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Es hätte so schön sein können: Nur wenige Pisten, wie die am Adamswiesenlift Richtung Dreh- und Hornabfahrt, waren am Montag geöffnet.

Kandahar-Express außer Betrieb

Garmisch-Classic: Ärger über gesperrte Abfahrten

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Garmisch-Partenkirchen - Sonne satt, kalte Temperaturen und weiße Pisten – was begehrt das Skifahrerherz mehr? Vor allem eines: geöffnete Abfahrten. Im Garmisch-Classic mussten sich die Gäste am Montag aber mit einem arg eingeschränkten Angebot begnügen.

Der Hunger war groß. Viele Winterfreunde lechzten seit Monaten nach Schnee. Gerade in den Bergen und den tieferen Lagen. In der vergangenen Woche dürfte ihnen die Spucke im Mund schließlich zusammengelaufen sein. Der langersehnte Schneefall setzte ein. Endlich weiß-bedeckte Pisten statt kahl-grüne Hänge. Endlich Skifahren. Vor allem am Montag wollten sich Alpin-Begeisterte den Winterbraten mit Bilderbuchwetter und Neuschnee im Garmisch-Classic schmecken lassen. Der Appetit ist so manch einem aber schnell vergangen. Die Bayerische Zugspitzbahn (BZB) sperrte alle Talabfahrten. Das war alles andere als nach dem Geschmack der zahlenden Gäste.

„Das hat mich wirklich geärgert“, beschwert sich Ute Blümig. Zumal die Einheimische sich das erste Mal ein Ticket für das Skigebiet gekauft hatte. Ähnlich erging es Toni Kammerer, der mit einem Spezl aus München dort den „perfekten Tag“ genießen wollte. „Mein Freund konnte das alles gar nicht glauben“, erzählt der Garmisch-Partenkirchner. „Das war wie im falschen Film.“ Denn nicht nur die Talabfahrten waren dicht, sondern auch auf dem Kreuzwankl sei eine der Trassen nur zu Zweidritteln freigegeben, die zweite wegen Präparierungsarbeiten den ganzen Vormittag vollständig gesperrt gewesen.

BZB räumt Fehler ein

Das nächste Negativ-Erlebnis ließ nicht lange auf sich warten, wie Kammerer schildert. Am Kreuzwankl-Lift kam per Durchsage die Information, dass der Kandahar-Express außer Betrieb ist. Technischer Defekt hieß es. Doch an den elektronischen Anzeigentafel am Fuß des Tröglhangs stand in roten Lettern, dass er durchaus fahre. Unter den Skifahrern „herrschte große Verwirrung.“ BZB-Sprecherin Verena Lothes räumt den Fehler ein. „Das war leider ein Versehen, das nicht passieren darf.“

Auch den Groll der Gäste kann sie nachvollziehen. Dennoch bittet sie auch um Verständnis. „Nach einer Nacht mit Neuschnee und noch fehlender Grundbeschneiung ist es nicht möglich, eine total runtergefahrene Piste wie die Kochelbergabfahrt (Dreh) am nächsten Tag sofort in einen guten Zustand fertig zu bekommen.“ Auch wenn das Pistenteam unermüdlich daran arbeite. Die Sprecherin verweist darauf, dass in dieser Saison die Talabfahrten Horn, Kandahar und Olympia aus Schneemangel noch überhaupt nicht geöffnet gewesen seien – mit Ausnahme der Dreh. Und die musste laut Lothes wegen ihres Zustands am Montag zwischenzeitlich geschlossen werden.

Für Blümig und gerade Kammerer, der großer Garmisch Classic-Fan ist, wären die Pistenschließungen kein Weltuntergang gewesen. Den Braten hat etwas ganz anderes verdorben: Die Reaktion der BZB, beziehungsweise die Nicht-Reaktion. „In jedem anderen Skigebiet bekommt man eine Preisminderung“, betont Kammerer, der sich zudem über unfreundliches Lift- und Servicepersonal beklagt. Lothes aber versichert: „Wir haben noch am Vormittag die Preise reduziert. Vormittagsskifahrer haben an unseren Kassen ihren Halbtagesskipass erstattet bekommen.“ Die zwei Garmisch-Partenkirchner haben andere Erfahrungen gemacht – und sind sich einig: Gute Werbung sieht anders aus. „Wer nur einmal da war“, betont Blümig, „der kommt nie wieder.“ Denn ein verdorbener Braten kann einem auch länger auf den Magen schlagen.

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