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Fast zehn Meter hoch ist der Mobilfunkmast, den die Deutsche Telekom auf dem Haus an der Törlenstraße 24 - 26 errichten will.

David gegen Goliath

Bürgerprotest stoppt Telekom

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Garmisch-Partenkirchen - Durch ihr couragiertes Eintreten haben Anwohner verhindert, dass die Telekom auf einem Haus an der Törlenstraße 24 - 26 einen Funkmast errichten kann. Schützenhilfe erhielten sie vom Bauausschuss, der das Vorhaben einstimmig ablehnte. Doch der Telekommunikationskonzern gibt nicht auf. Wahrscheinlich zieht er vor Gericht.

Irgendwie erinnert dieser Kampf an die Geschichte von David gegen Goliath. Im Alten Testament steht, wie der kleine David einen Riesen zu Fall bringt. Analog dazu haben besorgte Bürger, die in der Umgebung der Törlenstraße im Ortsteil Garmisch zu Hause sind, die Deutsche Telekom, die sicherlich zu den Giganten der Telekommunikationsbranche zählt, zwar nicht besiegt und in den Staub fallen lassen, aber gestoppt – zumindest vorerst.

Von der Deutschen Funkturm, einer 100-prozentigen Telekomtochter, wollte das Bonner Dax-Unternehmen eine Mobilfunkantenne auf dem Haus Toerlenstraße 24 - 26, das der GBW gehören soll, errichten lassen. Die Mieter wussten davon allerdings nichts. Per Zettel informierte sie der Hausmeister. Wegen Umbaumaßnahmen sollte am Speicher keine Wäsche hängen. Als der Kran anrückte und den Funkmast schon aufs Dach hieven wollte, machten vor allem die Anlieger mobil und informierten das Bauamt der Gemeinde. Das reagierte sofort und beendete die Aktion. Als am folgenden Tag die Beschäftigten der Deutschen Funkturm den nächsten Versuch starteten, schob dem das Bauamt wieder ein Riegel vor. Die aufgeschreckten Bürger solidarisierten sich. Dr. Roland Salzer und seine Frau Heide, die in der Nähe ein Reihenhaus bewohnen, Monika Kleber, Eva Nerz, Marianne Hübner und Kathrin Müller organisierten den Widerstand. Alle eint die Meinung, dass der Funkmast unnötig ist und die Angst vor vermehrter Strahlung. Weit über 200 Unterschriften, die innerhalb eines Tages zusammengekommen waren, übergab eine Delegation Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) im Rahmen der Bürgersprechstunde am vergangenen Donnerstag. Von der Welle der Solidarität zeigte sich Salzer überrascht. „Bei mir saßen plötzlich fremde Menschen im Wohnzimmer. Sie wollten unterschreiben und fragten, was man tun kann.“

Dass das Vorhaben gestoppt wurde, ist ein Verdienst couragierter Bürger, die Rathaus-Chefin Dr. Sigrid Meierhofer mehr als 200 Unterschrift übergaben, die sich gegen das Projekt aussprechen.

Der Protest und die Hartnäckigkeit von Salzer und Co., von denen die überwiegende Mehrheit natürlich ein Handy besitzt, haben sich ausgezahlt. Der Bauausschuss des Gemeinderats, der am Montagabend tagte, setzte den Punkt Funkmast Törlenstraße flugs noch auf die Tagesordnung – und erntete für seine Entscheidung, den Bau einstimmig abzulehnen, Beifall. Denn wieder hatten sich zahlreiche Anwohner die Mühe gemacht. Flagge zu zeigen. „Es besteht kein Bedarf“, sagte Alois Maderspacher (CSU). Unterstützung erhielt er von Parteifreund Hannes Biehler und Andreas Grasegger (Bayernpartei). Grasegger monierte vor allem die „Art und Weise“ des Vorgehens, und dass es die Telekom „verschlafen“ habe, einen Bauantrag einzureichen. Der ist notwendig, weil es sich bei dem Areal nach Ansicht von Meierhofer um ein „reines Wohngebiet handelt und Funkmasten dort nur in Ausnahmefälle genehmigt werden können“.

Bei der Telekom, dem ehemaligen Staatskonzern, sieht man das anders. Profis sind Frank-Peter Käßler und Thomas Bauer. Der Kommunalbeauftragte Mobilfunk Bayern der Deutschen Telekom und der Diplom-Ingenieur der Deutschen Funkturm, erweisen sich als geschult im Umgang mit renitenten Bürgern. Für Käßler sind Diskussionen um Strahlung und die Sorge um die Gesundheit fast tägliches Brot. Proteste dieser Art erzählt er, „sind vor allem in Bayern weit verbreitet. Das ist ein Phänomen.“ Mit seinen Argumenten biss er bei den Garmischern am Montagabend bei einem Treffen nach der Bauausschuss-Sitzung allerdings auf Granit. Vor allem sein Hinweis, dass sein Arbeitgeber nur versuche, die Bevölkerung besser mit schnellem Internet zu versorgen, stach nicht. „Wir haben sehr guten Empfang“, erklärte Heide Salzer. „Ich weiß, dass ich bei Ihnen nicht punkten kann“, erwiderte Käßler. Er machte deutlich, dass sich die Bürger, die mit einem glücklichen Lächeln im Gesicht den Kleinen Sitzungssaal im Rathaus verließen, nicht zu sicher fühlen sollten. Was sie erreicht haben, sei allenfalls ein Etappensieg. „Wahrscheinlich werden wir klagen“, sagte er. Er wolle der Rechstabteilung aber nicht vorgreifen. Ein Ansatzpunkt, mit dem die Anwälte der Telekom vor den Kadi ziehen könnten: „Wir teilen die Ansicht der Gemeinde nicht, dass der Standort in einem reinen Wohngebiet liegt,“ meint Käßler. „Deshalb brauchen wir auch keine Baugenehmigung.“

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