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Ein bewährtes Helfer-Team: (v.v.l.) Andreas Baumann, Hansjörg Vierthaler, Tobias Enthardt und Diana Bodor; (h.v.l.) Hans Steinbrecher, Hans Vierthaler, Matthias Ostler, eine Ärztin der Klinik in Sighetu Marmatie, Helmut Rummelsberger, der Direktor der Klinik in Sighetu Marmatie sowie Thomas Enthardt.

Bayerisches Rotes Kreuz im Einsatz

20 Jahre lang Hilfe für Rumänien: Jetzt hört Hans Vierthaler auf

Er hat eine gute Seele: 20 Jahre lang sammelte Hans Vierthalter Güter im Wert von mehreren hunderttausend Euro. Die Ware brachte er mit seinem Team höchstpersönlich zu den Hilfebedürftigen. 

Garmisch-Partenkirchen – Sein roter, dreirädriger Mini-Transporter mit dem Logo eines italienischen Sportwagenherstellers auf der Motorhaube ist so etwas wie ein Garmischer Markenzeichen. Nicht selten hat Hans Vierthaler darauf ungewöhnliche Gegenstände geladen. Mal einen abgebauten Badewannenlift, dann wieder 20 Gehhilfen oder einen halben gynäkologischen Behandlungsstuhl. Seine Beute bringt der ehemalige Geschäftsführer des Kreisverbandes Garmisch-Partenkirchen meist in einen Stadl nahe dem Hausbergparkplatz. Dort sammelt er die Güter, die einheimische Ärzte, das Klinikum oder Privatpersonen ihm spenden, bis es wieder soweit ist.

Bis heute in Betrieb: Ein ehemaliger Garmisch-Partenkirchner Krankenwagen fährt Patienten zwischen den Gebäuden des Krankenhauses in Sighetu Marmatiei in Rumänien hin und her.

Einmal im Jahr liefern er und ehrenamtliche Helfer die Hilfsmittel nach Rumänien. Seit fast 20 Jahren. Weit in den Nord-Osten des Landes, nach Baia Mare, das früher einmal Frauenbach hieß. Empfänger ist das dortige Rote Kreuz. „Als wir in der Mitte der 1990er Jahre anfingen, gab es dort kaum medizinische Infrastruktur, selbst Krücken waren Mangelware“, erzählt Vierthaler. Also sammelte er alles, was gebraucht wurde.

Regelmäßig schickten die Rot-Kreuzler aus dem fernen Baia Mare Wunschlisten, die Vierthaler versuchte zu erfüllen. Und nicht nur die rumänische Schwesterorganisation wurde beliefert, sondern bald auch ein ganzes Krankenhaus in Sighetu Marmatie, kurz vor der ukrainischen Grenze. „Als wir dort das erste Mal ankamen, gab es außer den Gebäuden fast nichts“, erinnert sich Vierthaler. Auch diesmal brachte er unter anderem Bettwäsche mit, die sich einige Stationsschwestern noch direkt vom Lkw holten. Eines der ersten „Mitbringsel“ war ein ausgemusterter Krankenwagen, der bis heute auf dem riesigen Gelände des Krankenhauses aus der K.u.K.-Zeit Dienst tut.

Im August 2017 startete Vierthaler zu seiner letzten Fahrt nach Rumänien. Mit dabei waren viele Freunde, die ihn zum Teil seit Jahren begleiten und unterstützen. „Mittlerweile merkt man, dass es auch in Rumänien merklich voran geht.“ So war erstmals der Gutaipass zum Krankenhaus in Sighetu Marmatie asphaltiert. „20 Jahre lang sind wir mit den Lastern mühsam über das Kopfsteinpflaster und durch unzählige Schlaglöcher die engen Serpentinen hinauf gekrochen“, schildert er. Jetzt führt eine breite Passstraße die gut 900 Meter in die Höhen der Karpaten hinauf.

Vermissen wird Hans Vierthaler die vielen Bekanntschaften und Freundschaften, die über die Jahre entstanden sind. Etwa zu Diana, die fließend deutsch spricht und die Verteilung der Hilfsgüter vor Ort organisiert hat.

Der Blick zurück ist für Hans Vierthaler deshalb auch etwas wehmütig. Denn der umtriebige Rot-Kreuzler hat zahllose Hilfsfahrten organisiert, nicht nur nach Rumänien, sondern auch in die Ukraine, den Kosovo oder nach Afrika. Viele Kosten hat er dabei aus seiner privaten Schatulle bezahlt, so auch diesmal wieder die Benzinkosten für die vier Transporter und die Übernachtungskosten für die Helfer. „Ohne die vielen Spenden, vor allem auch die Unterstützung von einheimischen Unternehmen hätten wir es aber nicht geschafft, über die Jahre hinweg so viel dringend benötigten Güter nach Rumänien zu bringen“, sagt Vierthaler.

Mit seinem Mini-Transporter: der ehemalige BRK-Kreisgeschäftsführer Hans Vierthaler.

Mit seinen nun 77 Jahren wird sich der Gründer des ersten deutschen Teakwon-Do-Vereins aber noch nicht zur Ruhe setzen. Sein roter Minilaster – übrigens eine auch Vespacar genannte Piaggio Ape – wird also auch weiterhin durch die Straßen der Marktgemeinde flitzen.

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