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Klarer Standpunkt: Pfarrer Johannes Widmann (r.) verdeutlicht SPD-Gemeinderat Rudi Rauch, der zufällig vorbei geradelt ist, seine Sichtweise zum G7-Gipfel 2015.

Infostand in Mittenwald

G7-Gipfel 2015: Gegner unter Beobachtung

Mittenwald - Die Gegner des G7-Gipfels 2015 haben Station in Mittenwald gemacht. Von Anfeindung keine Spur. Doch den Organisator schreckt die Polizeipräsenz ab.

Für den evangelischen Pfarrer Johannes Widmann aus München war es ein schwerer Gang nach Mittenwald - vorerst zumindest. Er war der Veranstaltungsleiter des Infostandes der G7-Gegner „Stop G7 Elmau“. Er rechnete mit Anfeindung und Abweisung. Doch siehe da - er wurde mehr als positiv überrascht. Allerdings erschreckte ihn die polizeiliche Überwachung.

Samstag, 10 Uhr. Der Wind pfeift kalt durch den Obermarkt, Transparente und Banner flattern im Wind. Johannes Widmann beschwert gerade einen Stapel voll Info-Flyer mit einem Stein. Auf diesem sind neben einem großen Logo „Stop G7“ zahlreiche Ausführungen gedruckt mit Fragen wie „Warum kommen wir?“ und „Warum bleiben wir?“ Der Stand von ihm und seinen Begleitern wird schon seit den frühen Morgenstunden von der Polizei flankiert. „Auch die Kripo und sogar der Staatsschutz sind hier“, erklärt er verblüfft. Ähnlich gestaltete sich die Szenerie eine Woche zuvor im benachbarten Klais.

Radler zu Gegnern des G7-Gipfels 2015: "Tut’s lieber Mal was arbeiten!"

Doch der demonstrations-erfahrene Geistliche weiß, wie es ist, „unter Beobachtung zu stehen“. Derweil wird der Stand der Gegner des Gipfeltreffens von vielen einfach ignoriert, hin und wieder fliegen scheue Blicke auf die fünf Aktivisten. Ein wutentbrannter Fahrradfahrer steuert vorbei und brüllt: „Tut’s lieber Mal was arbeiten!“ Das ist aber die absolute Ausnahme an diesem Tag, wie Pfarrer Widmann weiß. Der Seelsorger muss einfach nur lachen und gibt als Antwort: „Ja das tun wir doch auch!“

Trotzdem ist es für ihn eine erfreuliche Kundgebung: „Ich hatte ja schon Bedenken am Anfang, nach Mittenwald zu kommen“, verrät der 45-Jährige. Doch siehe da: „Die meisten Menschen hier sind sehr aufgeschlossen, viele geben uns sogar recht und wünschen uns Glück.“

Im selben Moment spaziert der Mittenwalder SPD-Gemeinderat Rudi Rauch (73) vorbei, betrachtet interessiert die Plakate. Er kommt schnell ins Gespräch mit Widmann. „Das Demonstrationsrecht ist ein Grundrecht und muss gewahrt werden“, bekundet Rauch, der pensionierte Bundeswehr-Soldat. „Mir ist nur wichtig, dass die Veranstaltung friedlich abläuft, und das auch Sie dafür Sorge tragen.“

Da findet Widmann als einer der ersten Demonstranten klare Worte: „Wir verurteilen Gewalt und distanzieren uns ganz deutlich von allen Aggressoren in unseren Reihen. Es ist aber zum Glück nur ein Bruchteil.“ So deutlich nahm bisher noch keiner im Bündnis Abstand von potenziellen Krawallmachern.

Dass ihnen die Politik aber immer noch Steine in den Weg legt, da ist sich Widmann sicher. „Einer unserer ersten Gäste heute war Bürgermeister Adolf Hornsteiner. Er machte sofort deutlich, dass wir in Sachen Flächen-Suche für unsere Camps et cetera keinerlei Unterstützung seitens der Gemeinde erwarten brauchen.“

Alle Infos zum G7-Gipfel 2015 auf Schloss Elmau finden Sie auf unserer G7 Themenseite. Die wichtigsten Fragen und Antworten haben wir bereits zusammengefasst.

joho

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