarre vorbei is’.“

Die Bäckerei im Garmisch-Partenkirchner Ortszentrum hat am Montagmorgen schon wieder geöffnet – da ist das „G’schmarre“, der Gipfel und seine Begleitumstände, zumindest fast vorbei. Einige andere Läden sind noch immer geschlossen; ein Juwelier hat das Schaufenster mit dunkler Folie verhängt und nutzt die Gipfelzeit zum Renovieren.

Die Geschäfte im Ort scheinen die turbulenten Tage jedenfalls ganz gut überstanden zu haben. Nach Angaben aus dem Rathaus ging nicht eine Fensterscheibe zu Bruch. Insgesamt wurden nur zwei Schäden gemeldet: eine zertrampelte Wiese und ein zerstörter Aufsteller vor einem Laden. Michaela Nelhiebel wundert das nicht. „Wir hatten eh keine Angst“, sagt die Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmisch-Partenkirchen. „Wenn auf jeden Demonstranten fünf Polizisten kommen, was soll denn da passieren?“

G7-Gipfel in Elmau: Geschäfte wollen wieder öffnen

Nelhiebel, selbst Optikerin, vertritt 120 Geschäfte im Ortszentrum. Auch sie hatte geschlossen, wie rund 45 Prozent der Geschäfte. Ein paar hatten ihre Schaufenster mit Brettern vernagelt oder mit Folien zugeklebt. Dass sie überhaupt geschlossen zusperrten, hatte unter anderem wirtschaftliche Gründe. Sie fürchteten, dass sich das Geschäft nicht lohnen würde. So war es. „Es kam einfach niemand“, sagt Nelhiebel. Schon in den Wochen vor dem Gipfel habe sich das Großereignis auf den Einzelhandel ausgewirkt. Die Geschäftsleute rechnen mit Umsatzeinbußen von 30 bis 50 Prozent. Immerhin: Als Kompensation will Bayerns Wirtschaftsministerium den Geschäften 60 000 Euro für Marketingmaßnahmen zur Verfügung stellen.

Anders sieht es beim Gastgewerbe aus. „Unsere Häuser sind ausgebucht“, sagt Jutta Griess vom Hotel- und Gaststättenverband. Zwar gebe es noch keine Zahlen. Aber Griess rechnet mit „deutlich höheren Belegungszahlen“.

Ab Dienstag wollen die Geschäfte im Ortszentrum wieder öffnen. „Dann wird es endlich wieder normal“, sagt Michaela Nelhiebel. „Ich freue mich drauf.“ Normalität, das wünschen sie sich – und zwar möglichst schnell.

Sie dürfen hoffen. Die Polizeikräfte sollen schon am Mittwoch zu großen Teilen abgereist sein. „Dann spürt man vom Gipfel hier so gut wie nichts mehr“, sagt Peter Reichl, stellvertretender Leiter des G7-Planungsstabs. Auch der knapp sieben Kilometer lange Sicherheitszaun um Schloss Elmau verschwindet. Nach Angaben des Staatlichen Bauamts Weilheim beginnt noch am Dienstag der Abbau. Gleiches gilt für das Medienzentrum im Eisstadion. Beim Hubschrauber-Landeplatz im Elmauer Tal, der wieder ein Wanderparkplatz werden soll, könnte es länger dauern. Der Auftrag für den Rückbau ist noch nicht vergeben.

G7 Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: Zurück zur Normalität

Viel Arbeit also. Dafür ist die Sache mit den Gullydeckeln relativ einfach. 3600 von ihnen wurden entlang der Protokollstrecke vom Flughafen im Erdinger Moos versiegelt: Die weißen Streifen lösen sich aber im Laufe der Zeit von selbst auf.

Hier und dort begann die Normalität schon am Montag. Ein paar Geschäftsleute beseitigten die Bretter von ihren Schaufenstern, auf den Straßen im Ort waren wieder mehr Anwohner-Autos zu sehen. Alles gut, könnte man sagen. Und manche hoffen, dass es noch besser wird. Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Sigrid Meierhofer (SPD) und ihr Krüner Amtskollege Thomas Schwarzenberger (CSU) sind ganz berauscht von den positiven Bildern, die entstanden sind – und hoffen auf mehr Touristen.

Den Polizisten aus Franken haben sie schon in der Tasche. Bevor er mit seinem Kaffee zu den Kollegen zurückgeht, sagt er: „Ich komme auf jeden Fall wieder. Dann ohne Uniform.“

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: Ticker zum Nachlesen und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir für Sie nochmal zusammengefasst. Außerdem können Sie unseren Ticker zum G7-Gipfel hier nachlesen.

Marcus Mäckler und Katharina Bromberger

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