„Sincerely“, dann eine geschwungene Unterschrift – das ist der Brief Obamas, den der Bürgermeister hier zeigt.

Ein Brief aus Washington

„Thank you, again“ – Obama dankt Krüner Bürgermeister

Krün –Anfang dieser Woche hat der Krüner Bürgermeister Thomas Schwarzenberger Post erhalten. Der Absender: „The White House Washington“.

Der Mehrzeiler trägt eine prominente Unterschrift: die des amerikanischen Präsidenten Barack Obama. „Es wird wohl nicht viele Menschen in Deutschland geben, die ein persönliches Schreiben von ihm bekommen“, sinniert der Rathauschef, als er den Brief in seinem Amtszimmer mit erhöhtem Pulsschlag studiert.

Prost: Obama im Juni beim G7-Gipfel. 

Weitaus aufgeregter war Schwarzenberger natürlich, als er vor über einem halben Jahr an einem sonnigen Junitag zum Auftakt des G7-Gipfels in Schloss Elmau den mächtigsten Mann der Welt und Bundeskanzlerin Angela Merkel auf dem Krüner Rathausplatz begrüßen durfte. Die Bilder von Obama beim legendären Weißwurst-Frühstück freundlich lächelnd mit dem Weißbierglas in der Hand gingen damals um die Welt. Und der Dorf-Bürgermeister durfte daneben sitzen und mit Obama ein paar Worte wechseln. „Ein wirklich besonderer Tag“, meint Schwarzenberger, „Den lass’ ich mir von niemandem vermiesen.“

Er spielt damit auf die zum Teil ätzende Kritik einiger Politiker und Comedians an, die diesen Empfang als verkitschtes, weißblaues Seppl-Theater brandmarkten. „Nichts war inszeniert, da können die sagen, was sie wollen.“ Da ist für ihn das persönlich gehaltene Dankesschreiben von Obama geradezu Balsam auf die Seele. „Ich habe Ihre unermüdlichen Bemühungen, das Band der Freundschaft und die Zusammenarbeit, die unsere Länder verbinden, sehr geschätzt.“ Das Lob an den „Dear Mayor Schwarzenberger“ ist damit noch lange nicht zu Ende: „Besuche wie diese geben mir große Hoffnung für eine Zukunft, angefüllt mit Chancen für alle Menschen.“ Das geht runter wie Öl bei Schwarzenberger, der im G7-Jahr Überstunden ohne Ende angesammelt hat.

Doch die Sache war’s wert, findet der 45-jährige Familienvater, dem nun bereits zum zweiten mal Post aus Washington ins Rathaus flatterte. Dankesbrief eins gab’s im Oktober, nachdem die Krüner im Sommer Obama ein Wappen und ein Buch zugesandt hatten. Daraufhin wurde ein zweites Buch und eine G7-CD über den großen Teich geschickt. Die Antwort aus dem Weißen Haus hält Schwarzenberger seit drei Tagen in Händen. „Der Brief kommt in den Ordner ,Besonderheiten’“, verrät der stolze Bürgermeister, der Obamas Zeilen „schon als meinen Brief“ interpretiert. Möglicherweise wird er ja – sozusagen als Dauer-Leihgabe – bald Platz finden in einem G7-Museum oder -Ausstellungsraum. Über solche Pläne denken die Krüner gerade nach. Doch spruchreif sei noch nichts, wiegelt Obamas Tisch-Nachbar ab.

Viel lieber überfliegt er noch einmal dessen Zeilen an den „Honorable Thomas Schwarzenberger“. Übrigens: Der Brief datiert vom 29. Oktober 2015. Warum er erst jetzt seinen Weg ins Rathaus fand, bleibt wohl ein G7-Rätsel. 

Christof Schnürer

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