Hier gilt die 3G-Regel: in der Zahnradbahn zur Zugspitze.
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Hier gilt die 3G-Regel: in der Zahnradbahn zur Zugspitze.

Kuriose Szenen befürchtet

3G-Regel für Zugspitzbahn: Betreiber verzweifelt - „Ein Wahnsinn“

  • Josef Hornsteiner
    VonJosef Hornsteiner
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Die 3G-Kontrollpflicht für Seilbahnen bringt die Zugspitzbahn in Bedrängnis. Diese umzusetzen, sei „abstrus“ und „völlig praxisfern“, so Vorstand Matthias Stauch. Er befürchtet kuriose Szenen.

Garmisch-Partenkirchen – Er muss lachen. Nicht aus Freude, sondern sarkastisch. „Dann müss’ ma’ halt überall Kontrollstationen aufstellen.“ Matthias Stauch, Vorstand der Bayerischen Zugspitzbahn (BZB), ist der Verzweiflung nahe. Nach eineinhalb völlig desaströsen Coronajahren jetzt das. Die neue bayerische Verordnung fordert, bei einer Inzidenz über 35 in Seilbahnen die 3G-Regel anzuwenden – Gäste müssen geimpft, genesen oder getestet sein.

3-G-Regeln in Zugspitzbahn: „Gehen momentan jedes Szenario durch“

Stauch kann nur den Kopfschütteln. Wie soll das aussehen, wenn sich Bergsteiger zu Fuß auf die Zugspitze begeben und runterfahren wollen? Das mit den Kontrollstationen an allen Wegen im Tal war natürlich nicht ernst gemeint. Doch ernst wird Straub, wenn er an realistische Möglichkeiten denkt. „Wir gehen momentan jedes Szenario durch.“ Doch da gibt es nicht viele. Hinauslaufen würde es auf eine Teststation im Tal und am Berg. „Doch fehlt uns da einfach das Personal.“ Genauso wie für zahllosen Kontrollen, die nötig wären.

Wie absurd diese sein könnten, erklärt er an einem Beispiel. So steigen Naturfreunde in München in die U-Bahn, fahren mit der Deutschen Bahn bis Garmisch-Partenkirchen, begeben sich dann in den Zug mit Ziel Zugspitze. Bekanntlich herrscht im Öffentlichen Nahverkehr kein 3G-Zwang. Das wäre für den fiktiven Gast aus München nur bis Grainau der Fall.

Will er weiter in die Zahnradbahn steigen und auf Deutschlands höchsten Berg, braucht er dann plötzlich einen Nachweis. Was normalerweise ein paar Schritte übers Gleis vom Zug in die Bahn bedeutet, „würde dann in lange Warteschlangen münden“. Und wer letztlich kontrolliert, kann Stauch auch nicht sagen. Nur: „Wir haben nicht genug Personal.“ Also müsste die BZB externe Firmen mit der Security beauftragen. Ein großer finanzieller Aufwand.

Corona-Regeln in Zugspitzbahn: Grundsätzliche Freude ist Ärger gewichen

Somit ist für Stauch die grundsätzliche Freude über die Abkehr von den Inzidenzen einem neuen Ärger gewichen. Aktuell ist für ihn und sein Team „unklar, welche Bereiche der Bergbahnen per Definition überhaupt als geschlossene Räume zu behandeln sind“ und entsprechend in die Kontrollpflicht fallen.

Die Überprüfungen „bringen einen enormen personellen und organisatorischen Mehraufwand mit sich“, der für das Unternehmen kaum zu stemmen ist. Sogar der Seilbahnverband kritisiert das Vorgehen der Politik, wünscht sich, dass auch Bergbahnen dem ÖPNV gleichgestellt werden. Alles andere wäre „nicht realisierbar“, sagt Stauch. „Unsere Gäste befinden sich zu 98 Prozent der Zeit draußen an der frischen Luft.“

3-G-Regel in Bergbahnen: Zugspitzbahn schreibt Brief an Ministerien

Letztlich müsste die BZB, wenn die Politik nicht noch rechtzeitig einlenkt, mit Armbändchen arbeiten, meint er. Dieser 3G-Hinweis würde zumindest enorm viel Personal sparen, da die Gäste nur einmal kontrolliert werden müssten und nicht öfters. Doch was macht man mit Besuchern, die von österreichischer Seite auf den Berg kommen oder mit der Tiroler Zugspitzbahn auf knapp 3000 Meter fahren? Zumal auf Tiroler Seite kein 3G-Zwang gilt. „Wir wissen noch überhaupt nicht, wie wir das dann bewerkstelligen sollen“ – außer den betreffenden Gästen ohne Nachweise die Talfahrt nach Deutschland zu verbieten.

„Alles ein Wahnsinn.“ Deshalb hat die BZB den zuständigen Ministerien gesalzene Briefe geschrieben. Ob diese Bemühungen von Erfolg gekrönt sind, kann Stauch wie so vieles noch nicht sagen. „Wir können nur auf ein Einsehen hoffen.“ Denn dem Vorstand wird angst und bange vor der Skisaison. Da wären die Maßnahmen gleich noch weniger umsetzbar, wie sie sowieso schon sind. „Ich kann es nicht oft genug sagen: Ein Wahnsinn.“

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