Der Blick ins Oberkar unterhalb der Alpspitze bei Garmisch-Partenkirchen. Dort stürzte der Tourengeher am Sonntag.
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Einsatz im Oberkar: In dieses Gebiet stürzte der Skitourengeher aus dem Raum Traunstein. Mithilfe des Hubschraubers konnte er schnellstmöglich versorgt werden.

Traunsteiner mit Schutzengel unterwegs

Absturz an der Alpspitze: Tourengeher schlittert 200 Meter in die Tiefe - Bergwacht mit eindringlicher Warnung

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
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Er war gut ausgerüstet, das war wohl sein Glück: Denn bei einem Absturz an der Alpspitze hat sich ein Tourengeher aus dem Raum Traunstein schwere Kopfverletzungen zu gezogen. Die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen war am Sonntag im Dauereinsatz.

Garmisch-Partenkirchen – Mit einem Schutzengel und sehr guter Ausrüstung ist ein Tourengeher aus dem Raum Traunstein am Sonntag im Bereich der Alpspitze bei Garmisch-Partenkirchen unterwegs gewesen. Sonst hätte der Ausflug ins Wettersteingebirge mit einem Spezl vielleicht ein noch schlimmeres Ende genommen.

Garmisch-Partenkirchen: Tourengeher stürzt an Alpspitze ab - und wird schwer verletzt

Der erfahrene Skibergsteiger und gute Skifahrer stürzte zunächst beim Abstieg von der Alpspitze ins Oberkar, schlitterte dort rund 200 Meter auf dem Schnee in die Tiefe und musste mit schweren Kopfverletzungen ins Unfallklinikum nach Murnau geflogen werden. Nicht der einzige Einsatz für die Bergwacht Garmisch-Partenkirchen an einem stressigen Wochenende für die Bergretter.

Thomas Abold, der Einsatzleiter der Bergwacht, spricht von sehr unglücklichen Umständen in diesem Fall. „Das waren wirklich sehr versierte Tourengeher, top ausgerüstet und auch sehr gute Skifahrer“, stellt er klar. Und dennoch passierte das Unglück. Die beiden Alpinisten waren dabei, über die Ostflanke von der Alpspitze abzufahren. Im Bereich des Flaschenhalses, einem Übergang in felsiges Gelände oberhalb des Oberkars, das aufgrund der Schneeverhältnisse sehr anspruchsvoll zu durchqueren ist, machten sie Halt. „Eigentlich alles richtig“, merkt Abold an.

Nach Absturz an Alspitze: Bergwacht-Einsatzleiter spricht von „sehr unglücklichen Umständen“

Denn die beiden Tourengeher schnallten die Skier ab, wollten die Steigeisen anlegen. Dabei aber rutschte der eine ab. Er verlor den Halt, stürzte über einen Felsvorsprung und landete im Schnee, rutschte dort weiter ab ins Oberkar. „Sein Glück, wenn man das bei schweren Kopfverletzungen sagen kann, war seine gute Ausrüstung“, betont Abold. „Aber der Helm war total zerdeppert, er hat ihm womöglich das Leben gerettet.“

Andere Skibergsteiger in dem Gebiet setzten gegen 11 Uhr sofort einen Notruf ab. Die Bergwacht forderte den Rettungshubschrauber Christoph Murnau an, mit dem die Bergwachtmänner zur Unfallstelle kamen. Nach medizinischer Erstversorgung brachte die Helikopterbesatzung den Mann ins Klinikum.

Abold warnt nicht so erfahrene Tourengeher eindringlich vor Ausflügen in derart hochalpines Gelände. „Gerade jetzt sind die Verhältnisse enorm schwierig, es liegt wenig Schnee, es ist sehr eisig.“ An der Absturzstelle sei das Gelände sicher 45 Grad steil.

Appell an unerfahrene Tourengeher: Abfahrten wie die Kandahar erfordern besonderes Können

Und Abold macht nicht bei der Alpspitze Halt bei seinem Appell. Er bezieht auch klar die Kandahar im Kreuzeck-Gebiet in seine Warnung ein. Dort kam es am selben Tag noch zu drei weiteren Unfällen und damit Einsätzen für die Bergwacht, die mit sechs Mann an diesem Sonntag mehr als ausgelastet war. „Wir sind von 10.30 bis 18 Uhr fast durchgehend unterwegs gewesen“, bestätigt er. Kaum war nach gut zweieinhalb Stunden der Einsatz an der Alpspitze abgeschlossen, traf der nächste Alarm in der Leitstelle ein.

Wieder waren es Tourengeher – allesamt aus dem Großraum München –, die Probleme bekommen hatten. Rauf und runter hieß es an diesem Nachmittag für die Bergretter. Zunächst ging es in den Bereich Bödele/Eishang. Dort war ein Skibergsteiger bei der Abfahrt auf der Kandahar gestürzt. Es bestand der Verdacht auf einen Oberschenkelbruch. Der Patient musste versorgt, erneut der Hubschrauber gerufen werden. Per Winde wurde der Verletzte in den Helikopter aufgenommen und ins Krankenhaus gebracht.

Verletzte Skibergsteiger: Bergwacht in Garmisch-Partenkirchen im Dauereinsatz

Zurück im Depot gab es keine Verschnaufpause. Diesmal ein Sturz im Bereich der Tröglhütte. Die Skiwacht Garmisch-Partenkirchen versorgte den Skifahrer, der sich womöglich das Schlüsselbein gebrochen hatte, bis zum Eintreffen der Bergwacht. Die übernahm dann den Abtransport mit dem Rettungsfahrzeug von der Talstation des Kandahar-Express’. Und damit war noch nicht Schluss. Nochmals mussten Abold und Co. rauf auf den Berg. Wieder ein Sturz, dieses Mal eine Gesichtsverletzung.

Dass sich die Einsätze in den vergangenen Wochen häuften, führt der Einsatzleiter auf das schöne Ausflugswetter, aber auch auf die Bedingungen auf den Pisten zurück. „Die Kandahar ist nichts für Anfänger, gerade jetzt nicht.“ Da die Weltcup-Rennstrecke größtenteils im Schatten liegt, reichen auch die zuletzt sehr milden Temperaturen noch nicht, um den komplett durchgefrorenen und für die besten Skifahrer der Welt präparierten Untergrund aufzuweichen.

Gefahren bei der Abfahrt: Skipisten hart wie Beton - „Da musst du ein guter Skifahrer sein“

„Teilweise ist das wie Beton. Da musst du ein guter Skifahrer sein und auch scharfe Kanten haben.“ Gerade Letzteres sei hinsichtlich des Materials bei Anfängern jedoch selten der Fall. Abold warnt: „Das Problem ist aktuell nicht das Aufsteigen, die Abfahrten machen das Tourengehen deutlich schwieriger.“

In Garmisch-Partenkirchen hat ein Ausflügler mit Münchner Kennzeichen sein Auto direkt am Berg geparkt. Der „Denkzettel“ eines Einheimischen löste nun eine bekannte Debatte aus. Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s jetzt auch in unserem neuen, regelmäßigen GAP-Newsletter.

(Von Christian Fellner)

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