G7 Gipfel Elmau Luxus-Party
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Es sollte ein riesiges Partyzelt werden: 100 Bauarbeiter haben im Akkordtempo ein großes Stahlgerüst auf dem G7-Hubschrauber-Landeplatz aufgebaut. Allerdings ohne Genehmigung. Der Bau wurde am Montag eingestellt. 

Das "Zelt" steht schon fast

Unerlaubte Luxus-Party: Geschäftsmann baut am G7-Landeplatz

Elmau/Krün – Ein riesiges „Zelt“ sorgt für Aufregung: Ein Geschäftsmann will wenige hundert Meter vom G7-Hotel Schloss Elmau entfernt Geburtstag feiern. Der Haken: Weder Gemeinde noch Behörden wussten darüber in vollem Umfang Bescheid.

Unweit vom Tagungsort des G7-Gipfels in Elmau sollte die Luxus-Party stattfinden.

Lenny Kravitz und Rammstein auf der Konzertbühne, Wladimir Putin als Überraschungsgast... Die Gerüchteküche im Werdenfelser Land brodelt. „Alles Blödsinn“, echauffiert sich Dietmar Müller-Elmau. Der Chef von Schloss Elmau, wo bekanntlich Anfang Juni der G7-Gipfel stattfindet, sieht sich zu Unrecht Attacken von Umweltschützern ausgesetzt, die momentan wegen eines monströsen Partyzelts in unmittelbarer Nachbarschaft seines Luxus-Resorts zu Felde ziehen. Dort, direkt an einem hochsensiblen Landschaftsschutzgebiet gelegen, möchte ein Hotelgast, dem Vernehmen nach ein deutscher Geschäftsmann, seinen 50. Geburtstag feiern. „Wir haben damit nichts zu tun“, stellt Müller-Elmau klar. „Ich weiß nicht, was da passiert.“

Und aller Wahrscheinlichkeit nach wird dort auch nichts passieren: „Der Bau wurde mit sofortiger Wirkung eingestellt“, teilt Stephan Scharf, Sprecher des zuständigen Landratsamts Garmisch-Partenkirchen, mit. Mitarbeiter der Kreisbehörde hatten am Montag das umstrittene Bauwerk in Augenschein genommen – und schritten ein. „Grundlage dafür ist, dass die notwendige Erlaubnis aus der Landschaftsschutz-Verordnung nicht beantragt wurde“, erläutert Scharf. Ebenso sei vom Veranstalter keine Anzeige nach dem bayerischen Baugesetz gestellt worden.

Seit einigen Tagen haben im Elmauer Tal zirka 100 Bauarbeiter auf dem künftigen G7-Hubschrauber-Landeplatz im Akkordtempo ein gewaltiges Stahlkonstrukt in die Höhe gezogen. Es sollte am Samstag rund 150 illustren Partygästen Platz bieten, die zwar nicht von Rammstein und Lenny Kravitz, aber unter anderem von Max Raabe und seinem Palastorchester unterhalten werden sollten. „Das ist jenseits von Gut und Böse.“

Das Urteil des pensionierten Revierförsters und Kreisvorsitzenden des Bund Naturschutzes, Axel Doering, fällt schonungslos aus. Eine derartige Party „mitten in der Natur“ während der Vogelbrutzeit zu genehmigen, findet der Garmisch-Partenkirchner „unglaublich“.

Weitaus skurriler ist allerdings, dass von Behördenseite noch gar nicht grünes Licht gegeben wurde. „Es gibt keinen privatrechtlichen Vertrag“, betont Rudolf Plochmann, der Leiter des Forstbetriebs Bad Tölz. Denn die riesige, asphaltierte Partyzone gehört den Bayerischen Staatsforsten. Plochmann spricht lediglich von einer Anfrage seitens Schloss Elmau. „Ich weiß bis jetzt nicht, worum es geht, weil mir keine Unterlagen vorliegen.“ Laut Plochmann erfolgt aus seinem Haus erst eine Zustimmung, wenn die „öffentlich-rechtliche Genehmigung erteilt ist“.

Doch das konnte bislang nicht geschehen. Denn Thomas Schwarzenberger, der Bürgermeister von Krün, auf dessen Flur das Elmauer Tal liegt, bekam erst gestern einen Antrag auf seinen Schreibtisch. Ihm zufolge sei der Veranstalter eine russische Agentur, die wiederum ein Augsburger Unternehmen mit der Umsetzung des Projekts beauftragt hat.

Eine Stellungnahme von dieser Firma steht bislang aus. Der Bürgermeister jedenfalls wundert sich, dass bei einem Vorhaben dieser Größenordnung erst fünf Tage vor dem Termin ein Gestattungsersuchen gestellt wird. „Da sprechen wir normalerweise von einem Vorlauf über ein halbes Jahr.“ Denn bei derlei Vorhaben gilt es, Baurechtsfragen, Hygiene-Vorschriften, den Brandschutz, Flucht- und Rettungswege und nicht zuletzt Naturschutz-Aspekte zu berücksichtigen – und zwar in diesem Fall vom Landratsamt Garmisch-Partenkirchen.

Auch dort zeigte man sich gestern ob des Fortschritts eines anscheinend nicht genehmigten Bauwerks irritiert. Von der Gemeinde Krün informiert, schickte die Kreisbehörde Mitarbeiter zum Elmauer Zelt – und vermieste nun die Party.

G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau: Themenseite, News-Blog und die wichtigsten Informationen

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst. In unserem News-Blog zum G7-Gipfel erfahren Sie die aktuellsten Nachrichten rund um das Großereignis auf Schloss Elmau.

Christof Schnürer

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