+
Auf Augenhöhe: FIS-Re nndirektor Atle Skaardal und Peter Fischer bei der Mannschaftführer-Sitzung. 

Interview mit Peter Fischer: Neuer Weltcup-Ablaufplan und Sprungdiskussionen

Das Wetter ist schuld: Super-G auf der Kandahar am Samstag, Abfahrt am Sonntag

  • schließen

Viel hat Weltcup-OK-Chef Peter Fischer am Freitag telefoniert. Die Wetterprognose sorgte für Sorgenfalten - und eine entscheidende Änderung: Der Super-G und die Abfahrt auf der Kandahar wurden getauscht. 

Garmisch-Partenkirchen – Ein Weltcup ohne Verschiebungen, Wetterkapriolen oder Diskussionen um sportliche Details – das wäre eine Idealvorstellung, die offenbar nicht existiert. Rund um die Damen-Rennen auf der Kandahar an diesem Wochenende haben die Verantwortlichen von allen Seiten schon wieder alle Hände voll zu tun. OK-Chef Peter Fischer vom Skiclub Garmisch stand für ein Interview zur Verfügung und spricht über den neuen Ablaufplan und die Sprung-Diskussionen.

Peter Fischer, Neuschnee, Sprung-Probleme, Programm-Verschiebungen – einmal einen Weltcup ohne Komplikationen über die Bühne zu bringen, das klappt offenbar nicht ...

Ja, es ist wirklich schwierig. Man braucht auf jeden Fall gute Nerven (lacht). Aber solange alles immer so gut zu regulieren ist wie in unserem Fall jetzt, geht es ja. Dem Zuschauer ist es am Ende sicher egal, ob er am Samstag einen Super-G sieht oder eine Abfahrt. Bevor ein Rennen ausfällt, versuchen wir, das Beste daraus zu machen.

Wie haben Sie die Situation rund um FIS-Renndirektor Atle Skaardal erlebt? Er hat viel Kritik von den Rennläuferinnen für seine Anordnung bekommen, die Sprünge zu erhöhen, steht ein wenig im Kreuzfeuer.

Bei mir steht er nicht in der Kritik. Und bei der Mannschaftsführersitzung kam wieder einmal nichts. Da steht keiner auf und sagt: Du Atle, so geht’s nicht. Das ist nichts Neues. Es ist okay, dass die Läuferinnen etwas sagen, das ist jedem sein Recht. Aber ich muss sagen: Mit der FIS haben wir ein Super-Verhältnis, und darüber sind wir auch sehr froh. Es läuft doch immer gleich: Wenn einer Entscheidungen trifft, steht er in der Kritik. Das bin ich auch gewohnt. Es gibt immer irgendjemanden, dem sie nicht gefallen. Aber damit musst du leben. Atle ist ein Supermann, und er arbeitet mit uns teilweise schon kameradschaftlich zusammen. Früher war das anders – ich bin ja schon sehr lange in dem Geschäft –, das lief teilweise alles von oben herab bei der FIS. Jetzt sind wir als Organisator auf Augenhöhe. Das ist ein gewaltiger Schritt.

Über Nacht kam gestern Neuschnee, war das ein Problem?

Nein, wir wussten ja, dass Schnee kommt. Wir wurden nicht überrumpelt. Aber es war dann doch mehr als erwartet. Es hat relativ lange geschneit, und dann fielen oben doch 15 Zentimeter anstatt von zwei bis fünf, die angesagt waren. Zum Glück nur Pulverschnee. Aber wir hatten 300 Leute an der Strecke, und zu den Rennen werden es noch einmal mehr. Das ist schon gewaltig, dass die das alles mitmachen. Der Aufwand ist riesig, du kannst ja nicht mit der Maschine auf die Piste gehen, sondern musst alles mit den Skiern und Schaufeln rausbringen. Wir haben um 6 Uhr angefangen, und 6.30 Uhr sind alle auf den Berg gefahren. Dann wurden die drei Kilometer Strecke hergerichtet. Hat alles wunderbar funktioniert. Die Strecke ist in einem Top-Zustand, jeder sagt, so gut war sie noch nie.

Wie sagen Sie zu dieser Sprung-Episode?

Man muss immer zwei Seiten sehen. Wenn ich an die Vorgespräche mit den führenden Rennläuferinnen und den Trainern denke, dann wollen sie selbst mehr Schwierigkeiten, mehr Eis. Jetzt machst du es, dann schreit jeder. Bei den Damen ist es eben ein begrenztes Feld, das so etwas fahren kann. Bei den Herren diskutieren wir über diese Dinge gar nicht.

Hinsichtlich des zweiten Sprungs gilt das sicher, dass manche Läuferinnen ihn mögen, andere nicht. Aber der erste Sprung war einfach nicht gut aufgebaut, oder sehen Sie das anders?

Ja, die Rennläuferinnen waren auch ein wenig überrascht. Aber wir haben ja sofort reagiert, haben den Sprung abgetragen. Wir wollen nichts provozieren. Das ist absolut richtig.

Und so etwas passiert einfach mal, dass man eine falsche Entscheidung trifft, einen Sprung zu hoch aufbaut?

Ob das eine falsche Entscheidung ist, darüber wird es sicher viele Meinungen geben, auch unter den Athletinnen. Ich denke, wenn einige zum zweiten Mal runtergefahren wären, wäre diese Kritik vielleicht anders ausgefallen. In jedem Fall ist es eine Entscheidung der FIS gewesen. Aber das ist ja kein Thema mehr, der Sprung ist weg, wir haben wieder Top-Bedingungen von oben bis unten. Und wir haben einen Sprung, der sehr gut funktioniert.

Zu den Programmverschiebungen. Sind sie ärgerlich aus Ihrer Sicht? Gibt da Kitzbühel mit den Herren vor, was passiert?

Nein, nein. Das hat mit Kitzbühel nichts zu tun. Uns hätten die Veränderungen in Kitzbühel sogar in die Karten spielen können. Aber: Wir schauen nur auf unseren Wetterbericht und entscheiden, was hier vor Ort das Beste ist. Gestern habe ich innerhalb einer Stunde dreimal ein anderes Wetter von unserem Experten bekommen. Das ist das Grundproblem. Daher bin ich sehr vorsichtig bei solchen Themen.

Wie ist die Entscheidung denn jetzt ausgefallen?

Wir fahren am Samstag den Super-G und am Sonntag die Abfahrt, zu den Original-Startzeiten. Wenn wir am Samstag die Abfahrt gestartet hätten, dann wäre sie wahrscheinlich nur verkürzt möglich gewesen. Das jedenfalls sagt uns die Wetterprognose. Dann wäre sie auch nichts anderes als ein Super-G gewesen. Um die Abfahrt in voller Länge zu erhalten, gehen wir auf Sonntag, dafür sind alle Wettermodelle positiv. Das ist der sportliche Faktor. Dann geht es noch um das TV-Fenster. Das hätten wir am Samstag jetzt zwischen 9.30 und 12.30 Uhr zwischen dem Herren-Slalom. Doch nach dem aktuellen Wetter wäre es da bei uns genau am schlechtesten. Mal schauen. Wenn’s nötig ist, müssen wir schieben. 13.30 Uhr wäre für uns auch wieder machbar. Sonntag bleibt es aktuell bei 11.30 Uhr. Da hängen so viele Interessen dran, und alle müssen wir zusammenbringen.

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Keine Sicht und zu tiefer Schnee: Vier Männer geraten auf Weg zur Zugspitze in Not
Im Schneetreiben haben sich vier Männer am Sonntag von der Knorrhütte auf den Weg zur Zugspitze gemacht. Im tiefen Schnee kamen sie nicht weiter. Die Bergwacht fand sie …
Keine Sicht und zu tiefer Schnee: Vier Männer geraten auf Weg zur Zugspitze in Not
Michael Spindler (CSU) kandidiert als Bürgermeister in Unterammergau
Michael Gansler hört 2020 als Bürgermeister in Unterammergau auf. Jetzt gibt es den ersten Kandidaten für seine Nachfolge.
Michael Spindler (CSU) kandidiert als Bürgermeister in Unterammergau
Brutale Attacke bei Nachwuchs-Fußballspiel - Trainer mit klarer Ansage: „Ich bin da rigoros“
Bei einem Nachwuchs-Fußballspiel in Bayern ist ein Streit zwischen Jugendlichen eskaliert. Ein Spieler musste in eine Klinik gebracht werden. Jetzt drohen harte …
Brutale Attacke bei Nachwuchs-Fußballspiel - Trainer mit klarer Ansage: „Ich bin da rigoros“
Föhnsturm zerstörte Bettinas Lebenswerk - doch dann passierte ein kleines Wunder
Bettina Müller sah ihr Lebenswerk in Trümmern. Der Föhnsturm zerstörte am Freitag ihre Minihaus-Oase bei Ohlstadt. Dann kamen 23 Freiwillige aus ganz Deutschland …
Föhnsturm zerstörte Bettinas Lebenswerk - doch dann passierte ein kleines Wunder

Kommentare