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Am Haupteingang des Protestcamps: "Presse bitte draußen bleiben". Einmal pro Tag findet hier eine Pressekonferenz statt.

Zwischen Landidylle und lautem Protest

G7-Gipfel: So sieht es im Protestcamp aus

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Garmisch-Partenkirchen - Das Protestcamp zum G7-Gipfel 2015 hat sich gut gefüllt. Für Journalisten ist der Zutritt eigentlich strengstens verboten - wir durften uns trotzdem umschauen.

Eine idyllische Lage haben sich die Gegner des G7-Gipfels auf Elmau für ihr Protestcamp in Garmisch-Partenkirchen ausgesucht. Das Rauschen der Loisach im Ohr, die Berge im Blick. Echte Freiheit. Denkste. Es gibt klare Spielregeln, die sich die Demonstranten gegeben haben. Und sie haben ihr Revier klar markiert, sich im freien Feld gut abgeschottet: Die Grenzen ihrer kleinen Zeltstadt sind mit flattertem Absperrband akkurat markiert, der Zutritt ist für Journalisten strengstens verboten. Am Haupteingang steckt ein Schild im Boden. "Bitte kein Zutritt für Presse. Polizei bitte hier melden. Ihr Anliegen wird hier bearbeitet", heißt es darauf. Fotos aus dem Protestcamp der Gegner des G7-Gipfels sind gänzlich tabu. Sogar die Campbewohner selbst dürfen nicht fotografieren, nicht mal ein Selfie schießen. Das Camp ist ihr Wohnzimmer, sagen die Protestler. Und ins Wohnzimmer lasse sich schließlich keiner gerne schauen. Privatsphäre hat oberste Priorität.

G7-Gipfel 2015: Keine Fotos im Camp der Gegner

Zum Glück gibt es Ausnahmen. Für unsere Zeitung haben die Bündnissprecher eine solche gemacht: Wir durften einen Blick in ihre kleine Welt werfen. Aber ohne Kamera, versteht sich.

Der Eingangsbereich ist gleichzeitig Sanitärbereich. Da stehen mannshohe Wasserbehälter und zig Dixi-Klos. Im Hintergrund dröhnt permanent ein Kompressor. Aus einer Trogkonstruktion aus Holz plätschert das Wasser zum Zähneputzen in eine hellblaue Plastikrinne. Die Camper stehen mit ihren Zahnbürsten auf einer Paletten vor dem Waschbecken. Sonst werden schnell die Füße nass - der Boden ist matschig, weich und nass. Viele G7-Gegner im Protestcamp sind barfuß oder in Flip-Flops unterwegs.

Im vorderen Camp-Teil sind mehrere große, blaue Zelte aufgebaut. An der Wand hängen handbeschriebene Zettel mit dem Programm der kommenden Tage: Demos, Kundgebungen, Diskussionsrunden. "Die Stimmung ist super, aber wir sind kein Festival", betont Bündnissprecher Benjamin Ruß. "Wir haben politische Anliegen." Drin im Zelt sitzen einige Camper zusammen und diskutieren: über Armut, das Freihandelsabkommen TTIP, Kapitalismus und die Ukraine-Krise. Und über die nächsten Demonstrationen und Kundgebungen gegen den G7-Gipfel in Elmau. Am zweiten Großzelt spielt die Musik nicht drin, sondern draußen: An der Zeltwand kleben die Artikel der Tageszeitungen. Eine Menschentraube steht davor und liest. Andere machen sich's im Gras gemütlich und schneiden interessante Artikel aus. Dominierendes Thema: Die Demonstrationen zum bevorstehenden G7-Gipfel auf Schloss Elmau.

G7-Gipfel: Protestcamp bereits am Freitag gut gefüllt

Laut dem Aktionsbündnis sind bis Freitagmittag gut 600 Gegner des G7-Gipfels an die Loisach gezogen. Viel Platz für weitere Zelte ist nicht mehr. Maximal 1100 Personen dürfen ins Camp. "Es werden sicher mehr kommen", sagt ein Sprecher. "Darauf haben wir schon lange hingewiesen. Wir müssen schauen, was wir dann machen." Fünf Euro pro Nacht und Nase verlangt das Protestbündnis zur Refinanzierung seiner Kosten - auf mehr oder weniger freiwilliger Basis. Die Umgebung wird von der Polizei streng bewacht. Wer von der Hauptstraße aus den Waldweg mit Taschen oder Rucksäcken betritt, wird kontrolliert.

Die Stimmung im Protestcamp gegen den G7-Gipfel ist ausgelassen, fröhlich, friedlich. Eine junge Frau liegt draußen im Schatten eines Zelts auf einem grünen Handtuch und schläft. In den roten, grünen und blauen Kugelzelten selbst - sie stehen dicht an dicht im hinteren Teil der gepachteten Wiese - hält es am Vormittag keiner mehr aus: Es ist sauwarm, die Sonne sticht. Zeit zum Planschen und Baden in der eiskalten, hüfttiefen Loisach. Urlaubsidylle auf dem Land. Die Protestcamper können aber auch anders: In der Mittagshitze versammeln sie sich plötzlich zu einer Spontan-Demo. Geschlossen ziehen sie in den Ort, um sich dort einer Kundgebung anzuschließen. Dann zeigen die überwiegend jungen Leute, warum sie eigentlich hier sind. Die Demonstranten winken mit Fahnen und Bannern, brüllen ihre Parolen und Forderungen. Manche Geschäftsleute schließen vorsichtshalber ihre Geschäfte und schließen die Fensterläden. Polizisten, viele mit Helm und Schlagstock ausgestattet, säumen die Straßen. Von Camp-Idylle ist da nichts mehr zu spüren.

Im Camp wird für alle gemeinsam gekocht.

Im Camp wird derweil geköchelt und gebrutzelt. Nicht alle sind bei der Demo gegen den G7-Gipfel. Einige sind geblieben und bereiten das Abendessen vor - und zwar für alle, ebenfalls gegen Spende. "Hier nur weiter mit Hygieneeinweisung" steht auf einem großen Schild. Davor wird Geschirr gespült - Teller, Töpfe und Besteck werden wieder gebraucht. Zudem gibt's ein Zelt mit reichhaltiger Getränkeauswahl. Nicht im Angebot: harte Alkoholika. Das ist eine Vorgabe des Landratsamts und der Marktgemeinde. "Von 18 bis 24 Uhr geben wir Bier aus", sagt Ruß. "In Maßen." Und er wiederholt: "Wir sind kein Partyfestival, wir haben Forderungen."

dor

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: News-Ticker und die wichtigsten Fakten

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum G7-Gipfel haben wir bereits für Sie zusammengefasst. In unserem News-Ticker zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

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