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Dokumentiert den Fortschritt: Kirchenpfleger Josef Angelbauer fotografiert den restaurierten Hochalter mit der Figur von Anna selbdritt. 

Die Renovierungsarbeiten kommen voran

2020 sollen die neuen Glocken in der Wamberger Kirche läuten

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Planen bedecken noch einige Schätze im Inneren von St. Anna. Die Renovierungsarbeiten in der Wamberger Kirche kommen gut voran. Jetzt liegen auch Angebote für die neuen Glocken vor.

Garmisch-Partenkirchen – Josef Angelbauer steigt die Treppen des Baugerüsts hinauf. Auf Etage zwei angekommen, zeigt er an die Decke. Auf das Wappen von Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck. Er hat die Wamberger Kirche St. Anna 1721 geweiht. Auf ein falsches Wappen. Das hat der Kirchenpfleger vom Archivar erfahren. Die blaue Raute müsste silber sein, der weiße Hintergrund schwarz. Korrigiert wird der Fehler bei der Sanierung der Kapelle auf 1016 Metern Höhe nicht. Der Denkmalschutz hat sein Veto eingelegt. Angelbauer lacht. „Das ist ein historischer Irrtum.“

Seine gute Laune kann derzeit so schnell nichts trüben. Der Garmisch-Partenkirchner greift zu seiner Canon G11, die um seinen Hals hängt. Mit der Digitalkamera dokumentiert er den Fortschritt der umfangreichen Renovierung. Diesmal fokussiert er die Figur der „Anna selbdritt“, der Heiligen Anna mit dem Marien- und Jesuskind auf dem Arm. Der Hochaltar „ist fertig“, sagt er. Bis auf den Altartisch.

Das Bauwerk erstrahlt in neuem Glanz

Das filigrane, klassische Barock-Werk, das der Wamberger Bildhauer Andreas Onich einst kreiert hat, erstrahlt in neuem Glanz. Wie die Decke wurde der Hochaltar gereinigt und von Spinnweben sowie ätzendem Vogel- und Fliegenkot befreit. Keine appetitliche Angelegenheit für die Restauratoren. Aber eine unerlässliche angesichts des Drecks. Derzeit überlegt Angelbauer, wie man die Fliegen aus der Kirche fernhalten könnte. Vielleicht mit einem Ventilator. „Der hält die Luft in Bewegung“, sagt er. Zug mögen die Tiere nicht.

Die Holz-Bodenlager bleiben in St. Anna – zumindest die, die nicht von Feuchtigkeit zerstört wurden.

Kommende Woche geht’s weiter mit dem nächsten Schritt: dem Feinputz für die Wände. Wie berichtet, war wegen einer verstopften Dachrinne Wasser eingedrungen. Danach steht der Boden auf dem Programm. Rausheben, säubern, Kaputtes austauschen. Derzeit liegen die hölzernen Lager offen. Ein paar sind verfault, unbrauchbar. Der Rest wird nur erneuert. Alles, was erhalten werden kann, muss aus Denkmalschutzgründen erhalten bleiben. Das gilt auch für die Bodenbretter und für die Fließen im Eingangsbereich und am Altar. Dort gibt es für einige aber keine Rettung mehr. Die Exemplare, die nur leicht beschädigt sind, „werden mit Kunstharz haltbar gemacht“, erklärt Angelbauer das Prozedere.

Keine Strahler bei der Beleuchtung

Bei der Beleuchtung beschränkt man sich aufs Wesentliche. Strahler kommen nicht in Frage. Nur Steckdosen und ein Leselicht werden installiert. Ansonsten erhellen Kerzen den Kirchenraum. Die gereinigten Fenster tragen ihren Teil dazu bei. Der Bleirahmen wurde ebenfalls bereits nachgestrichen.

Die Sanierung läuft nach Plan. Auch finanziell. „Wir sind alle Sorgen los“, betont Angelbauer. Vor zwei Wochen war die Deutsche Stiftung für Denkmalschutz zu Besuch. Das erfreuliche Ergebnis: Sie fördert die Raumschalenrenovierung. „40 000 Euro haben wir selber, 60 000 Euro schießt sie zu“, sagt der Kirchenpfleger erfreut. Die Innen-Sanierung beläuft sich auf rund 460 000 Euro. Weitere Zuschüsse gibt es von der Bauer’schen Barockstiftung und von der öffentlichen Hand, also der Gemeinde, dem Landkreis und dem Bezirk. Die Erzdiözese München und Freising bewilligte nach ihrer Absage doch noch gut 86 000 Euro (wir berichteten). Rein durch Spenden kam eine Summe von 100 000 Euro zusammen. „Das ist gewaltig“, betont Angelbauer.

Das Wappen von Fürstbischof Johann Franz Eckher von Kapfing und Liechteneck wurde falsch gestaltet.

Mit Kosten muss sich die Partenkirchner Pfarrgemeinde Maria Himmelfahrt, zu der Wamberg gehört, trotzdem gerade wieder auseinandersetzen. Nach ungeduldigem Warten sind die ersten Angebote für die Pfarrkirche in Partenkirchen und für St. Anna eingetrudelt.

Ein Spezialist schaut, was nötig ist

Deren drei 71 Jahre alten Modelle brechen zum Teil, betont Angelbauer. Die Angebote gehen weit auseinander. Das Drumherum wie Glockenstuhl oder Läutwerk sorgen für die Unterschiede. Deshalb kommt ein Spezialist der Diözese, um auseinanderzuklamüsern, was wirklich nötig ist und was nicht. Die deutsche Bischofskonferenz jedenfalls schreibt vor, dass die neuen Exemplare im traditionellen Lehmgussverfahren hergestellt werden. Angelbauer rechnet mit Kosten von 100 000 Euro. Deshalb hofft er auf weitere Spenden.

Die Vorlaufzeit der Glocken dauert etwa neun bis zwölf Monate. Die Arbeiten sind zwar voll im Soll, doch durch die Verzögerung bei den Angeboten wird’s langsam eng. Schließlich soll am 26. Juli 2020 die Glockenweihe stattfinden.

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