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Das Bild, das um die Welt ging - als Persiflage: Schauspieler stellen Angela Merkel und Barack Obama während ihres Gesprächs im Park von Schloss Elmau nach. Dem Schlossherrn gefällt das ganz und gar nicht.

Schlossherr Müller-Elmau verklagt Hochschule

Filmreifer Streit um die Bank von Elmau

Elmau - Filmstudenten haben auf Schloss Elmau einen satirischen Film über Merkel und Obamas Ratsch auf der Holzbank gedreht. Schlossherr Dietmar Müller-Elmau ist sauer. Darum hat er versucht, den Film verbieten zu lassen.

Eine Gruppe von Studenten der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) wollte ein Zeichen im Kampf gegen den Klimawandel setzen. Die Idee: Ein satirischer „Climate Clip“. Der Titel: „Angie Baby“. Die Ausgangsszene: „Angela und Barack chillen in Bavaria.“ Gedreht haben sie den Film am 27. August auf Schloss Elmau (Kreis Garmisch-Partenkirchen), dem Ort des diesjährigen G7-Gipfels. Dafür hätten sie eine Genehmigung gehabt, sagen die Studenten. Schlossherr Dietmar Müller-Elmau bestreitet das. Deshalb ging er nun gerichtlich gegen die HFF vor. Er wollte ihr mit einer einstweiligen Verfügung verbieten, den Film zu veröffentlichen und zu verwerten.

Der fast zwei Minuten lange Clip nimmt das Gespräch von Bundeskanzlerin Angela Merkel und US-Präsident Barack Obama auf der inzwischen berühmt gewordenen Holzbank vor Schloss Elmau gewaltig aufs Korn. Alles Mögliche beratschen die beiden dort. Nur den Klimawandel nicht. Den schieben sie lieber auf die lange Bank. Den Klimawandel ernsthaft angehen? Darüber können sie nur lachen. „Die Botschaft des Films lautet: „Let’s get serious“ (Lass uns ernst werden)“, erklärt Studentin Laura Roll, die in der Produktion des Clips mitgewirkt hat. „Man muss jetzt anpacken gegen den Klimawandel.“

Dietmar Müller-Elmau ist der Auffassung, dass die Bundeskanzlerin und der amerikanische Präsident in diesem Kurzfilm verunglimpft werden. Er habe und hätte nie sein Einverständnis gegeben, dass ein solcher Film auf dem Hotelgelände gedreht wird.

Die entscheidende Frage für die Richterin war nun, ob eine gültige Erlaubnis vorlag. Die HFF sagt, dass sie mit Einwilligung des Schlosshotels vor dem berühmten Alpenpanorama gefilmt habe. Laura Roll schilderte als Zeugin, dass sie bei der Zentrale des Hotels angerufen habe. „Ich sagte, dass wir Studenten seien und einen Clip vorbereiten. Ob es möglich sei, auf der Bank Drehaufnahmen zu machen.“ Sie sei davon ausgegangen, an die richtige Person weitergeleitet zu werden, wenn sie anrufe. Die Frau am Telefon habe gebeten, dass sie alles zusammenfasse und eine E-Mail schicke. Das hat Roll auch getan. Sie schickte eine Mail mit zwei Anhängen. Und habe die Erlaubnis von einer Mitarbeiterin erhalten.

Dietmar Müller-Elmau stellte jedoch klar, dass er der Geschäftsführer des Hotels sei. Als solcher könne nur er allein Drehgenehmigungen erteilen. Weder der Hoteldirektor noch die erwähnte Mitarbeiterin seien dazu befugt. „Sie arbeitet für mich. Sie ist meine Assistentin. Sonst nichts.“

Nach Ansicht der HFF ist Müller-Elmaus Assistentin, die auf der Homepage als PR-Direktorin aufgeführt ist, aber stets für Drehgenehmigungen zuständig – sie habe auch der Autorin Kirsten Esch die Erlaubnis für den bekannten Film „Das Schloss, der Gipfel und die Macht“ erteilt. Müller-Elmau widersprach: „Das ist ja lächerlich. Die Genehmigung habe ich persönlich erteilt. Nicht ein einziger Film wurde ohne meine Genehmigung gedreht.“

Laut seiner Anwältin Claudia Böhm sei das Hotel auch über den Charakter des Films getäuscht worden – und die Studenten seien nicht im Namen der HFF aufgetreten. „Man dachte, ein paar Studenten wollen was drehen, noch dazu für den guten Zweck. Es wurde als reine Gefälligkeit genehmigt.“

Kurz nach der Verhandlung, noch im Türrahmen des Gerichtssaals, wandte sich ein Mitstreiter der Studenten an den Schlossherrn: „Herr Müller-Elmau, Sie haben Ihren Laden nicht im Griff!“ Dieser konterte: „Die Filmhochschule hat nicht gesagt, was sie macht. Die Filmhochschule arbeitet nicht seriös.“

Am Ende scheiterte Müller-Elmau mit seinem Antrag: Es habe den Anschein gehabt, als dürfe die Assistentin eine Genehmigung erteilen. Die Studenten freuten sich. Noch gestern Abend reichten sie den Clip beim Filmfest der Filmhochschulen ein. Fast in letzter Sekunde. Denn um Mitternacht war Einsendeschluss.

Nina Gut

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