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100 Ukraine-Flüchtlinge kommen am Dienstag nach Garmisch-Partenkirchen

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Von: Christian Fellner

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Eine Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine: das Atlas-Sporthotel an der Mittenwalder Straße.
Eine Unterkunft für Flüchtlinge aus der Ukraine: das Atlas-Sporthotel an der Mittenwalder Straße. © Sehr

Nun wird es auch im Landkreis Garmisch-Partenkirchen ernst: Erste Flüchtlinge werden am Dienstag in Garmisch-Partenkirchen erwartet. Unternehmer Ibrahim Kavun stellt Atlas-Sporthotel unentgeltlich zur Verfügung. Das Landratsamt sucht dennoch weitere Immobilien.

Garmisch-Partenkirchen – Der Krieg in der Ukraine schlägt ab sofort auch auf den Landkreis durch. Am heutigen Mittwoch werden erste Flüchtlinge erwartet, die mit Bussen in Garmisch-Partenkirchen ankommen sollen. Wann genau – darüber herrschte bis zum Dienstagabend noch Rätselraten im Landratsamt. „Die Lage ändert sich beinahe stündlich“, betonte Stephan Scharf, Sprecher des Landratsamtes am Nachmittag. Kurz nach Mittag kam aber zumindest die grundsätzliche Bestätigung, dass rund 100 Schutzsuchende in die Marktgemeinde gebracht werden. Für sie hat die Behörde eine dezentrale Unterkunft gefunden: Unternehmer Ibrahim Kavun stellt das Atlas-Sporthotel an der Mittenwalder Straße im Ortsteil Partenkirchen zur Verfügung – unentgeltlich.

Flüchtlings-Unterkünfte des Landkreises alle „gut ausgebucht“

Ob die 100 Flüchtlinge das Ende der Fahnenstange für die Region sind, darf stark bezweifelt werden. Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) betonte gestern gegenüber Medien, dass er mit rund 100 000 Flüchtlingen für Bayern rechnet. Nach dem geltenden Verteilungsschlüssel würden auf den Landkreis dann 676 Personen entfallen. Wo diese untergebracht werden könnten, ist aktuell eine brisante Frage. „Das ist schon ein bisschen schwierig“, räumt Scharf ein. Denn die Unterkünfte des Landkreises sind „gut ausgebucht“, ergänzt der Sprecher. Damit ist klar: „Wir brauchen weiteren Platz.“ Die Suche läuft auch Hochtouren. Gestern Nachmittag waren die Verantwortlichen des Sachgebiets Asyl bereits unterwegs, um andere Immobilien in Augenschein zu nehmen.

Eine weitere Aufgabe: Jeder Landkreis muss eine Erstaufnahmestelle einrichten – wiederum mit Aufenthaltsmöglichkeiten für Ankommende. Die Quote lautet hier 0,05 Prozent der Landkreis-Bevölkerung. „Das würde bei uns 44 Personen machen.“ Wo diese Station eingerichtet werden soll, ist bisher nicht bekannt.

Letzte Reserve in der Erstaufnahmeeinrichtung Abrams in Garmisch-Partenkirchen

Ein wenig Platz gibt es aktuell noch in der Erstaufnahmeeinrichtung im ehemaligen Abrams-Komplex an der Lazarettstraße in Garmisch-Partenkirchen. Die Unterkunft, die 2015 vom Landkreis eröffnet wurde und später an die Regierung überging, ist laut Scharf ebenfalls mit rund 300 Bewohner sehr gut besetzt, „aber etwas Platz gibt es da noch“. Wie es generell mit dieser Einrichtung weitergeht, ist offen. In Fürstenfeldbruck betreibt die Regierung im dortigen Fliegerhorst eine weitere Dependance des zentralen oberbayerischen Ankunftszentrums. Dort wurde die Räumung angeordnet, die Bewohner müssen umgesiedelt werden. Ob dieses Szenario auch in Garmisch-Partenkirchen bevorsteht, war am Dienstag nicht in Erfahrung zu bringen.

Fakt ist: Die Ankunft von Flüchtlingen aus der Ukraine stellt den Landkreis vor eine Herausforderung. Denn die Ankommenden sind bisher weder registriert noch medizinisch untersucht. „Wir müssen sehen, wie wir das neben Corona und G7 alles schultern können“, betont Scharf.

Testen und Impfen wichtige Maßnahmen in den kommenden Wochen

Gerade der medizinische Check ist wichtig. Das macht auch Jörg Jovy, Sprecher des BRK-Kreisverbands, deutlich. „Die Impfquote in der Ukraine liegt bei 40 Prozent“, betont er. Und wenn die Leute geimpft sind, dann oftmals mit dem hierzulande nicht akzeptierten russischen Serum Sputnik. „Das würde bedeuten, dass die Menschen sie hier bei uns kaum bewegen könnten.“ Das BRK steht in jedem Fall zur Verfügung, um in den Bereichen Impfen und Testen anzupacken. „Das wird sicher ein Dauerthema“, befürchtet Jovy. Kapazitäten gebe es an den stattlichen Zentren am Alpspitz-Wellenbad derzeit aber für Abstrichen und Impfungen.

Unterkünfte
Wer Immobilien anbieten will, kann sich per E-Mail beim Landratsamt melden an: koordinierungsgruppe-ukraine@lra-gap.de

Helfen für jedermann: Organisationen sammeln Kleidung

Der Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) sowie die Caritas haben dezentrale Sammelstellen eingerichtet, an denen vor allem warme Kleidung, aber auch weitere Klamotten für die geflüchteten Menschen abgegeben werden können. Auch das Bayerische Rote Kreuz beteiligt sich an der Sammelaktion.

Die Annahmestellen sind ab sofort und für die nächsten zwei Wochen geöffnet:
. Oberammergau: Caritas-Kontaktstelle, Daisenbergerstraße 4, Freitag 10 bis 12 Uhr
. Mittenwald: Sozialdienst kath. Frauen/Caritas, Im Gries 7, Dienstag 10 bis 12 Uhr
. Garmisch-Partenkirchen:
Bayerisches Rotes Kreuz, Kleiderladen an der Bahnhofstraße 16; Montag bis Freitag 10 bis 17 Uhr;
SkF, Parkstraße 9, Montag bis Donnerstag, 13 bis 16 Uhr;
Caritas, Bahnhofsstraße 14, Montag bis Freitag, 9 bis 12 Uhr und Mittwochnachmittag 12 bis 16 Uhr;
. Murnau: Mehrgenerationen-Haus, Dr.-August-Einsele-Ring 18, Mittwoch, 14 bis 16 Uhr.

Weiterhin gibt es das zentrale Spendenkonto der Hilfsorganisationen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen:
Lebenslust Garmisch-Partenkirchen e.V.
IBAN: DE35 7035 0000 0011 4417 63
BIC: BYLADEM1GAP
Kreissparkasse Garmisch-Partenkirchen
Stichwort: Ukraine-Nothilfe

Viele Informationen zu Hilfsmöglichkeiten gibt es auf der Homepage des Freiwilligenzentrums www.aufgehts-gap.de.

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