G7 Gipfel 2015 Gegner
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Präsenz zeigt die Polizei bei der Aktion des Bündnisses „Stop-G7-Elmau“ vor dem Schloss. Ein Eingreifen aber wird nicht nötig. Alles läuft friedlich ab.

"Wir wollen keine Gewalt"

G7-Gipfel: Keine Schlafplätze für Gegner

Klais/Elmau - Den Aktivisten von „Stop-G7-Elmau“ stehen weiter keine Flächen für Camps zur Verfügung. Die Gegner des G7-Gipfels 2015 hoffen auf Hilfe der Bürger und betonen ihre Friedfertigkeit.

Friedlich und geordnet - x-Mal nutzt Manfred Hoffmann diese beiden Wörter. „Wir wollen keine Gewalt“, sagt der Presseverantwortliche des Bündnisses „Stop-G7-Elmau“. Jedes Wort betont er dabei. Auch, um diese Botschaft zu vermitteln, sind er und seine Mitstreiter ins Isartal gekommen,

Für friedliche und geordnete Verhältnisse plädieren Manfred Hoffmann (l.) und Benjamin Ruß vom Aktionsbündnis „Stop-G7-Elmau“.

haben zur Pressekonferenz ins Klaiser Bahnhofstüberl eingeladen, zu Gesprächen am Infostand und zu einem Spaziergang - eine Demonstration war nicht angemeldet - nach Elmau. Die Aktivisten müssen die Menschen im Landkreis überzeugen: Unter ihnen verbergen sich keine Krawallmacher und Randalierer, sie grenzen sich „klar ab von Hooligans und Rechtsextremen“, untermauert Hoffmann. Sie fordern lediglich ihr Recht auf Kritik ein - und „eine friedliche Kritik muss eine Demokratie aushalten“. Genau dafür brauchen sie die Bevölkerung. Denn nach wie vor suchen die Aktivisten nach Flächen, auf denen sie ihre Camps während des G7-Gipfels in Schloss Elmau am 7. und 8. Juni errichten können.

Diese Camps bilden die Voraussetzung für die ordentlichen und sicheren Verhältnisse, die sich Hoffmann und Co. wünschen. Denn was passiert, wenn die Bürger weiter dem Appell von Politik und Polizei folgen und keine Flächen zur Verfügung zu stellen? Der redegewandte Hoffmann - er ist auch Sprecher der Partei Die Linke im Kreisverband München - antwortet mit einer (rhetorischen) Gegenfrage: „Was bliebe uns übrig, als dort zu übernachten, wo Platz ist?“

Wildwuchs und Chaos wären mögliche - und wahrscheinliche - Folgen. Denn: „Die Demonstranten kommen sowieso.“ Drei Camps für jeweils 1500 Personen hält Hoffmann für wichtig. Rund 100 Organisationen unterstützen ihm zufolge das Aktionsbündnis, hinzu kommen Einzelpersonen aus aller Welt.

G7-Gipfel 2015: Für Gegner beginnt "heiße Phase"

Mit ihrer Aktion am Sonntag präsentierten sich die Aktivisten zum zweiten Mal im Landkreis. Mitte Januar waren sie mit einem Infostand in Garmisch-Partenkirchen vertreten. Nun beginne „die heiße Phase“. In den kommenden Monaten werden die Gipfelgegner verstärkt die Öffentlichkeit im Landkreis suchen, um Vorurteile abzubauen.

Gegen solche verwahrt sich auch Thomas Kirchleitner, Polizeidirektor der Inspektion Garmisch-Partenkirchen. „Wir haben nichts gegen die Demonstranten“, sagte er am Rande der Veranstaltung. Er habe das Gefühl, „dass hier Fronten aufgebaut werden, die es nicht gibt“. Ein konfliktfreies Verhältnis und der freundliche Umgang miteinander sei auch für die Beamten oberstes Gebot. „Ganz enspannt“ beobachteten er und seine Kollegen die Aktion in Klais und Elmau. Für den Ernstfall aber muss die Polizei gewappnet sein. Sie zeigte daher Präsenz.

Kaum Bürger am Info-Stand der G7-Gegner

Interessierte Bürger dagegen ließen sich kaum blicken. Der Info-Stand in Klais blieb weitgehend unbeachtet. Als politische Vertreterin tauchte nur Garmisch-Partenkirchens CSU-Fraktionsvorsitzende Elisabeth Koch auf. Der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger zeigte Desinteresse: Freundlich grüßend fuhr er im schwarzen Geländewagen vorbei, während Aktivisten, Polizisten und Medienvertreter auf den Beginn der Presekonferenz warteten. In Elmau schließlich fragte ein einheimischer Wanderer: „Was machen denn die Polizisten da? Ob die schon auf Demonstranten warten?“

Wie zur Antwort kamen wenige Minuten später die ersten G7-Gegner über die Fahrstraße in die Elmauer Talsenke marschiert. Unaufgeregt, friedlich, leise. Eben wie Spaziergänger an einem sonnigen Sonntagnachmittag. Vor der Kulisse von Schloss und Wettersteingebirge breiteten sie fürs Foto ihre Banner aus. „Die Lawine ins Rollen bringen“ stand darauf. Oder auch „Wir kommen alle“. Noch waren es lediglich um die 30. Nur kurz präsentierten sie die Demonstranten, die in ihnen stecken und als die sie dann während des Gipfels auftreten werden. „Hoch die internationale Solidarität“, skandierten sie - und überraschten die wenigen Touristen, Journalisten und Polizisten ebenso wie sich selbst. „Das Echo ist fantastisch“, urteile eine Aktivistin. Die Akustik also passt, jetzt fehlen nur noch die Übernachtungsmöglichkeiten.

Zum G7-Gipfel 2015: Diese Demos planen die Aktivisten

Das Bündnis „Stop-G7-Elmau“ hat für die Tage vor und während des Gipfeltreffens konkrete Aktionen geplant. Sofern die Behörden alles absegnen, beginnen die Demonstrationen am 3. und 4. Juni in München. Dies teilte Manfred Hoffmann, Sprecher des Bündnisses, am Sonntag mit. „Dann zieht die Karawane nach Garmisch-Partenkirchen.“ Dort ist für den 6. Juni die erste Kundgebung angesetzt, am 7. Juni, dem ersten Gipfel-Tag, wird es den Sternmarsch nach Elmau geben. Dort sollen die Aktionen am 8. Juni mit einer Abschlusskundgebung ausklingen. Noch aber liegen keine Genehmigungen vor. Im April soll, hofft Hoffmann, das Programm stehen.

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst.

Katharina Bromberger

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