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Maschinistenausbildung vor Ort: Beni Maurer (2. v. r.) zeigt (v. l.) Matthias Wackerle, Hannes Ostler und Andreas Maurer, wie die Pumpe in Betrieb genommen wird.

SPD-Landtagsabgeordnete negativ überrascht über die Situation

Alarm bei der Feuerwehr: Zu lange Wartezeiten für Lehrgänge

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Die Aufgaben der Feuerwehr werden immer anspruchsvoller. Das erfordert eine fundierte Ausbildung. Damit gibt es allerdings Probleme. Feuerwehrleute, die sich weiterbilden wollen, müssen lange auf einen Lehrgang an einer der drei bayerischen Feuerwehrschulen warten. Die Landtags-SPD schlägt Alarm.

Landkreis - Als der Arbeitskreis Kommunales, innere Sicherheit und Sport der SPD-Landtagsfraktion vor ein paar Wochen mit Fremdenführerin Dr. Sigrid Meierhofer durch Garmisch-Partenkirchen tourte, machten die Abgeordneten Dr. Paul Wengert, Peter-Paul Gantzer und Harry Scheuenstuhl gemeinsam mit der Bürgermeisterin auch Station bei der Feuerwehr Garmisch. Was sie dort im Gespräch mit Kommandant Peter Gröbl erfuhren, schreckte sie auf und veranlasste sie, Alarm zu schlagen. Feuerwehrleute, die sich an einer der drei Feuerwehrschulen im Freistaat in Geretsried, Regensburg oder Würzburg fortbilden wollen, müssen bis zu sieben Jahre warten, ehe sie einen Lehrgang besuchen können. „Das geht gar nicht“, sagte Wengert. „Da muss etwas unternommen werden.“

Kreisbrandrat Johann Eitzenberger (51) kennt das Problem, das für Maschinisten, die die technischen Geräte bedienen, ein besonders großes ist. Sie kommen an den zwei Feuerwehrschulen im südlichen Bayern gar nicht mehr zum Zuge. Pro Jahr sind es etliche, die sich vergeblich für einen Lehrgang bewerben. „Der Bedarf ist groß“, sagt Eitzenberger. Der Besuch einer Feuerwehrschule diene vor „allem der Qualitätssicherung“. Ins politische Wehklagen möchte Eitzenberger, auch Vorsitzender des Oberbayerischen Feuerwehrverbands, dennoch nicht einstimmen. Die Sorgen und Nöte seien in der Politik angekommen und schon im Landtag diskutiert worden. Es habe sich einiges getan, aber noch immer verfügten die Schulen „über zu wenig Personal. Wahrscheinlich brauchen wir eine vierte Einrichtung“. Damit der Ausbildungsstand der rund 2000 Feuerwehrmänner- und -frauen auf dem derzeitigen Level bleibt, kümmert man sich im Landkreis nun selbst darum und schult das Personal.

Wieder Sirenen als Warnsignal

Das ist auch nötig, denn die Aufgaben, die bewältigt werden müssen, nehmen zu. Die Ausbildung ist deshalb nur ein Punkt, der Eitzenberger auf den Nägeln brennt. Er forciert auch den Katastrophenschutz, der im Landkreis noch nicht jenen Standard erreicht hat, wie in anderen Regionen Südbayerns. So fehlt zum Beispiel ein zentrales Depot, in dem Sandsäcke, Notunterkünfte sowie Feldbetten gelagert und überörtliche Fahrzeuge untergestellt werden können. „Wir sind auf der Suche nach einer geeigneten Liegenschaft“, erklärt Eitzenberger. Im Blick hat er ehemalige Kasernengelände in Murnau oder Mittenwald und den Umbau oder die Sanierung eines Feuerwehrhauses in einem Landkreis-Ort.

Die Rettungsdienste – Feuerwehr, Technisches Hilfswerk und Rotes Kreuz – arbeiten eng mit dem Landratsamt zusammen. Mit Verena Seeberger, die die Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung, Verkehrswesen, Abfallwirtschaft der Kreisbehörde leitet, fanden schon Treffen statt, die Eitzenberger als „sehr konstruktiv“ beschreibt. Er bildet zusammen mit Peter Gaus, Herbert Maurus, Andreas Küspert (alle Feuerwehr), Klemens Reindl, Andreas Geuther, Hans Steinbrecher (alle BRK) sowie Anton Huber und Stephen Jaklitsch (beide THW) die Gruppe der taktischen Einsatzleiter, die im Katastrohenfall die Zusammenarbeit der Einsatzkräfte koordiniert. Um die Bevölkerung zu warnen, setzt man wieder verstärkt auf Sirenen, die man in den 1980er Jahren sukzessive abgebaut hatte. „Nach dem Hochwasser 1999 fand ein Umdenken statt“, sagt Eitzenberger.

Motivation wird auf die Probe gestellt

Die Motivation seiner Kameraden nennt der Kreisbrandrat, im Hauptberuf Geschäftsführender Beamter der Marktgemeinde Garmisch-Partenkirchen, hoch. Die wird allerdings immer häufiger auf eine ernste Probe gestellt, weil sich die Fehlalarme – ausgelöst durch Brandmelder – häufen. Bayernweit sollen es 2016 Eitzenberger zufolge zwischen 15 000 und 20 000 gewesen sein. Wie häufig die Feuerwehr im Schnitt pro Woche im Landkreis umsonst ausrücken muss, wollte Eitzenberger nicht sagen. „Es ist auf alle Fälle zu viel.“ Betroffen sind derzeit nur größere Objekte wie Seniorenheime et cetera, die über Brandmeldeanlagen verfügen. Wenn ab dem 31. Dezember 2017 Rauchmelder für jedes Haus und jede Wohnung Pflicht sind, erwartet er eine „erhebliche Steigerung“. Für den Bürger, der den Fehlalarm durch ein angebranntes Toastbrot oder Essen verantworten muss, kann es teuer werden. Im Normalfall fährt die Feuerwehr mit einem Löschzug, der vier Fahrzeuge umfasst, zum Einsatz. „Das kann schon mal 750 bis 1000 Euro kosten“, sagt Eitzenberger. Er weist aber darauf hin, „dass wir lieber einmal zu viel als einmal zu wenig kommen“.

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