Transparenz ist Trumpf: Bei der Exkursion zur Elmauer Großbaustelle fordern die Grünen von den G8-Verantwortlichen eine verlässliche Informationspolitik. Das betont Jörg Jovy (r.) auch gegenüber einem Fernseh-Team. Ähnlich äußern sich (im Hintergrund v. r.) Axel Doering, Katharina Schulze und Tessy Lödermann. foto: tomaschek

G8-Gipfel: "Naturschutz in Geiselhaft"

Elmau - Sie können und wollen den G8-Gipfel in Schloss Elmau nicht verhindern. Aber die Grünen werden nicht müde, auf die Gefahren, die von diesem Mega-Ereignis ausgehen, hinzuweisen.

Ein Steinadler kreist über dem Elmauer Tal. Für die versammelte Schar auf dem Wanderparkplatz eine Szene mit Symbolcharakter. „Hier wird Naturschutz in Geiselhaft genommen“, meint Jörg Jovy. Der Kreissprecher von Bündnis 90/Die Grünen hat zu einer Informationsfahrt zum Schloss Elmau eingeladen. Jenem weltweit renommierten Fünf-Sterne-Hotel, in dem sich in gut zehn Monaten die mächtigsten Staats- und Regierungschefs zur Klausur zurückziehen werden. Nicht nur für Jovy ist das „der falsche Ort“.

Die ebenfalls angereisten Vertreter der Grünen und des Bund Naturschutz (BN) pflichten ihm bei. „Wir können den Gipfel nicht verhindern, und wir wollen es auch nicht“, spricht BN-Kreisvorsitzender Axel Doering in die Kamera eines TV-Teams. Plötzlich hält der ehemalige Revierförster, der schon die Olympischen Winterspiele 2018 und 2022 in seinem Heimatort Garmisch-Partenkirchen erfolgreich geißelte, kurz inne. Denn just in diesem Moment fährt ein Polizeiauto am Parkplatz vorbei. „Die sieht man hier sehr viel.“

Und nicht nur die Ordnungshüter. Im Fünf-Minuten-Takt donnern Lkw am Schloss und seinen Baustellen vorbei. Radfahrer und Wanderer leben momentan zwischen Klais und dem ehemaligen Alpengut Elmau gefährlich. Und der Verkehr und der Trubel werden noch mehr, da sind sich die Exkursionsteilnehmer einig. Ist der G8-Gipel Anfang Juni 2014 vorbei, werden viele sagen: „So haben wir uns das nicht vorgstellt“, glaubt zumindest Doering.

Im Beisein von Katharina Schulze, der innenpolitischen Sprecherin der Grünen im Bayerischen Landtag, und Tessy Lödermann, der Kreisvorsitzenden des Tierschutzvereins, beschreibt der langjährige SPD-Kommunalpolitiker die Schönheit dieses einzigartigen Landstrichs, seines einstigen Reviers. „Das ist der Weg ins Paradies“, wird Doering geradezu pathetisch.

Diesen Satz spricht er auf einem Parkplatz aus, der nicht zuletzt mit dem verkohlten Schutt des 2005 zum Teil abgebrannten Schlosses Elmau geschaffen wurde. Doering glaubt, dass diese Fläche in gut zehn Monaten als Hubschrauber-Landeplatz herhalten muss. „Dann wird es hier sicher sehr lebhaft werden - aber nicht wegen der Touristen“, sagt Doering mit spöttischem Unterton.

Doch eben dieses Areal ist umzingelt von Naturschutz- und FFH-Flächen mit Wiesen, die nicht 20 besondere Pflanzenarten, sondern 120 hervorbringen. „Sie alle sind sehr trittempfindlich“, betont Doering. „Diese Wiesen sind nicht dazu geeignet, dass dort Polizisten und Chaoten Fangen spielen.“ Und es werden viele von ihnen kommen. Nicht zu vergessen zig tausende von Medienvertretern. Doering berichtet in diesem Zusammenhang von den Demonstranten seinerzeit bei den Protesten am benachbarten Hohen Brendten. „Wie fantasievoll Chaoten sein können, haben wir damals erlebt - und das ist noch nicht der Schwarze Block.“ Also jene G8-Gegner, die auch vor Gewalt nicht zurückschrecken.

Ein Gipfeltreffen dieser Kategorie in einem Naturschutzgebiet - dieser Gedanke ist auch für Katharina Schulze unerträglich. „Daher ist es wichtig, dass es Leute gibt, die hier ganz genau hinschauen.“ csc

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