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Nur noch ein schmaler Weg zeugt vom illegal gebauten Parkplatz im Elmauer Naturschutzgebiet.

G7-Gipfel-Rückbau in vollem Gang

Gras wächst über illegalen Parkplatz

Isartal - Bald erstahlt das Elmauer Tal wieder in voller Schönheit. Derzeit verschwinden die Spuren des G7-Gipfels. Erstaunlich schnell, findet selbst einer der größten Kritiker.

Briefing-Center? Schon lange weg. Rettungszentrum im Wald? Keine Spur mehr. Schutzzaun? So gut wie passé. Einen Monat nach Ende des G7-Gipfels in Schloss Elmau sind viele temporären Bauwerke verschwunden. Mit dem Tempo, das dabei an den Tag gelegt wird, hat auch Axel Doering nicht gerechnet. „Die Arbeiten gehen wirklich flott voran“, räumt der Bund-Naturschutz-Kreisvorsitzende ein. „Die Veranstalter wollen sich wohl ungern was nachsagen lassen“, unkt der pensionierte Förster aus Garmisch-Partenkirchen, der im Vorfeld des sündteuren Gipfeltreffens wie kein anderer im Landkreis die massiven Eingriffe in hochsensibler Landschaft angeprangert hatte.

Ein besonderer Dorn im Auge war Doering der Hubschrauber-Landeplatz oberhalb des ehemaligen Alpenguts. Doch seit Dienstag geht’s auch dort Schlag auf Schlag. Im Eiltempo wird der Asphalt bei sengender Hitze abgefräst, tonnenweise auf Lkw verladen und abtransportiert. Übrig geblieben ist eine riesige planierte Kiesfläche, die zu einem späteren Zeitpunkt in einen begrünten Wander-Parkplatz umgewandelt werden soll.

Apropos grün: Auch an den viel kritisierten Schwarzbau vis à vis des neuen Retreats erinnert nicht mehr viel. Anders ausgedrückt: Über den nicht genehmigten Baustellen-Parkplatz ist weitgehend Gras gewachsen. Nur noch eine schmale Kies-Trasse zeugt von dem befestigten Areal für Fahrzeuge und Container, die das Landratsamt nicht nur mit harschen Worten kritisiert hatte. Es verhängte auch ein Bußgeld gegen Bauherrn Dietmar Müller Elmau. Dieser musste sich laut Landratsamts-Sprecher Stephan Scharf vertraglich verpflichten, mit der Renaturierung des strittigen Parkplatzes bis spätestens 15. Juli zu beginnen. Bis dahin könnten nun sogar die Arbeiten in vorbildlicher Weise abgeschlossen sein.

Trotzdem: „Ich weiß von fünf Tierunfällen“, meint der Förster – drei Rehe, zweimal Rotwild. Allerdings räumt er ein, die Tiere nicht selbst gesehen zu haben. Doering bleibt dabei: „Eingriffe in die Natur wurden klein geredet und dann Panik gemacht.“

Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) kann diese Sichtweise als großer G7-Gewinner natürlich nicht teilen. Im Gemeinderat sprach er neulich sogar vom „friedlichsten Gipfel aller Zeiten“. Und dieser – speziell der Besuch von US-Präsident Barack Obama in Krün (7. Juni) – möchte auch ordentlich dokumentiert werden. „Da werden wir aber noch bis September brauchen.“

Inzwischen hat die Murnauer Brauerei Karg eine Obama-Bierbank – zwar nicht das Original – angeliefert. Heute darf dazu der Rathauschef gegenüber dem Bayerischen Fernsehen Stellung nehmen – und noch einmal vom G7-Gipfel schwärmen.

Christof Schnürer

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