+
Superschnell, aber umstritten: der neue Mobilfunkstandard 5G. Auf diesem Symbolbild ist eine Vodafone-Mitarbeiterin mit einem 5G-Smartphone zu sehen. 

Gegner der Technologie sind fassungslos

5G-Siegeszug im Landkreis gegen alle Widerstände: Konzerne treiben Ausbau voran

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
    schließen

Trotz vieler Kritik treiben die Telefonkonzerne den Ausbau des neuen Mobilfunkstandards 5G im Eiltempo voran. Der Landkreis Garmisch-Partenkirchen ist von Beginn an mit dabei: Zwischen Staffelsee und Karwendel funken bereits die ersten Anlagen. 

Landkreis – Der Murnauer Gemeinderat Phillip Zoepf (Mehr Bewegen) bringt es auf den Punkt: „Natürlich kann man gegen 5G sein“, meint der Technikexperte süffisant. „Aber kommen wird es trotzdem.“ Im Landkreis Garmisch-Partrenkirchen muss man darauf nicht mehr warten. Denn der Siegeszug der superschnellen fünften Generation des Mobilfunks hat längst begonnen – allen Bedenkenträgern und Gegnern zum Trotz.

Der Branchenprimus, die Deutsche Telekom, gab vor wenigen Tagen den Startschuss für die eigene 5G-Initiative bekannt. Als einer der Ersten mit dabei: der Landkreis Garmisch-Partenkirchen. „Wir bauen überall. Also auch in Garmisch-Partenkirchen. Und hier besonders gerne, weil es so schön ist“, sagt Unternehmenssprecher Dr. Markus Jodl auf Nachfrage. Das Ziel ist ehrgeizig: Bis Ende des Jahres sollen 75 Prozent der Bevölkerung mit 5G versorgt werden. Hier im Landkreis hat die Telekom nach eigenen Angaben bereits zwölf Standorte mit der modernen Technik ausgestattet. Neben dem Kreisort gehören die Gemeinden Ettal, Krün, Murnau, Ohlstadt und Wallgau zum erlauchten Kreis.

Weitere Standorte sollen folgen

Doch nicht nur der ehemalige Staatsbetrieb drückt aufs Gas. Sein britischer Erzrivale Vodafone nahm bereits im vergangenen Jahr in Seehausen eine 5G-Testanlage in Betrieb. „In den nächsten Tagen“, teilt Vodafone-Sprecher Tobias Krzossa mit, folgen drei weitere Antennen in Wurmansau. Der Kreis zähle damit zu den „Vorreitern in Deutschland“. Weitere Standorte sollen im Laufe des Jahres folgen.

Die anderen beiden Netzbetreiber, die 2019 bei einer Auktion der Bundesnetzagentur die begehrten 5G-Lizenzen ersteigert haben, Telefónica Deutschland und 1&1 Drillisch, stehen zumindest in den Startlöchern.

Bemerkenswert: Die Einflussmöglichkeiten der Kommunen sind sehr begrenzt – auch wenn manche Ortspolitiker eindringlich dafür plädieren, nichts zu überstürzen und erstmal abzuwarten, bis die medizinische Unbedenklichkeit des Handystandards erwiesen ist. Denn in der Praxis werden nach dem Okay der Bundesnetzagentur einfach bestehende Masten genutzt. „Das ist genehmigungsfrei“, erklärt Stephan Scharf vom Landratsamt. „Da bekommen wir gar nichts mit.“ Nur wenn ein neuer Turm errichtet werden soll, handle es sich um ein Bauvorhaben, für das dann ein entsprechendes Prozedere in Gang gesetzt werde.

5G sei alternativlos

Das Thema 5G entzweit die Gemüter. Anbieter und Technikfans geraten ins Schwärmen, wenn es um die Vorteile der Datenübertragung nahezu in Echtzeit geht. Tenor: Für Anwendungen der Zukunft, ob nun autonomes Fahren oder Telemedizin, sei diese Infrastruktur unbedingt erforderlich.

Kritiker bremsen die Euphorie: „Aufgrund propagierter industrieller Interessen werden Bürgermeister und Gemeinderäte einfach überrollt, sodass der Eindruck entsteht, 5G sei alternativlos“, findet Sabine Brenner von der Bürgerinitiative „Stoppt 5G jetzt“, die auch hier im Landkreis aktiv ist. Für eine Forschung über Alternativen und für Mitbestimmung werde kein Raum gelassen. Und es sei noch kein Nachweise erbracht worden, bemängelt die Huglfingerin, „dass 5G unschädlich ist für Mensch, Tier und Natur, obwohl sich die Hinweise auf massive Gesundheitsrisiken und Schäden durch die elektromagnetischen Felder häufen“.

Auch in der Kommunalpolitik regt sich Widerstand. Der AfD-Kreisverband zeigt sich „entsetzt“ über die 5G-Offensive der Telekom – und wirft in einer Pressemitteilung die Frage in den Raum, ob dies ein Schritt in Richtung „Überwachungsstaat“ sei. „Aufklärung über Risiken findet nicht statt“, heißt es in dem Schreiben.

Und was sagt die Telekom zur Gesundheitsdebatte? Laut dem Telekommunikationsriesen besteht kein Grund zur Sorge, denn: „Mobilfunk, so wie wir ihn einsetzen, ist eine sichere Technik.“

Auch interessant

Kommentare