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Die Vorbereitungen für die Kunden laufen: Franz Grasegger (l.) und sein Team bauen um. Und das nicht nur einmal. Sie freuen sich darüber.

Noch nie so gerne umgebaut

Gute Nachricht in Corona-Zeiten: Alle Läden dürfen öffnen, die 800er-Regel bleibt

  • Katharina Bromberger
    vonKatharina Bromberger
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Die gute Nachricht kam aus der Bayerischen Staatsregierung. Nun dürfen in der Corona-Krise doch alle Läden öffnen, auch wenn sie größer sind als 800 Quadratmeter. Sie müssen nur die Fläche abgrenzen. Im Landkreis Garmisch-Partenkirchen wurde manches Mal umgebaut. 

Landkreis – Verstanden haben die Einzelhändler die Einschränkung im Landkreis von Anfang an nicht: Warum dürfen nur Läden bis 800 Quadratmeter Verkaufsflächeöffnen? Die darüber nicht? Auch nicht, wenn sie 800 Quadratmeter abgrenzen? „Das ist unfair und schwierig zu verstehen.“ Ein Satz, mit dem Michaela Nelhiebel, Vorsitzende der Werbegemeinschaft Garmischer Zentrum, Mitgliedern und Nicht-Mitgliedern aus der Seele sprach. Offenbar auch dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof. Die Regelung sei mit der Verfassung nicht vereinbar, entschieden die Richter am Montagmittag. Damit begann das große Hin und Her. Wollte sich die Staatsregierung zunächst erst in einer Woche mit diesem Urteil und Konsequenzen daraus auseinandersetzen, reagierte sie dann doch prompt. Am Montagnachmittag hieß es: Alle Geschäfte dürfen öffnen. Sofern sie ihre Fläche auf 800 Quadratmeter begrenzen. Betriebe im Landkreis atmeten auf. Und bauten um.

Trachten Grasegger in Garmisch-Partenkirchen

Noch nie war Franz Grasegger so froh, dass er und sein Team quasi einen Tag umsonst gearbeitet haben. Zum dritten Mal stellten sie am Montagnachmittag alles um. „Und ich bin überglücklich“, sagte der Geschäftsführer des Trachten- und Modehauses Grasegger. Am Freitagabend bekam er das Okay, zumindest die Masken aus der Manufaktur Grasegger verkaufen zu dürfen. Natürlich vor dem Laden. Also stellte das Team einen Infostand in der Garmischer Fußgängerzone auf. Dann die Nachricht am Montagvormittag: Auch die Stoffabteilung darf öffnen. Schließlich sind Bürger angehalten, sich in Zeiten der Maskenpflicht selbst Mund- und Nasenschutz zu nähen. „Wie sollen sie das machen, wenn ihnen die Zutaten dafür fehlen?“ Dieser Argumentation folgte das Landratsamt. Umbau Nummer zwei: Der Maskenverkaufs-Stand wanderte in den Laden, die Stoffabteilung wurde mit Hanfseil abgesperrt. Immerhin. Doch sagte Grasegger auch: „Das tut in der Seele weh.“ Menschen wegschicken zu müssen, sie nicht bedienen zu dürfen. 

Dann Nachricht Nummer drei. Und Umbau Nummer drei. Der schönste von allen. Ab Dienstag ist das Erdgeschoß und damit rund 650 der knapp 1700 Quadratmeter Verkaufsfläche geöffnet. Von dort werden die Kunden unter Einhaltung aller Hygienevorschriften mit allem bedient, was im Laden angeboten wird. Wie viele der rund 50 Mitarbeiter aus dem Trachten- und Modehaus – für sie hatte Grasegger Kurzarbeit anmelden müssen, im Einsatz war nur ein „Notfallteam“ für Kundenanfragen per Telefon oder E-Mail – ab sofort im Einsatz sind, wusste er am Montagnachmittag noch nicht genau. Mit einem Ansturm rechnete er nicht. „Es ist einfach ruhig im Ort.“

Echter Mode in Murnau: Umzug ins Kaffeehaus Krönner

Aus Kaffeehaus wird Modeshop: In die Räume von Barbara Krönner in Murnau zog am Montag Damenbekleidung von Echter ein.

Es rumpelte ordentlich, als die Mitarbeiter von Echter Mode am Montagvormittag die Alucontainer und Rollstangen über das Kopfsteinpflaster in Murnau schoben. Sie zogen um. Nachdem das Modehaus – ursprünglich – nicht öffnen durfte, haben sich Geschäftsführer Christian Echter und seine Mitstreiter Gedanken gemacht. Und kamen auf eine Idee: Sie eröffnen einen Pop-Up-Store nur ein paar Meter weiter. Im Café Krönner, mit deren Inhaberin Barbara Krönner sie stets eng zusammenarbeiten – und deren Betrieb wegen Corona geschlossen bleibt. Pop-Up-Stores bezeichnen Geschäfte, die beispielsweise in leer stehende Räume ein- und nach nur wenigen Wochen schon wieder ausziehen. „Die sind so schnell weg, wie sie gekommen sind“, sagte Echter am Montagmittag. 

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Wie schnell seine Mini-Spontan-Filiale womöglich tatsächlich wieder verschwindet, das war ihm zu diesem Zeitpunkt nicht klar. In dem Moment war er einfach froh. „Es tut gut, wieder anzupacken.“ Etwas gegen die Ohnmacht zu tun, auch wenn die Aktion nur ein Tropfen auf dem heißen Stein sei. Auch an den Mitarbeitern – 160 beschäftigt Mode Echter an drei Standorten – habe er diese positive Stimmung bemerkt. Als ihn die Nachricht erreichte, er dürfte 800 seiner 3000 Quadratmeter in Murnau öffnen, freute er sich. Wie er damit umgeht, konnte er am Montag nicht sagen. Zumindest nicht gegenüber der Zeitung. Er wollte seine Mitarbeiter erst persönlich informieren.

Sport Conrad in Garmisch-Partenkirchen

Hans Conrad von Sport Conrad.

Euphorisch ist Hans Conrad nicht. Erleichtert sehr wohl. Darüber, dass nun „diese Ungleichbehandlung beendet ist“. Die Baupläne seines Sporthauses an der Chamonixstraße in Garmisch-Partenkirchen hatte er bereits im Vorfeld studiert, die erlaubten 800 Quadratmeter machen etwa die Hälfte seines Geschäftes aus. Das Erdgeschoß wird ab Dienstag ebenso geöffnet sein wie die Laufsportabteilung im Keller. „Besser als nichts“, sagte Conrad. Ursprünglich hieß es, er könne nur die Radabteilung im Keller öffnen. Etwa zehn Mitarbeiter wird er ab sofort wieder beschäftigen, ein Drittel der Gesamtmannschaft. Der Rest bleibt in Kurzarbeit. Nachdem generell wenig los ist im Ort, rechnet auch er nicht mit übermäßig vielen Kunden. Er sieht’s positiv. „Man kann in aller Ruhe einkaufen. Ganz ohne Drängeln. Auch mal schön.“ Wie Franz Grasegger hebt Conrad die Arbeit des Landratsamtes hervor. Die Unterstützung in diesem Fall – „top. Die haben sich echt bemüht“.

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