GAP: Zustände wie am Mount Everest? Hüttenwart schlägt wegen Campern Alarm - „Auf Dauer kein Zustand“
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Hinweisschilder interessieren wilde Camper im Naturschutzgebiet oftmals nicht.

Säckeweise Müll und Feuerstellen

Zustände wie am Mount Everest? Hüttenwart schlägt wegen Campern Alarm - „Auf Dauer...“

Immer mehr Großstädter zieht es in die Natur - im Soierngebiet nehmen Camper Überhand, die sich nicht an Verbote halten. Müll und Feuerstellen sorgen für Ärger.

  • Die Flut an Naherholern setzt die Regionen Walchensee und Isartal unter Druck. 
  • Vor allem Camper machen derzeit im Soierngebiet Sorgen.
  • Die Ausflügler hinterlassen viel Müll - Verbote scheinen nicht zu interessieren.

Oberes Isartal – Der fast unstillbare Drang der zivilisationsmüden Großstädter in die Natur des Münchner Umlandes ist nichts Neues. Der Druck auf die Regionen Walchensee und Isartal wächst zunehmend. Sei es das Verkehrsaufkommen an Wochenenden oder der Zustrom in die Bergwandergebiete. Einerseits ist dieses Freizeitverhalten verständlich, andererseits wird die Flut an Naherholern für die Einheimischen immer unerträglicher. Eine Modeerscheinung ist aber nicht mehr ohne Weiteres hinnehmbar. Nicht nur, weil Zelten im Soiern- und Karwendelgebiet schlichtweg verboten ist, sondern weil es mit Vermüllung und Verschandelung durch zahlreiche Feuerstellen im Naturschutzgebiet einhergeht.

Garmisch-Partenkirchen: Immer mehr Camper am Soiern - Im Naturschutzgebiet verboten

Waren es früher Naturliebhaber, die draußen versteckt im Unterholz ihr behelfsmäßiges Nachtlager aufschlugen, um am nächsten Morgen, ohne Spuren zu hinterlassen, ihre Tour fortzusetzen, so ist es jetzt eine neue Spezies von Alpinisten. Mit Expeditionsrucksäcken und Isomatten bepackt, erscheinen sie auf den Hütten und fragen das Personal unverfroren, wo man hier am besten biwakieren könne. Sie hätten alles selbst dabei. Nicht weiter verwunderlich, dass ihnen die Wirtsleute im Soiernhaus oder die Hüttenwarte der Bergwacht und des Alpenvereins keine Empfehlung geben. Dennoch nimmt durch das corona-bedingte Übernachtungsverbot am Soiern die Zahl dieser Outdoor-Übernachter stetig zu.

Und so sieht es zum Leidwesen vieler Naturliebhaber auch im Soiernkessel aus. Verkohlt zurückgelassene Feuerstellen umrahmt von leeren Aluschalen, Lebensmittelverpackungen, Gaskartuschen und Flaschen. Das vergrämt in den Ramsböden, dem Teil hinter den Seen zur Schöttlkarspitze, nicht nur die dort beheimateten Murmeltiere, sondern auch Hans Bäck, den Wart der Bergwachthütte am See.

Zustände wie am Mount Everest? Hüttenwart schlägt wegen Campern Alarm - „Auf Dauer kein Zustand“

An Johanni sammelte er drei Säcke mit Müll ein, warf die verkohlten Holzreste unter die Latschen und trug die unverbrauchten Holzscheite körbeweise wieder zurück ins Holzlager der Bergwacht und der Sektion. Dort hatten sich Unbekannte fleißig an Brennmaterial bedient. Zusammen mit seinem Enkel Martin Neuner trug er die Säcke zum Hundstall und entsorgte privat die Hinterlassenschaften.

„Auf Dauer ist das kein Zustand. Da schaut es ja langsam aus wie im Everest-Base-Camp“, schimpft Bäck. „Jede Feuerstelle zieht eine weitere nach sich.“ Nachdem er sowie die Soiernhaus-Pächter Susanne und Klaus Heufelder nicht weisungsbefugt sind, erwarten sie Hilfe von den zuständigen Stellen. Bei ihren Hinweisen, dass Campen am Soiern untersagt sei, ernten sie oftmals ungläubige Blicke, mitunter auch patzige Antworten.

Garmisch-Partenkirchen: Hüttenwart schlägt wegen Müll und Feuerstellen Alarm 

Daher suchte Bäck das Gespräch mit Thomas Pokorny, dem zuständigen Revierförster. Dem ist der Naturfrevel natürlich auch ein Dorn im Auge. Er verweist auf die Untere Naturschutzbehörde im Landratsamt, die auch Bußgelder verhängen und entsprechend einschreiten könne. Doch bislang hat sich der Umweltfrevel bis dorthin nicht herumgesprochen. „Das Campen im Bereich Soiern ist uns nicht bekannt“, antwortet Pressesprecher Stephan Scharf auf eine Tagblatt-Anfrage. „Dazu gab es bislang keine Meldungen.“ Wer beim Zelten im Naturschutzgebiet „Karwendel und Karwendelvorgebirge“ erwischt wird, begeht eine Ordnungswidrigkeit. „Die Höhe der Geldbußen ist im Einzelfall festzulegen“, präzisiert Scharf. „Sie hängt von der Schwere des Verstoßes und dem Ergebnis der Anhörung ab. Im Regelfall werden bei Übernachtung im Naturschutzgebiet Geldbußen in dreistelliger Höhe zugrundegelegt.“ Laut Scharf hat es bislang in diesem Jahr über 20 Anzeigen gegeben.

Auf die Frage nach den „Hotspots“ im Landkreis nennt der Behördensprecher das Lindergries in Oberammergau und Ettal, die Isar bei Wallgau und den Schellkopf im Ammergebirge.

Vielen erscheint es unverständlich, dass in Bergsteigersendungen in öffentlich rechtlichen Sendern diese unerwünschte Form von Gipfelglück auch noch propagiert wird. Hüttenwirt Heufelder jedenfalls zieht am 8. Juli nur unwillig die Ausrüstung eines TV-Teams mit der Materialbahn hinauf. Dieses möchte über die schönsten Plätze des Bayernkönigs Ludwig II. berichten – auch am Soiern. Die Redaktionsleiterin konnte die Reaktion Heufelders nicht nachvollziehen. Es sei doch so schön hier oben. „Genau darum mache ich es so ungern“, entgegnete ihr Heufelder. „Denn ich möchte, dass es auch so bleibt.“

Leonhard Habersetzer 

Auch Ohlstadt im Kreis Garmisch-Partenkirchen kämpft mit einem Ansturm an Ausflüglern aus München. Eine Anwohnerin reagierte entsetzt auf deren Verhalten. Sonne, Ferien und Massen an Ausflüglern: Droht in Bayern ein Verkehrschaos in neuer Dimension? Die Polizei rüstet sich.

Am ersten August-Wochenende war der Ansturm auf die Zugspitze bei Garmisch-Partenkirchen riesig. Touristen stürmten ohne Ausrüstung zum Gipfel. Die Behörden reagierten.

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