Tradition, die begeistert: Über 2000 Besucher aus der Region und dem Ausland lockt der Sterngang am Silvesterabend nach Oberammergau. Der große, beleuchtete Stern führt die Gäste durch das ganze Dorf, unter anderem vorbei am Hotel Maximilian. foto: schoft

Gänsehaut-Stimmung bei Sternmarsch in Oberammergau

Oberammergau - Dieser Brauch geht ans Gemüt: Rund 2000 Menschen beteiligten sich am traditionellen Sternmarsch in Oberammergau.

„A guads neis Jahr“, schreit ein kleines Mädchen. Die Menschen um sie herum schauen sie an und lachen. Schließlich haben sie selbst gerade so laut es eben geht gebrüllt; und genau das ist es, was die Jahrhunderte alte Tradition des Sterngangs von ihnen verlangt. Um diesen Brauch mitzuerleben und zusammen in das neue Jahr zu starten, sind auch heuer wieder mehr als 2000 Menschen am Silvesterabend nach Oberammergau gekommen.

„Es sind sogar mehr Leute als im vergangenen Jahr“, meint Michael Pfaffenzeller. „Schließlich war es für uns wegen der Passion heuer ein ganz besonderes Jahr.“ Und so lässt das Mitglied des Oberammergauer Chors noch einmal Revue 2010 passieren, während er zusammen mit fast 80 weiteren Sängern dem großen, sich drehenden Stern hinterherläuft. Startpunkt ist das Ammergauer Haus, alle 100 Meter bleibt der Stern stehen. Dann scharen sich die vielen Musiker, unter denen sich auch zahlreiche Mitglieder des Passionschors befinden, um ihn herum und singen die Melodien, die schon ihre Eltern früher dargeboten haben. Diese so genannten Sternlieder wurden eigens für den traditionellen Marsch durchs Dorf komponiert. „Die Stücke sind größtenteils lustig, manchmal auch nachdenklich“, beschreibt Felix Biermeier die Auswahl. Der 19-Jährige ist heuer zum zweiten Mal dabei, für ihn ist das eine besondere Ehre.

Schon wesentlich mehr Erfahrung hat Ludwig Pongratz beim Sterngang gesammelt. Seit 15 Jahren ist er einer der wichtigsten Männer des Geschehens: Er trägt den großen Stern vorneweg. „Ab der dritten oder vierten Station ist das schon ganz schön anstrengend“, gibt er zu. Dennoch ist es auch für ihn eine Ehre, wenn sich genau über ihm das Jesuskind auf dem Stern immer schneller dreht. Da sind die Mühen leicht vergessen.

Auch Arno Nunn lässt der Jahrhunderte alte Brauch nicht kalt. „Das geht schon in Richtung Gänsehaut-Feeling, wenn alle ,a guads neis Jahr’ rufen“, sagt der Bürgermeister. Natürlich brüllt auch er kräftig mit. Währenddessen verteilt er hunderte kleine Lampions mit Kerzen an die Besucher. „Man merkt einfach, dass eine Gemeinschaft da ist und Grenzen überwunden werden.“ Und das gehe wohl über das Ortsschild hinaus.

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