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Was hat Schlossherr Dietmar Müller-Elmau mit der geplatzten Feier im Riesenzelt zu tun?

Keine Feier im Riesenzelt

Steckt der Schlossherr hinter der geplatzten Luxusparty?

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Elmau/Krün - Ein Riesenzelt direkt neben Schloss Elmau – und niemand hat’s bemerkt. Der mysteriöse Bau erstaunt inzwischen auch die Landespolitik. Klar ist derweil: Eine Feier wird es nicht geben.

Ein böser Satz geisterte am Dienstag durch die Landtagsflure. Man scherzte unverfroren: „Der Russe ist da.“ Die Sache mit dem mysteriösen Zelt nahe Schloss Elmau (Kreis Garmisch-Partenkirchen) hatte sich unter den Abgeordneten längst herumgesprochen. Das Gerücht, dahinter stecke ein Russe, ebenfalls.

Innenminister Joachim Herrmann (CSU) bemühte sich dann schnell, jede weitere Spekulation um eine mögliche Feier zu unterbinden: „Es ist völlig klar, dass das nicht stattfinden wird. Punkt aus.“

Dabei ließ er die Frage offen, wie es möglich war, dass eine Firma tagelang ein 50 Meter langes, 25 Meter breites und 25 Meter hohes Zelt aufbaute. Mitten im Landschaftsschutzgebiet. Ohne dass die Behörden davon wussten.

Eine Feier jedenfalls sei in diesem sensiblen Gebiet „nicht genehmigungsfähig“. Garmisch-Partenkirchens Landrat Anton Speer (Freie Wähler) betonte: „Das können wir auf keinen Fall dulden.“

Vor G7-Gipfel: Party auf Hubschrauberlandeplatz geplant

Auf dem Hubschrauberlandeplatz, der eigens für den anstehenden G7-Gipfel Anfang Juni angelegt wurde, herrschte am Dienstag tatsächlich absolute Ruhe. Die Arbeiten an dem Zelt sind eingestellt. Die Spekulationen gehen weiter.

Wer da nun im großen Stil feiern wollte, ist aber noch immer nicht ganz klar. Eine Sprecherin des Hotels sagte gestern, es handele sich um einen deutschen Geschäftsmann, der eine Party habe feiern wollen. Gerüchteweise hieß es, der Mann sei in Russland zu Geld gekommen, sehr vermögend und habe seinen 50. Geburtstag feiern wollen.

Ein Einverständnis der Staatsforsten hat es, wie ein Sprecher beteuerte, jedenfalls nicht gegeben. „Für eine Veranstaltung solcher Dimension im Landschaftsschutzgebiet hätten die Bayerischen Staatsforsten auch im Vorfeld niemals ihre Zustimmung erteilt.“

Steckt Schlossherr Dietmar-Müller Elmau hinter dem geplanten Fest?

Im benachbarten Schloss Elmau will man mit der großdimensionierten Veranstaltung nichts zu tun haben. Schlossherr Dietmar Müller-Elmau war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Nicht wenige vermuten aber, dass er hinter dem geplanten Fest steht. Er scheint sich zumindest um eine Genehmigung bemüht zu haben.

Dienstag nach Ostern rief Müller-Elmau beim G7-Planungsstab an, wie Stabssprecher Hans-Peter Kammerer unserer Zeitung sagte. Dabei habe er wissen wollen, „ob der Nutzung des Hubschrauberlandeplatzes am 17. und 18. April etwas entgegen stünde“.

Hintergrund der Frage sei eine Geburtstagsfeier und der Aufbau eines „Verköstigungszelts“ gewesen. Kammerer sagt, unter einem Verköstigungszelt habe man sich etwas deutlich Kleineres vorgestellt. Die Auskunft lautete schließlich: Der Platz wird an beiden Tagen polizeilich nicht genutzt. Dann wies man auf die nötigen Genehmigungen hin.

Auch beim zuständigen Forstbetriebsleiter soll Müller-Elmau nach Auskunft der Staatsforsten zwei Mal angerufen haben – zuletzt am 7. April. Dabei habe er, wie gegenüber dem G7-Planungsstab, den Eindruck erweckt, es handele sich nur um eine kleine Feier.

Einen offiziellen Antrag gibt es nicht

Ob klein oder im ganz großen Stil – in jedem Fall wäre ein offizieller Antrag nötig gewesen. Den gibt es aber nicht. Zwar sind nach Angaben eines Sprechers des Landratsamts Zeichnungen und ein Ablaufplan der Feier eingereicht worden. „Aber das entspricht nicht einem Antrag.“ Es brauche außerdem eine Erlaubnis nach der Landschaftsschutzgebietsverordnung.

Der Geburtstag, das steht fest, wäre ein ziemlich exklusives Event geworden. Schon das Zelt, vermutete Herrmann gestern, müsse eine Sonderanfertigung sein, weil es nicht, wie andere Bauten dieser Größenordnung, über ein so genanntes Prüfbuch verfügt. Darin werden in der Regel Auf- und Abbau dokumentiert.

Am Aufbau soll eine Firma aus dem Raum Augsburg beteiligt gewesen sein. Sie ist weltweit aktiv und hat sich auf große Konzerte spezialisiert. Laut Landratsamt sollte der Sänger Max Raabe auftreten.

Abseits vom Gemunkel brachte auch Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU) seine Verwunderung zum Ausdruck. Ihm war das Zelt schon vor wenigen Tagen aufgefallen. Was dahinter steckt, erfuhr er erst aus der Zeitung. „Mich hat es bald vom Stuhl gehauen.“ Die Rechtsabteilung des Landratsamts prüft gerade, wie weiter verfahren wird, insbesondere mit dem Zelt. Ein schneller Abbau käme der Behörde sicher nicht nur wegen des baldigen G7-Gipfels recht.

Um zumindest einige andere Fragen in Sachen G7-Gipfel zu klären, wird am Mittwoch ein Bürgerbüro eingerichtet. Dort können Bürger ihre Sorgen äußern und erhalten Informationen.

G7-Gipfel: Themenseite, News-Blog und die wichtigsten Fakten

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Marcus Mäckler/Christof Schnürer

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