Zerstörte Geländer: Die Arbeiter der Firma Geos sind bereits am Reparieren.
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Zerstörte Geländer: Die Arbeiter der Firma Geos sind bereits am Reparieren.

Teileröffnung nächsten Mittwoch geplant

Nach Unwetter: Beliebte Partnachklamm gesperrt - Schäden sind immens, vor allem in einem Bereich

  • Christian Fellner
    VonChristian Fellner
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Ein Blick in die beschädigte Partnachklamm nach dem Hochwasser zeigt deutlich: Das beliebte Ausflugsziel muss teuer instandgesetzt werden.

Garmisch-Partenkirchen – 1999, das berüchtigte Pfingsthochwasser, hat Rudi Achtner nicht miterlebt. Da war er noch nicht in der Klamm. Und dennoch: Auch seine Liste an Wassern ist lang. 2005 zählt er auf, 2007, 2009, 2013. „Dann natürlich 2018, was bei uns ein sehr großes Hochwasser war, als es uns unten den ganzen Weg weggerissen hat.“ 2019 folgte ein leichtes Unwetter, „und jetzt halt das vergangene Wochenende, das man durchaus als ein größeres Ereignis einstufen kann“, sagt Achtner mit Blick auf die Unwetter der vergangenen Woche. Nicht so sehr für die Klamm im Inneren, mehr für die Bereich südlich davon, wo Ferchenbach und Partnach zusammenfließen, um sich dann in die bis zu 86 Meter tiefe und 700 Meter lange Schlucht zu stürzen. „Innen sind wir sehr gut davongekommen“, bestätigt der Klammwart. „Aber draußen hat es uns richtig erwischt.“

Weggebrochen ist der Weg am südlichen Klammende. Rudi Achtner wirft einen Blick auf die Schäden.

Partnachklamm: Hochwasser hat Verbindung ans andere Ufer komplett vernichtet

Der Ferchenbach – von Elmau kommend – hat die Verbindung ans andere Ufer zur Straße in Richtung Bockhütte komplett vernichtet. Nach einem Hangrutsch führt der Bach braunes, schlammiges Wasser, wohingegen die Partnach nahezu weiß aus dem Reintal hervorquillt.

Risse im Boden deuten von der akuten Gefahr.

Die Aufräumarbeiten werden Wochen dauern. Das steht für Achtner fest. „Wir müssen das Schwemmholz, die Baumstämme und Wurzelstöcke rausholen. Bei der Partnach sicher auf einer Länge von 1,5 Kilometer taleinwärts.“ Auf der anderen Seite geht es hoch bis Elmau zur Flurgrenze knapp hinter dem dortigen Wanderparkplatz. Die Firma SF Forst vom Arlberg sollte gestern Nachmittag eintreffen, um mit den Arbeiten zu beginnen. Selbst die Anfahrt gestaltet sich abenteuerlich. Über Elmau geht nichts. „Die müssen über den Hausberg kommen.“ Mit den Lkw – und einem Spezialgerät. Achtner: „Das schaut aus wie ein Minipanzer, der vom Ufer aus gesteuert wird und die Stämme rauszieht.“

Unwetter in der Partnachklamm: Aufräumarbeiten werden sehr teuer

Ein riesiger Aufwand. Und einer teurer obendrein. Achtner hat als Abteilungsleiter Partnachklamm im Rathaus ein Budget für jedes Jahr. „Einen Sockelbetrag für den Gewässerunterhalt“, präzisiert er. „Aber der reicht bei so etwas bei weitem nicht.“ Die Schäden an der Klamm nach dem Starkregen vom Sonntag schätzt er auf einen hohen fünfstelligen bis sogar sechsstelligen Euro-Betrag.

Ein neues Bett hat sich der Ferchenbach gesucht - und die Straße dahinter zerstört.

Gemacht werden muss alles so oder so. Da dürfen die Kosten keine Rolle spielen. Die Partnachklamm zieht im Jahr rund 400 000 Besucher an. Daher tut es weh, wenn das Naturspektakel zu ist. „Wir hatten gerade mal vier Wochen auf, und dann das...“, klagt Achtner. Doch er versprüht auch Zuversicht. Kommenden Mittwoch hat er sich als Ziel gesetzt. Bis dahin soll die Klamm wieder begehbar sein. Zumindest eingeschränkt. „Das kriegen wir hin“, sagt er selbstbewusst. Also nicht die Geländearbeiten im südlichen Bereich, aber zumindest bis zum Partnachfall soll der Weg innen passierbar sein. „Dann müssen die Leute halt umkehren, das haben wir immer wieder mal gehabt.“

Partnachklamm teilweise wieder begehbar ab Mittwoch

Bevor aber an eine Wiederöffnung zu denken ist, muss noch einiges geschehen. Müssen Geologen und Statiker die Klamm abnehmen. Geschieht Anfang nächster Woche. Die Firma Geos aus Nassereith war gestern schon am Werk, das Geländer im oberen Bereich wieder instand zu setzen. „Ab der Madonna beginnen die Probleme“, sagt Achtner. Die Heiligenfigur wacht seit der Erschließung der Klamm in den 1910er-Jahren über die Schlucht. „Dort ist der Weg am tiefsten über dem Wasser, da gibt es grundsätzlich die meisten Probleme.“ In der Tat verkeilte sich ein Baumstamm am Sonntag in dieser schmalen Passage und sorgte für den Wasserstau. In der Folge rauschten die Wurzelstöcke, Äste und anderes Kleinholz heran. „Am Ende hatten wir auf 80 Metern Länge Holz in der Klamm.“

Die Mauer zu erhöhen könnte eine Lösung für die Überspülungen am Weg sein. 

Am Mittwoch machten sich die Experten der Spezialfirma und fünf Mann des Bauhofs ans Aufräumen. „Wir sind von zwei Seiten losgegangen, haben das Zeug zerschnitten.“ Und was passiert damit? Es wird in die Klamm geworfen, quasi natürlich entsorgt. „Anders geht das nicht, das Holz bringen wir anders nicht raus.“ Am gleichen Tag haben die Arbeiter auch die Netze oberhalb der Klamm an den beiden kleinen Wasserfällen geleert. „Da kam an einem Wochenende so viel zusammen wie sonst in einem Jahr.“

Bereitet die Klamm an sich dem Routinier keine großen Sorgen, so schaut es am südlichen Ausgang anders aus. Sogar der Weg oberhalb der Partnach zur Klamm ist teilweise weggerissen worden, muss von der Uferseite her neu befestigt werden. Mit Wasserbausteinen sollen feste Mauern entstehen. „Das hätte im Leben niemand gedacht, dass es diesen Weg wegspült“, sagt Achtner. Die nächste Herausforderung: Die Partnach muss wieder umgebettet werden. Derzeit läuft sie am östlichen, beschädigten Ufer, würde dieses somit immer weiter aushöhlen. Mit einem Bagger muss das Bett nun wieder so ausgeformt werden, dass der Wildbach westlich läuft – weg von den Fußwegen. Selbes Spiel beim Ferchenbach, der seine eigentliche Brücke derzeit umgeht. Auch dort muss wieder ein neuer Lauf freigelegt werden. „Mindestens vier Wochen“ werde das dauern. Der Vorteil: Das kann auch passieren, wenn die Klamm wieder offen ist. „Dann haben die Leute sogar noch ein bisserl mehr zum Schauen“, sagt Achtner und lacht. Ja, der Humor ist ihm nicht abhanden gekommen in über 20 Jahren und nach so vielen Wasserereignissen.

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