Problemstelle: Mit viel Verkehr müssen die Anwohner an der Ortsdurchfahrt in Klais leben. foto: sehr

G8-Gipfel: Klaiser fühlen sich vergessen

Krün - Es brodelt in Klais: Die Bewohner sind sauer, dass sie nicht vom Millionentopf für den G8-Gipfel profitieren. Dabei sind sie diejenigen, die am meisten unter dem Verkehr leiden.

Selten war es so voll im Sitzungssaal des Krüner Rathauses. Rund 30 Bürger waren zur Gemeinderatssitzung gekommen - alle aus dem kleinen Ortsteil Klais. Ein deutliches Zeichen. Sie wollten Präsenz zeigen, verdeutlichen: Wir sind auch noch da. Denn in letzter Zeit „fühlen wir uns vergessen“, klagt Annemarie Albrecht. Sie wollte ebenso wie die anderen Bewohner nun wissen, was für ihren Ortsteil im Zuge des Großereignisses gemacht wird. Denn das stand am Dienstagabend mal wieder auf der Tagesordnung.

Das Ergebnis befriedigte nicht alle. Geplant ist für 2015 eine Ortskernsanierung mit neuen Dorfeingängen, Straßendecken, Gehwegen und Stellflächen, der Einbau von Schwellen zur Tempodrosselung sowie ein Umbau der Einmündung von der Staatstraße aus Richtung Mittenwald mit Option eines Kreisverkehrs, wie Bürgermeister Thomas Schwarzenberger (CSU) berichtete. Kostenpunkt: 900 000 bis eine Million Euro. Das Paket begrüßen die Anwohner, doch eines fehlt ihnen darin: eine Umgehungsstraße. „Die ist das Allerwichtigste“, unterstrich Anwohnerin Christa Ulmen im Gespräch mit dem Tagblatt. Dass diese Option ziemlich schnell von den Behörden als nicht realisierbar abgeschmettert wurde, ärgert einige Klaiser. Und noch mehr, dass eine Umsetzung auch nach dem Gipfel nicht mehr zur Diskussion steht. Zudem hätten einige Betroffene für diese geplanten Maßnahmen gerne eine schriftliche Zusage von Schwarzenberger. Der steht - zumindest bei einigen Betroffenen - derzeit stark in der Kritik.

Denn auch im Ortsteil selbst herrscht Uneinigkeit über das Thema G8, die konkreten Wünsche für Klais und die Rolle des Bürgermeisters. Einige ärgern sich nur im Stillen, andere äußern Unmut, nehmen aber den Rathauschef in Schutz, der sein Bestes gebe. Doch nicht allen geht dessen Engagement weit genug. Das Klima war in der Sitzung deutlich angespannt. Und dass auch er verärgert ist, daraus machte Schwarzenberger keinen Hehl. „Es ist mir bewusst, dass insbesondere das Nervenkostüm der Anlieger an der Bahnhofstraße und am Elmauer Weg nach vielen Jahren Bauzeit in Kranzbach und Elmau und den zusätzlichen Maßnahmen in diesem Jahr besonders belastet wird. Dafür habe ich großes Verständnis.“ Doch „kein Verständnis habe ich für eine Neiddebatte“. Ihn ärgert, dass einige Bürger nach seiner Ansicht den Nachbargemeinden Mittenwald und Wallgau die Förderungen aus dem G8-Topf nicht gönnen.

Für Entspannung hat Schwarzenberger mit dieser Äußerung nicht gesorgt. „Wir sind nicht neidisch“, stellt Albrecht klar. „Wir wollen nur ebenfalls profitieren.“ Natürlich gönne man allen Gemeinden die Mittel, nur hätten die Klaiser auch gern ein Stück vom Kuchen. Michaela Höck fühlte sich vom Rathauschef „gemaßregelt wie kleine Kinder“. Noch dazu stinkt einigen Betroffenen ein weiterer Punkt: Ihnen fehlt eine schriftliche Zusage für die Ortskernsanierung nach dem Gipfel. „Wenn es um eine Million Euro geht, will ich aber schon eine Zusage haben“, untermauerte Alexandra Pfadler. nine

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