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Gegen den Vorwurf der Inszenierung wehren sich (v.l.) Hans Baur, Hauptmann der Gebirgsschützenkompanie Wallgau, Franz-Paul Reindl (Musikkapelle Krün, Karlheinz Schwaiger (Vors. Trachtenverein Wallgau), Josef Winzinger (Vors. Trachtenverein Krün) und Franz Lipp (Vors. Trachtenverein Mittenwald).

"Tag war kitschig, aber echt"

Trachtler wehren sich gegen Seppl-Klischee: Krün ist kein Disneyland

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Krün - Es war ein einmaliges Erlebnis für die Menschen in Krün, als Barack Obama und Angela Merkel während des G7-Gipfels dort vorbei schauten. Für die Grünen und die SPD war es jedoch ein inszeniertes Disneyland - und dagegen wehren sich nun die Bürger.

Sie schwärmen noch immer von diesem einmaligen Erlebnis. Dem Sonntag im Juni, an dem sie US-Präsident Barack Obama und Bundeskanzlerin Angela Merkel im Rahmen des G7-Gipfels von Angesicht zu Angesicht gegenüberstanden, ihnen die Hände schütteln und ein paar Worte wechseln durften. Alles lief perfekt. „Solche Tage gibt’s selten“, sagt Franz-Paul Reindl, Vorsitzender der Musikkapelle Krün, über den Empfang am Rathaus seiner Heimatgemeinde (Kreis Garmisch-Partenkirchen).

An Obamas Besuch erinnern sich die Menschen aus dem Oberen Isartal gerne.

Nach Ansicht von SPD-Generalsekretärin Yasmin Fahimi und Anton Hofreiter vom Bündnis 90/Die Grünen war’s inszeniert. Fahimi bewertete den Empfang als „Klischee“ und „Disneyland“, Hofreiter blies im ARD-Morgenmagazin in ein ähnliches Horn. Das lassen die Isartaler Trachtenvereine, die Blaskapelle Krün und die Gebirgsschützenkompanie Wallgau nicht einfach auf sich sitzen. Die Mitglieder fühlen sich beleidigt, deshalb schickten die Vereinschefs an die beiden Politiker einen sachlichen Beschwerde-Brief – bisher ohne Rückmeldung.

„Das ist eine Unverschämtheit, wie man mit der Bevölkerung umgeht“, klagt Hans Baur, Hauptmann der Gebirgsschützen. „Egal, welcher Gast zu uns kommt, es gehört sich, dass wir ihn sauber empfangen“, ergänzt Krüns Trachtenvorsitzender, Josef Winzinger junior. Das sei ein Ausdruck von Respekt, was auch in anderen Kulturkreisen so gehandhabt werde. So lautet auch die Kernaussage des Schreibens. „Wir finden es anmaßend, wenn Sie die Bevölkerung von Krün herabwürdigen und dazu missbrauchen, an der Kanzlerin und dem G7-Treffen Kritik zu üben“, heißt es darin weiter. Denn genau das, vermuten die fünf Männer, stecke hinter der „Provokation“: die Suche nach irgendetwas, was man durch den Kakao ziehen kann. „Die können ja nicht zugeben, dass der Gipfel ein Erfolg war“, behauptet Baur. „Wir sind die Mittel zum Zweck, und was das Mittel empfindet, ist denen egal.“

Die Isartaler fühlen sich als die Leidtragenden der ganzen Geschichte. „Uns wird das Seppl-Klischee aufgedrückt“, beschwert sich Reindl. Der Tag sei vielleicht kitschig gewesen. Aber echt. Ohnehin hätten sie keine Zeit für eine Inszenierung gehabt. Umso mehr erzürnt sie das Verhalten der beiden Politiker, weil sie stolz auf ihre Tradition und ihr Brauchtum sind. „Wir leben in der Tracht“, sagt Mittenwalds Trachtenvorsitzender Franz Lipp. „Das ist kein Maschkeragwand.“

Den Brief – samt Einladung zum 110-jährigen Bestehen des Krüner Trachtenvereins – verschickten die Männer am 22. Juni mit Durchschlag an die SPD-Politiker Florian Pronold, Markus Rinderspacher und Klaus Barthel, die Partei-Vertreter aus Bayern. Bisher warten die Isartaler vergeblich auf eine Reaktion. „Anscheinend ist eine Antwort nicht notwendig“, sagt Winzinger junior. „Daran sieht man, welche Stellung wir haben.“ Das sei schlechter Stil und unhöflich.

Ulrich Mayer, Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, kann die ganze Aufregung nicht nachvollziehen. Eine handschriftlich verfasste Postkarte von Rinderspacher sei am vergangenen Freitag in die Post gegangen. Inhalt: Der Landtagsabgeordnete bedankt sich dafür, dass die Einheimischen Bayern in „herausragender Weise repräsentiert haben“. Bei Pronold hingegen sei laut dem Sprecher der Partei kein Schreiben eingegangen. In Klaus Barthels Fall liegt ein anderes Problem vor: ein Missverständnis. Die Isartaler haben im Brief „zur Kenntnisnahme“ vermerkt. „Sie haben nichts veranlasst“, sagt Barthels Sprecher. Auf jeden Fall kann er im Sinne des Politikers aber ein klärendes Gespräch anbieten.

Zu der Äußerung von SPD-Generalsekretärin Fahimi erklärte gestern ein Sprecher, dass es keinesfalls ihre Intention gewesen sei, die Trachtenvereine herabzuwürdigen oder zu beleidigen. Deutschland sei eben mehr als die wunderschönen Landschaften im Norden, Süden, Osten und Westen. Es verkörpere auch Innovationskraft, Modernität und Vielfalt und das sei ihr zu kurz gekommen bei der Inszenierung auf Schloss Elmau.

Anton Hofreiter, Fraktionschef der Grünen im Bundestag, erklärt seine Bewertung so: „Bayern ist ein wunderschönes Fleckchen Erde mit seinen Menschen, seinen Bergen und seiner Natur, die ich persönlich sehr schätze. Ich stelle mir vielmehr die Frage, ob es nicht einfacher und günstiger gewesen wäre, den G7-Gipfel in der Großstadt auszurichten, wo auch die nötige Infrastruktur vorhanden ist.“

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