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Ein Lächeln huscht übers Gesicht: Elisabeth Koch mit Parteifreund Günter Steinebach.

Anwältin will Rathaus-Chefin werden

87 Prozent: Die „sanfte Elisabeth“ wird Bürgermeister-Kandidatin

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87 Prozent für Elisabeth Koch: Die Garmisch-Partenkirchner CSU nominiert die Anwältin zur Bürgermeister-Kandidatin. Das sagt sie jetzt dazu.

Garmisch-Partenkirchen – „Ja, bin ich.“ Drei Worte waren es, die Elisabeth Koch offiziell ins Rennen brachten. Dr. Michael Rapp, der Kreisvorsitzende der CSU, der als Wahlleiter fungierte, hatte sie gefragt, ob sie tatsächlich zur Kandidatur für das Bürgermeister-Amt bereit wäre. Koch nickte. „Weitere Vorschläge?“ Alles ruhig im Schatten-Saal. Niemand stand auf. Stille. Damit war die Angelegenheit geklärt.

Interessant war nun freilich, welches Ergebnis die langjährige Frontfrau der CSU im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat bekommen würde? Nur 63 Stimmberechtigte waren überhaupt nach Partenkirchen gekommen. „Brutal wenig“, unkte ein Mitglied. Gut, die Teerkolonne am Rathausplatz stellte sich vielen in den Weg. Aus dem Ortsteil Garmisch zum Gasthof Schatten zu fahren, glich einer Tortur. In der Blechlawine verloren einige die Lust. „Wir haben SMS bekommen, dass Leuten umgedreht sind“, sagte Koch hinterher. Trotzdem: 63, die entscheiden sollten, ob der Ortsverband Koch ins Rennen schickt, das war dürftig. Koch selbst nahm’s gelassen. „Es ist schon ein guter Querschnitt da.“ Ein paar junge Gesichter saßen in den hinteren Reihen, die Arrivierten vorne.

Das es nicht 100 Prozent gab, überrascht die Kandidatin nicht

Dem Trio Rapp, Martin Pirner und Thomas Schellmann war es vorbehalten, das Ergebnis zu ermitteln: einmal Nein, sieben ungültige Stimmen, 55-mal Ja. Macht 87 Prozent für Elisabeth Koch. Dass es nicht 100 Prozent gab – die Kandidatin überraschte es nicht. „Das ist total normal“, urteilte sie – und schob sarkastisch nach: „Bei meiner Person.“ Ja, sie ist nicht jedermanns Liebling. Ein Umstand, der ihr bewusst ist, den sie offen ansprach. „Ich weiß, dass es manche da herin nicht einfach mit mir gehabt haben“, sagte sie gerade raus. „Aber, letztlich haben wir immer an einem Strang gezogen.“

Das erhofft sich Koch auch für die Kommunalwahl 2020. Einen klaren Wunsch äußerte sie: „Ich möchte mit einer starken Liste antreten.“ Einer kompletten noch dazu. 30 CSU-Kandidaten will sie den Menschen im Ort bieten. Von anderen Gruppierungen und Parteien habe sie schon gehört, dass sie mit deutlich kleineren Aufgeboten starten. Das soll der CSU nicht passieren. „Das muss unser Anspruch sein“, stellte sie klar.

Vor der Abstimmung hat Koch die Sanfte gegeben

So kämpferisch präsentierte sie sich nicht den ganzen Abend. Die 57-Jährige hatte in ihrer Rede vor der Abstimmung die Sanfte gegeben. „Ich habe mir nichts aufgeschrieben“, sagte sie den Anwesenden. „Warum? Weil für mich am Wichtigsten ist, dass Sie mich als Mensch wählen, der weg geht vom Papier, aber auch sehr wohl damit arbeiten kann.“ Der Faktor Arbeit war ihr wichtig. Sie wies energisch darauf hin, „dass ich sehr wohl in meinem Leben gearbeitet habe“. Als Wiesn-Bedienung beispielsweise. Aber eben auch während ihrer Ausbildung im Rathaus, im inneren Dienst. „Ich kenne diese Themen.“ Im Jahr 2000 verwirklichte sie sich als Anwältin. Erst daheim im Keller, später mit ihrer eigenen Kanzlei im Herzen Partenkirchens. „Ich glaube, ich habe mir in meinem Leben einen Blick dafür erarbeitet, was wichtig ist – und was nicht.“

Ein Programm habe sie noch nicht erarbeitet. „Das möchte ich erst mit der Mannschaft aufstellen, die zustande kommen wird.“ In einigen Fragen positionierte sich Koch aber sehr klar: „Volle Unterstützung“ signalisierte sie für die Ski-WM und den Wanktunnel. „Und wenn es in diesem Ort gegen Rechts geht, dann werde ich auf die Straße gehen und meine Stimme erheben.“ Da war sie wieder, die Kämpfernatur.

Eines bereitete ihr grundsätzlich Bauchschmerzen: Die Arbeit in ihrer geliebten Kanzlei aufzugeben. Koch muss ihre Anwaltszulassung ruhen lassen. „Das verlangt der Job, ich gehe voll ins Risiko.“ Zehn Tage zog sie sich mit Freundinnen in den Oman zurück – zum Überlegen. „Ich bin ein Wassermensch, ich habe zehn Tage dagesessen und aufs Meer geschaut.“ Im Nahen Osten reifte die finale Erkenntnis: „Ich werde es mit voller Kraft anpacken, und ich glaube, dass es auch was werden kann.“ 

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