G8-Gipfel "touristisch ein Flop"

Oberes Isartal - Die Isartaler Vermieter sehen den G8-Gipfel sehr zweigeteilt: Volle Betten sind schön, doch viele zahlungskräftige Stammkunden bleiben weg. Und die Gemeinden schauen auch in die Röhre...

In vielen Isartaler Hotels und Pensionen ist Fronleichnam 2015 im Kalender schon rot markiert. Alle Zimmer ausgebucht, kein freies Bett mehr vorhanden. Tausende Polizisten und Sicherheitskräfte haben ihre Unterkünfte in der Alpenwelt Karwendel schon gebucht.

Doch ganz ohne Sorgen blicken die Hoteliers nicht auf die Großveranstaltung. „Ich habe doch einige Gäste, die arge Bedenken haben und nicht kommen im nächsten Jahr“, berichtet Christian Fellner, Beisitzer im Vorstand des Mittenwalder Touristiskvereins. Zu groß ist die Angst vor Trubel, Absperrungen und möglichen Ausschreitungen. Auch Schriftführer Daniel Rieger sieht den Gipfel zweigeteilt: „Infrastrukturmäßig top, touristisch ein Flop.“ Trotz tausender Gäste. Rieger beherbergt in seinem Alpenhotel Polizisten, für Urlauber gibt es im Juni 2015 kaum freie Betten - und das in der tourismusstarken Zeit über die Feiertage. So manch ein Tourist ist verärgert.

Und das kann den Vermietern nicht egal sein. Denn die Gipfel-Gäste kommen nur einmal, auf Stammkunden können die Hoteliers aber nicht verzichten.

Doch die Isartaler wollen ihre Chance nutzen und Polizisten als Stammkunden generieren. Touristikvereins-Chef Michael Liebl betont: „In den Gesprächen zwischen uns und der Alpenwelt Karwendel stand von Beginn an die Frage im Raum, was wir den Einsatzkräften vor Ort bieten können, damit sie später mit ihren Familien oder Freunden wieder kommen. Da sehe ich viel Potential.“

Und der Gipfel schreckt auch nicht jeden ab, wie Ingrid Sailer festgestellt hat. „Meine Gäste erklärten, dass sie es mal ganz interessant finden, so ein großes Ereignis aus nächster Nähe mit zu erleben“, erzählt die Vize-Vereinschefin. Sie sollen zudem ein „G8-Zuckerl“ bekommen: Vergünstigungen in Geschäften oder Bergbahnen und G8-Führungen in den Monaten vor dem Ereignis.

Nur müssen die Urlauber im Juni 2015 ebenso intensiv betreut werden wie immer, parallel zu den Gipfel-Gästen. Das Großereignis bedeutet für die Vermieter einen deutlichen Mehraufwand. Denn im Einsatz sind die Beamten rund um die Uhr - und mit ihnen die Hoteliers. „Wir müssen dann kochen, wenn die Beamten Schichtwechsel haben“, unterstreicht Rieger.

Zudem schürt der Gipfel weitere Ängste: Sailer bereiten die Einschränkungen und Kontrollen in den geplanten Sicherheitszonen Bauchweh. „Manche Gäste haben die Befürchtung, dass sie täglich kontrolliert werden, wenn sie nach Mittenwald ein- oder ausreisen“, sagt die Vermieterin. „Oder dass dies zu argen Verkehrsstörungen führen wird.“

Ihr Kollege Rieger bleibt vorerst gelassen: „Dass Gäste nicht zum Kranzberg hoch dürfen oder Ähnliches“, glaubt er, „wird wohl zum Schlimmsten gehören.“ Wie die Einschränkungen wirklich aussehen, wird aber erst klar, wenn das Sicherheitskonzept steht. Dennoch sind die Vermieter froh, wenn sie im Herbst hoffentlich bis ins Detail aufgeklärt werden, was genau geplant ist.

Doch eines steht schon fest: Finanziell brauchen sie sich nicht fürchten. Denn an den Einsatzkräften verdienen sie pro Zimmer „genauso viel, wie am normalen Gast“, unterstreicht Liebl. Das Nachsehen haben die Gemeinden. Die Beamten kommen zum Arbeiten und müssen keine Kurtaxe zahlen. Ob es Ausgleichszahlungen geben wird, „ist noch nicht bekannt. Das wird sich noch entscheiden“, berichtet Silvia Heinemann vom Mittenwalder Steueramt.

Beantragt haben die Isartaler aber eine finanzielle Unterstützung beim Wirtschaftsministerium, berichtet Krüns Bürgermeister Thomas Schwarzenberger. Und zwar nicht für „ein zusätzliches Konzept über eine externe Firma, sondern, um die Mittel in unser bestehendes Vermarktungskonzept einzubauen“. Damit es auch in den Gemeindekassen klingelt.

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