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Der mögliche Abriss des Kleinen Theaters und des „U 1“ treibt die Kulturschaffenden um.

Kulturschaffende fürchten um Glas-Anbau

Kongresshaus-Abriss: Ein „Horror-Szenario“ für die Kultur

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Die Angst, dass dem beschlossenen Abriss des Kongresshauses auch das Kleinen Theater und das „U 1“ zum Opfer fallen, ist groß. Deshalb gehen die Kulturschaffenden in die Offensive. Nach einem Austausch untereinander wollen sie die Fraktionen im Gemeinderat ins Boot holen.

Garmisch-Partenkirchen – Das Kongresshaus am Richard-Strauss-Platz wird abgerissen und an gleicher Stelle neu gebaut. Mit nur einer Gegenstimme sprach sich der Gemeinderat von Garmisch-Partenkirchen dafür aus. Somit wurde alles auf Null gestellt, die bisherige Planung und sämtliche Gutachten zu den Akten gelegt. Jetzt beginnt alles von vorn. Als „Grundsatzbeschluss“ versteht Elisabeth Koch, Vorsitzende der CSU-Fraktion, das Votum aus der Juli-Sitzung. „Wir bauen ein neues, verschlanktes Kongresshaus.“

Genau das treibt die Kulturschaffenden in der Marktgemeinde um. Und zwar gewaltig. Hintergrund ihrer Sorge: Der Anbau von 1998, in dem das Kleine Theater und die Bühne „U 1“ untergebracht sind, könnte diesem Vorhaben ebenfalls zum Opfer fallen. „Uns wurde gesagt, dass wir bis Ende 2021 Planungssicherheit haben“, sagt Markus Schneider, Vorsitzender des Kulturbeutels Garmisch-Partenkirchen. Bis dahin könne er Künstler fürs „U 1“ buchen. Was danach kommt – Schneider weiß es nicht.

Kleines Theater fürchtet um seine Existenz

„Kalt erwischt“ wurde auch Tatjana Pokorny, Junior-Direktorin des Kleinen Theaters, von der Nachricht. „Es gibt offenbar Bestrebungen, auch unser Gebäude abzureißen.“ Für sie und ihre Theaterfamilie ein absolutes Horror-Szenario. „Das Ensemble, das im kommenden Jahr sein 70-jähriges Bestehen feiert, ist schließlich auf Zuschüsse angewiesen. Die sind aber an bestimmte Bedingungen, wie einen festen Spielort, ein ganzjähriges Angebot und eine konstante Zahl an Vorstellungen, geknüpft. Verständlich, dass sie in Anbetracht dessen alles tut, um ihr Theater zu erhalten. „Einige favorisieren wohl den Komplett-Abriss“, berichtetet sie von Gesprächen mit Kommunalpolitikern. Was dieser allerdings nach sich ziehen würde und welche Konsequenzen damit verbunden sind, sei bislang den wenigsten klar. Deshalb treffen sich die Kulturschaffenden Anfang kommender Woche, um sich über ihre Positionen auszutauschen und eine Strategie zu entwickeln. Der nächste Schritt sind dann Gespräche mit den Fraktionen im Gemeinderat.

An einer offenen Kommunikation liegt auch Dr. Stephan Thiel (Bündnis 90/Die Grünen). „Natürlich werden die Kulturschaffenden in die Planung für ein neues Kongresshaus einbezogen. „Die jetzige Aufregung ist aber verfrüht.“ Noch liegt schließlich nur besagter Grundsatzbeschluss vor, Details hingegen fehlen bislang völlig.

Konkrete Planung für neues Kongresshaus beginnt erst

Das bestätigt auch Koch. „Bisher war der Anbau gar kein Thema.“ Nach dem Votum geht es nun darum, in die konkrete Planung einzutreten und insbesondere die Machbarkeit zu prüfen. Entscheidend für die CSU-Chefin im Gemeinderat ist, dass am Richard-Strauss-Platz „ein Haus entsteht, das auch den Bürgern dient. Dazu gehört natürlich die Kultur.“

In die Frage, wie es mit dem Komplex im Garmischer Zentrum weitergehen soll, müssten zudem auch der neue Geschäftsführer von GaPa-Tourismus und die Bürger einbezogen werden, fordert Florian Hilleprandt. Auch dem Vorsitzenden der CSB-Fraktion ist zu Ohren gekommen, dass Gerüchte über einen möglichen Abriss des Glas-Anbaus kursieren. „Noch ist aber nichts entschieden“, sagt er. „Das letzte Wort ist nicht gesprochen.“ Diese Auffassung teilt sein SPD-Kollege Robert Allmann. „Bisher stehen das Kleine Theater und das ,U 1‘ nicht zur Debatte.“ Zumal der Anbau von 1998 ja auch noch einer Zuschussbindung unterliegt, führt Thiel ins Feld. „Die läuft erst 2023 ab.“

Somit geben die Mitglieder des Gemeinderats Entwarnung. Und versuchen, die Kulturschaffenden zu beruhigen. Allein damit geben sich diese aber nicht zufrieden. Sie treten nun aktiv in den Dialog ein und machen ihren Standpunkt deutlich.

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