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Weißes Band in grüner Landschaft: Schnee liegt sogar an der Hausberg-Talstation.

Minustemperaturen nachts reichen nicht für Schneeproduktion

Die einzige Talabfahrt Deutschlands

Garmisch-Partenkirchen -  Garmisch-Partenkirchen hat einige Alleinstellungsmerkmale – darunter die Zugspitze. Seit einigen Tagen ist die Kochelbergabfahrt dazugekommen. In einem schneearmen Winter wie diesem eine Sensation.

Fast hätte man der Kochelberg-Abfahrt im Skigebiet Garmisch-Classic eine Auszeichnung verleihen können: als derzeit „einzige Talabfahrt Deutschlands“. Doch Birgit Priesnitz, Geschäftsführerin des Verbands Deutscher Seilbahnen (VDS), hat in weiteren größeren Skigebieten solche Talabfahrten ausgemacht. In Balderschwang etwa. Am Spitzingsee auch. Und in Grasgehren. Bei näherer Betrachtung aber behält die Abfahrt am Hausberg ein Alleinstellungsmerkmal.

Die Pisten in den beiden Allgäuer Gebieten halten einem Vergleich mit Garmisch-Partenkirchens Kochelberg-Piste nicht stand. Balderschwang fällt gleich aus der Liste. Für eine Talabfahrt habe man zu wenig Schnee, nur zwei kleine Übungshänge seien geöffnet, heißt es. Im nahegelegenen Grasgehren beantwortet ein Sprecher die Frage, ob denn eine Talabfahrt geöffnet sei, mit einer Gegenfrage: „Mei, was heißt Talabfahrt?“ Die Gäste müssten ja erst mit dem Auto über den Riedbergpass nach oben fahren. Auf 1450 Meter Höhe starten dann die Schlepplifte. Unten im Tal geht gar nichts. „Da ist’s grün, grün, grün.“

Bleibt noch die Stümpflingabfahrt am Spitzingsee. Die Talstation der Bahn liegt da auf gut 1100 Meter, die Bergstation auf 1480. Zum Vergleich: Die heimische Kochelberg-Abfahrt startet am Hausberg auf etwa 1330 Metern – und führt hinunter bis auf 730 Meter. Damit bleibt sie – mit Abstand – die am niedrigsten gelegene Talabfahrt in Deutschland, auf der sich in diesen schneearmen Tagen Skifahrer tummeln. „Das Team hat eine wahre Meisterleistung vollbracht“, meint Verena Lothes, Sprecherin der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB). Zwar sage sie das in jedem Jahr. „Aber bei den Bedingungen heuer ist’s wirklich herausragend.“

Als weiße Kunstschnee-Bänder ziehen sich die Pisten durch die frühlingshaft grüne Landschaft, die vor allem zum Wandern inspiriert. Ohne Beschneiung gäbe es sie nicht. Seit Wochen aber stehen die Schneekanonen im Skigebiet still. „Wir leben immer noch von dem Schneedepot, das wir Ende November, Anfang Dezember angelegt haben“, sagt Lothes. Seit diesen winterlichen Tagen horten die BZB-Verantwortlichen an verschiedenen Stellen im Gebiet die Kunstschneehaufen, die sie nun zu Pisten verteilen. Dahinter steckt ausgeklügelte Technik.

Das sogenannte Schneehöhen-Messystem zeigt den Pistenraupenfahrern exakt an, wie viel Schnee unter ihrem Gefährt liegt. Zentimetergenau lässt er sich verteilen, nichts wird verschwendet. „So können wir überaus effektiv arbeiten“, betont Lothes. In diesem Winter profitiere das Bergbahnuntenehmen enorm von dieser Technik, die es bereits seit einigen Jahren und auch beim Präparieren auf der Zugspitze einsetzt.

Effektivität hin oder her: Zaubern kann auch die Präparierungsmannschaft von der BZB nicht. Vorerst kommt keine (Tal-)Abfahrt für Skifahrer und Snowboarder hinzu. Trotz der Minustemperaturen nachts. Die allein aber reichen nicht aus für die Schneeproduktion. „Beschneiung ist eine Wissenschaft für sich“, sagt Lothes. Neben der Kälte spielt beispielsweise auch die Luftfeuchtigkeit eine wesentliche Rolle.

Für die ersten Januartage sagen die Experten einen Wetterumschwung voraus. Der Winter soll kommen. Mit Niederschlag und Temperatursturz. „Den sehnen wir natürlich herbei“, sagt Lothes. Denn erst dann werden die Schneekanonen wieder angeworfen. Dafür braucht’s jede Menge Wasser. Kein Problem, die Speicher seien gut gefüllt, stellt die BZB-Sprecherin klar. Auch wenn der Obere Speicherteich fast leer daherkommt, worüber sich aufmerksame Gäste schon bei der Bahn erkundigt haben. Lothes liefert dafür eine plausible Erklärung: Man müsse die Verdunstung einplanen. Deshalb werde erst Wasser vom Bögele auf den Berg gepumpt, „wenn’s kalt ist und wir es wirklich brauchen“. Wenn also die Schneekanonen loslegen. Danach wird das Präparierungsteam „mit Hochdruck“ daran arbeiten, weitere Talabfahrten zu eröffnen. Denn der BZB ist sehr daran gelegen, dass die Kochelberg-Abfahrt ihr Alleinstellungsmerkmal auch in Garmisch-Partenkirchen verliert.

Katharina Bromberger

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