Daniel Küblböck: Exklusiv! Oberstaatsanwalt nennt traurige Details zu Überwachungsvideo

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Ein letztes Mal können Besucher am Sonntag mit der historischen Eckbauerbahn fahren. Dann schließt sie, und der Neubau beginnt.

Am 7. Oktober fährt die Nostalgiebahn zum letzten Mal, dann kommt ein Neubau

Abschied von der historischen Eckbauerbahn: „Das tut weh“

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Die Eckbauerbahn – „das war Herr Weber“. Für Kinder wie Katrin Ostermair-Maurer gehörten die Bahn und der frühere Maschinist untrennbar zusammen. Für Weber (81) war siesein Leben. Am Sonntag, 7. Oktober, nimmt er von ihr Abschied. Dann wird sie abgeschaltet. Bereits am Montag beginnt der Neubau. 

Garmisch-Partenkirchen – Fanny Weber hatte Konkurrenz. Ein mittlerweile altes, gebrechliches Drum, gegen das sie nicht so recht ankam. „Ach“, sagt sie und lächelt, „das weiß ich schon. Er mochte die Bahn mehr als mich.“ Gerade hat ihr Mann verbal Kuppelapparat, Kugellager sowie Rollen zerlegt und wieder zusammengebaut. Er grinst. „Dich hat man halt nicht so einfach einschalten können.“ Und wohl auch nicht so einfach wieder aus. Sie lachen, laut und lange. Wie oft an diesem Nachmittag in ihrer Wohnung in Partenkirchen. Jahrzehntelang hat die Eckbauerbahn das Ehepaar begleitet. 32 Jahre lang wohnte es in der Betriebswohnung in der Talstation. 15 Jahre arbeitete Michael Weber bei der Bahn als Maschinist. Jede Schraube kennt er, jedes Geräusch. Am Sonntag, 7. Oktober, wird er die Kabinen zum letzten Mal über die Rollen rattern hören. Dann schließt die historische Bahn, Baujahr 1956, und wird durch einen Neubau ersetzt.

Mei…, sagt er. Wo soll er nur anfangen? Über seiner Erlebnisse mit der Eckbauerbahn könnte Michael Weber (81) ein Buch schreiben. Er überlegt kurz – und beginnt mit der Sau. Schon bei dem Stichwort kichert seine Frau (80). „Oh ja“, sagt sie. „Eine wunderbare Geschichte.“

Die Hausbergler stehlen die Eckbauer-Sau

Den Sommer über fütterte das Team der Eckbauerbahn in den 1970er Jahren in einem extra gebauten Stall am Berg ein Hausschwein, um es im Herbst zu schlachten für ein kleines internes Fest. Illegal freilich, darum geheim. Bei einem Betriebsausflug aber haben es Weber und Co. doch ausgeplaudert. Genau hörten die „Hausbergler“, die Kollegen von der Bahn im Ortsteil Garmisch, zu. Eines Morgens im Spätsommer 1974 war die Sau weg. Überall suchten die jungen Männer, schließlich riefen sie bei der Polizei an. „Jemand hat uns ein Schwein gestohlen.“ – „Ja, das wiss ma schon.“ Die Hausbergler hatten die Beamten bereits informiert.

In der Nacht waren sie zur Bahn am Skistadion im Ortsteil Partenkirchen gefahren. Mit dem Akia stiegen sie hinauf, schnallten das Schwein auf die Rettungsbahre und schoben es ins Tal. Da war freilich eine Auslöse fällig, die Hausbergler wurden zur Saufeier eingeladen. Allerdings trauten sie sich anfangs kaum, was zu essen. „Die haben gemeint, wir mischen ihnen was unter, damit sie tagelang Durchfall haben.“

Wilde Akia-Fahrt und Vollrausch

Diese Sau, sie hat einiges mitgemacht. Die Akia-Fahrt – und einen Vollrausch.

Webers Kollege Willi Sebrich betrieb an der früheren Kainzenbad-Bahnhaltestelle einen Kiosk. Altes Brot und Semmeln sammelte er in einem Kübel als Futter für das Eckbauer-Schwein. Einmal aber gerieten auch alle Bier-Norgerl dazu. Weber kam am Morgen zum Frühstücksdienst in den Stall – da lag die Sau. „Ich hab’ gemeint, sie ist hi.“ Tatsächlich war sie sturzbetrunken.

Fanny Weber kudert bei der Geschichte wie vor über 40 Jahren als junge Frau, Michael Weber grinst wie ein Lausbub. Erinnerungen an die Bahn sind Erinnerungen an Freundschaften, an Familie, an ein Zuhause. Und an Menschenmassen.

Bei Besucheransturm: Kartoffeln per Kübel in die Wohnung gezogen

Einkäufe an einem sonnigen Samstag in die Wohnung zu bringen – eine Herausforderung. Mit ihren Taschen zwängte sich Fanny Weber durch die Schlangen im Treppenhaus. Wie die Gäste zum Einstieg musste sie in den ersten Stock zum Eingang in die Wohnung. „Tschuldigung, darf ich mal durch?“ Kaum einen Satz hat sie wohl häufiger gesagt. Manchmal umging sie ihn. Brauchte sie im höchsten Gedränge Kartoffeln aus dem Keller, ließ sie am Seil einen Kübel beim Küchenfenster hinunter. Eines ihrer Kinder füllte ihn auf, sie zog ihn wieder nach oben.

Wochenende für Wochenende wuselte es nur so am Lift neben dem Skistadion. Bis die Hausbergbahn 1969 gebaut wurde, lernten die heimischen Kinder am Eckbauer das Skifahren. Wie Webers drei Söhne und eine Tochter. Und wie Katrin Ostermair-Maurer, die heutige Besitzerin und Geschäftsführerin der Bahn. Wettrennen gab’s bei den Abfahrten, Mutproben auf dem Weg nach oben. Eine davon: die Zunge an die eiskalte Eisenstange des Kabinengeländers pressen. Wer es am längsten aushält. Schnell haben die Kinder gelernt, wie man die festgepappte Zunge einigermaßen schadlos wieder löst. „Mit viel Spucke“, sagt Ostermair-Maurer und lacht. Noch eine Mutprobe gab’s, die Buben-Variante: Sie stellten sich außen auf das schmale Blech für die Ski, sprangen kurz vor der Stütze wieder in die Kabine. „Das hab ich mich aber nicht getraut.“

Seilbahn-Sohn jetzt Betriebsleiter bei der Laberbahn

Auch Webers Kinder verbrachten jede freie Minute im Winter am Berg. Den Zweitjüngsten, Andreas, interessierte die Bahn noch mehr als das Skifahren. Von seinem Kinderzimmer aus spannte er bis zu einem Baum eine etwa 50 Meter lange Miniatur-Seilbahn samt elektrischem Antrieb und Beleuchtung. Sobald er vom Kindergarten oder der Schule nach Haue kam, half er mit, die Kabinen wieder zum Start zu schieben – bis ihn der Betriebsleiter vertrieb. Der Bub lief vorne raus und kam hinten wieder rein. Er weiß gar nicht, was der Chef will, hat er gesagt. „Ich werd doch sowieso mal a Seilbahner.“ Wurde er. Heute leitet Andreas Weber (49) die Laberbahn in Oberammergau.

Sein Vater Michael fing am 15. Januar 1959 bei der Eckbauerbahn an. Drei Jahre, nachdem sie in Betrieb gegangen war. Anfangs übernachtete er zweimal in der Woche am Berg, um die Bahn in der Früh einzuschalten; sie wurde von oben gesteuert. Damit wusste seine Frau im Tal: Der Dienst ihres Mannes hat begonnen – und er hat nach einer langen Kartennacht mit Spezln nicht verschlafen.

Das Surren der Bahn gehört dazu

Jeden Tag hörte Fanny Weber stundenlang das Wummern in der Wohnung – beziehungsweise hörte es nicht mehr. Aufgefallen ist ihr nur, wenn das Surren plötzlich aufhörte. Außerplanmäßig. Oft kam das nicht vor. An große technische Probleme erinnert sich Weber nicht. „Auf die Bahn konnte man sich verlassen.“

1974 wechselte Weber innerhalb der Wankbahn AG, die spätere Bayerische Zugspitzbahn, zur Kreuzjochbahn, baute sie mit. Sein Herz aber gehörte der Eckbauerbahn, auch jetzt noch. „Ich mag sie.“

Vor ein paar Tagen ist er noch einmal mit ihr gefahren. Geschäftsführerin Katrin Ostermair-Maurer sperrte ihm und seiner Frau noch einmal ihrer frühere Wohnung auf. „Welch ein Erlebnis“, sagt Fanny Weber. „Schau mal“, ruft sie im Flur und zeigt auf ein etwa fünf Mal fünf Zentimeter großes Fleckerl an der Wand. Dort lurt unter der neuen Raufaser ein Stück alte Tapete hervor. Rot-weiß gestreift, mit Blümchen. Ansonsten erinnert kaum mehr etwas an das frühere Zuhause der Familie, die mit dem Ruhestand von Michael Weber 1999 auszog. Alles wurde umgebaut.

Nun wird die Talstation abgerissen, die Bahn am Sonntag zugesperrt, beides durch einen Neubau ersetzt. Die Entscheidung versteht Michael Weber. Sie sei zu alt für eine Reparatur. Wichtige Ersatzteile gibt es nicht mehr, müsste man von Hand fertigen. Trotzdem: „Das tut schon weh.“ Er wird sie vermissen, seine alte Dame.

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