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Das frühere Patton-Hotel stellt die Kavun-Gruppe, neue Eigentümerin des zurückgegebenen US-Areals, für so genannte anerkannte Flüchtlinge zur Verfügung.

"Glücksfall" für Kommunen

Nun doch: Flüchtlinge können ins frühere Patton-Hotel ziehen

  • Tanja Brinkmann
    VonTanja Brinkmann
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Garmisch-Partenkirchen  - Entgegen allen früheren Aussagen: Das ehemalige General Patton Hotel in Garmisch-Partenkirchen ist doch für Flüchtlinge geeignet. Von Baumängeln offenbar keine Spur. Die Kavun-Gruppe, die das Objekt im Sommer ersteigert hat, vermietet es für Asylbewerber.

Neun Monate. So lange dauert im Schnitt die Prüfung, ob ein Flüchtling vorerst in Deutschland bleiben darf. So lange leben die Menschen in den Unterkünften, die die Regierung von Oberbayern anmietet oder bezahlt. Nach dieser Frist müssen sich die Asylbewerber auf dem Wohnungsmarkt umschauen und stehen möglicherweise vor den Rathäusern, sofern sie selbst nichts finden. „Dann ist die Gemeinde am Zug“, sagt Florian Nöbauer, Sprecher des Marktes Garmisch-Partenkirchen. Und das heißt, dass Flüchtlinge schlimmstenfalls wie zuletzt Abraham Ojei aus Nigeria vorübergehend im Obdachlosenasyl unterkommen. Ein Szenario, das durch eine überraschende Kooperation mit der Kavun-Gruppe nun vermieden werden soll. Nachdem der Unternehmer Ibrahim Kavun das ehemalige General Patton Hotel in Garmisch-Partenkirchen für 1,72 Millionen Euro ersteigert hat, ziehen in den nächsten Tagen die ersten 20 Betroffenen ein.

„Positiv“ nennt Landrat Anton Speer (Freie Wähler) diese Möglichkeit. Noch Anfang Juli, als der Streit um die Unterbringung von Asylbewerbern im alten Partenkirchner Krankenhaus seinen Höhepunkt erreichte, hatte er in einem Interview mit dem Garmisch-Partenkirchner Tagblatt / Murnauer Tagblatt die Befürchtung geäußert, dass die Bausubstanz des ehemaligen US-Hotels schwere Mängel aufweist. Deshalb komme das Haus „nicht in Frage“. Bei einem Ortstermin vergangene Woche ließ er sich eines Besseren belehren. „Ich war überrascht, in welch’ gutem Zustand das Gebäude ist.“

Garmisch-Partenkirchen ist dankbar über die Unterstützung, die der Landkreis bietet. „Bei uns ist es sehr schwierig, günstigen Wohnraum zu finden“, schildert Nöbauer. Die 176 verbliebenen Sozialwohnungen der Gemeinde – in den zwei Amtsperioden unter Bürgermeister Thomas Schmid (CSB) sind über  120 verkauft worden – seien belegt. Das gilt auch für die 142 Einheiten, für die der Markt Belegungsrechte hält.

Dass sich das Patton-Hotel an der Osterfelderstraße entgegen den Informationen der Bauverwaltung vom Juli jetzt doch als geeignete Alternative erweist, nennt Nöbauer „einen absoluten Glücksfall“. Mit diesem Objekt habe die Gemeinde zunächst auch deshalb nicht kalkuliert, erklärt er, weil es ein Privatinvestor ersteigert hatte und es demzufolge „erst einmal nicht zur Verfügung stand“.

Wie groß der Bedarf an Wohnraum in der nächsten Zeit wird, darüber gibt es indes keine Auskunft. Weder das Landratsamt, dessen Ausländerbehörde in den ersten neun Monaten für die Flüchtlinge zuständig ist, noch das Jobcenter, das anschließend am Zug ist, erheben diese Zahlen. Nachdem sich die Asylbewerber, abhängig von ihrem Status, in ganz Deutschland, im Freistaat oder nur im Landkreis frei bewegen dürfen, ist es schwierig nachzuvollziehen, wo sie langfristig bleiben.

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