Alfred Heinle wird Ehrenbürger von Garmisch-Partenkirchen. 
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Neuer Garmisch-Partenkirchner Ehrenbürger: (v.v.l.) Liselotte Heinle, Vize-Bürgermeister Wolfgang Bauer, Alfred Heinle und Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer. 
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Gruppenbild mit Staatsministerin: (v.l.) Horst Demmelmayr, Kerstin Schreyer und Hans Wieland.
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Ehrentag mit Freude und Tränen

Alfred Heinle wird Ehrenbürger von Garmisch-Partenkirchen

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Alfred Heinle hat die Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe im Landkreis in 47 Jahren zu dem gemacht hat, was sie heute ist. Jetzt hat der Markt Garmisch-Partenkirchen Heinle die Ehrenbürgerwürde verliehen.

Garmisch-Partenkirchen – Vor dem Tag hatte Alfred Heinle (84) einen Heidenrespekt. „Ich bin froh, wenn er endlich vorbei ist“, hatte er im Vorfeld der Ehrung Einblick in seine Gefühlswelt gewährt. Heinle steht nicht gerne im Mittelpunkt. Sein ganzes Leben lang ließ er lieber Taten sprechen, obwohl er auch als Mann des Worts geschätzt wird. „Ich war stets bestrebt, meine Gegenüber zu überzeugen.“ Seine Lebensleistung hatte immer mit Menschen tun. Mit Behinderten, mit Straffälligen, mit Jugendlichen, die er versuchte, von der schiefen Bahn auf den rechten Weg zu bringen, Obdachlosen, denen er ein Dach über dem Kopf verschaffte und ihnen ein Stück Menschenwürde zurückgab. Die Lobeshymnen ertrug er mannhaft. Manchmal spielte ein Lächeln um seine Lippen, manchmal wirkte der Mann, den alle, auch wenn es abgedroschen klingen mag, weil schon so oft verwendet, nur das soziale Gewissen von Garmisch-Partenkirchen nennen, auch ergriffen und hatte Tränen in den Augen. Jede Silbe, jedes gute Wort, das die Redner über Heinle sagten, trifft zu. Seine Verdienste für die Schwachen, die Mühseligen und Beladenen fassten KJE-Geschäftsführer Ronald Kühn, Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer (CSU), Landtagsabgeordneter Harald Kühn (CSU), Landrat Anton Speer (Freie Wähler) und Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD) zusammen. „Was Du geschaffen hast, ist eine hervorragende und überragende Leistung“, sagte Meierhofer.

Neuer Ehrenbürger Alfred Heinle: Mutter prägt ihn mit sozialer Ader

Den Menschen Gutes zu tun, sie zu unterstützen, das hat Heinle, geboren auf einem Einödhof in Legau im Allgäu, von seinem Elternhaus mitbekommen und erlebt. „Vor allem meine Mutter Mathilde war sehr sozial eingestellt“, sagt Heinle. Nach dem Zweiten Weltkrieg kümmerte sie sich um Flüchtlinge und um Menschen, die anderweitig Hilfe brauchten, die in Not waren. „Das hat mich sehr geprägt.“ Und den Weg in eine soziale Karriere geebnet, die anfangs nicht immer geradlinig verlaufen war. Nach dem Gymnasium arbeitet er zunächst in der Landwirtschaft oder als Helfer auf dem Bau, ehe er eine Ausbildung als Industriekaufmann begann. Der Beruf erfüllte ihn nicht. „Ich habe aber nicht bereut, ihn gelernt zu haben, denn er war mir später von Nutzen.“

Überhaupt. Alfred Heinle bereut nichts, was er in seinem langen Berufsleben getan hat für die verschiedensten kirchlichen und karitativen Organisationen und Institutionen, für die er gearbeitet hat oder deren Kopf und Vordenker er war. „Ich würde alles noch einmal genauso machen.“ Wahrscheinlich, weil er vieles richtig gemacht hat. Seine beste Entscheidung: Die Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE), die er 1972 im Landkreis gründete und deren Vorsitzender er bis vor Kurzem gewesen ist, nachdem er 1965 nach Garmisch-Partenkirchen gekommen war, um die Caritas aufzubauen. „Die Loslösung vom Caritasverband der Erzdiözese München und Freising hat uns die Möglichkeit gegeben, an Ort und Stelle schnell zu handeln und unsere Vorstellung für die Integration von Menschen mit Behinderung durchzusetzen“, meint er.

Alfred Heinle muss sich oft gegen Politik durchsehen

In seinem Kampf musste er sich auch häufig gegen die Politik durchsetzen. Als geplant war, die Behinderten zum Arbeiten in die Werkstätten nach Bad Tölz zu bringen, stellt sich Heinle quer. Er hielt es für unumgänglich, diese Menschen nahe ihrer Wohnorte zu beschäftigen. Mit den Werdenfelser Werkstätten ist ihm das gelungen. Mittlerweile finden sich unter dem Dach der KJE der Integrationskindergarten, die Wohnhäuser, die Heilpädgogischen Tagesstätten in Farchant und Murnau sowie die offenen Hilfen. Derzeit werden täglich mehr als 530 Kinder, Jugendliche und Erwachsene von 250 Fachkräften betreut.

Sich durchzusetzen, das versteht Heinle. Angst vor großen Tieren ist ihm fremd. Mit Politikern hatte er immer mal wieder zu tun, vor allem als Geschäftsführendes Vorstandsmitglied des katholischen Männerfürsorgevereins München. Er war unbequem und schlecht einzuschätzen. „Die Roten haben mich für einen Schwarzen gehalten, die Schwarzen für einen Roten und die Grünen für einen Pfarrer“, erinnert er sich.

Heinle sitzt elf Jahre für SPD im Gemeinderat Garmisch-Partenkirchen

Für Politik hat er sich allerdings immer interessiert und mit der SPD wohl sympathisiert. Während seiner Berufstätigkeit wollte er aber kein Parteibuch haben oder ein Mandat übernehmen. Erst 2000 trat er bei den Sozialdemokraten ein und saß für sie von 2008 bis April 2019 im Garmisch-Partenkirchner Gemeinderat. Probleme mit dem Gehör veranlassten ihn vor wenigen Monaten zum Rücktritt. Zum Abschied erhielt er die silberne Ehrennadel. Jetzt kam noch die Ehrenbürgerwürde hinzu, nachdem er alle anderen Auszeichnungen, die der Markt zu vergeben hat, schon erhalten hatte. Für die entschied sich der Gemeinderat in nichtöffentlicher Sitzung einstimmig. Besonders stolz war Meierhofer, dass nichts durchgesickert war. „Alle haben dichtgehalten.“

Auch sonst ist Heinle hochdekoriert mit diversen Gold- und Silbermedaillen sowie dem Brotteller, der höchsten Auszeichnung des Deutschen Caritasverbands. Im Oktober 1988 erhielt er das Verdienstkreuz am Bande der Bundesrepublik Deutschland, Bayerns Ministerpräsident Edmund Stoiber heftete ihm im Juli 2007 den Bayerischen Verdienstorden an. Und sogar die Professorenwürde wurde ihm vom Wissenschaftlichen Rat der Staatsakademie für den Bereich Haushalt und Dienstleistungen Moskau und der Akademie für Fort-und Weiterbildung in Management und Sozialwissenschaft verliehen. Ab 1995 lehrte er in der russischen Hauptstadt. Auf Deutsch. Was er sagte, übersetzte seinen Studenten eine Dolmetscherin. Einmal hatte er es mit einer sehr jungen zu tun. Die schwitzte Blut und Wasser, weil sie erfahren hatte, dass er aus Bayern kommt. „Sie hat mit hinterher erzählt, dass nicht wusste, ob sie meinen Dialekt verstehen würde.“ Sie hat ihn verstanden.

KJE Garmisch-Partenkirchen: Heinle steht als Ratgeber bereit, wenn er gebraucht wird

Sein Ruhestand soll kein Unruhestand werden. Er wolle sich bei der KJE nicht mehr einmischen, aber einen Rat geben, „wenn ich darum gebeten werden“. Er hat seine Ämter aufgegeben, um Zeit für sich und seine Frau Liselotte, „die Gott sei Dank immer alles mitgemacht hat“, zu haben. Er freut sich auf seinen Garten, aufs Schwimmen und in die Berge gehen. Und aufs Musikhören, bei dem er „abschalten und Gott und die Welt vergessen kann“. Nachdem der Tag seiner Ehrung vorbei ist, dürfte ihm das noch besser gelingen.

Auch Hans Wieland und Horst Demmelmayr ausgezeichnet

Gruppenbild mit Staatsministerin: (v.l.) Horst Demmelmayr, Kerstin Schreyer und Hans Wieland.

Nicht müde wird Alfred Heinle zu erwähnen, dass der Erfolg der Kinder-, Jugend- und Erwachsenenhilfe (KJE) ein Gemeinschaftsprojekt ist. Er nur einer von vielen Vätern ist. Zwei, die maßgeblich an der Geschichte der KJE mitgeschrieben haben, sind die langjährigen Vorstandsmitglieder Hans Wieland und Horst Demmelmayr. Beide wurden für ihre Verdienste ebenfalls ausgezeichnet. Bayerns Sozialministerin Kerstin Schreyer tat es mit lobenden Worten. Landrat Anton Speer zeichnete beide ebenso wie Heinle mit der Landkreisplakette und einer überdimensionalen Flasche Bier – Inhalt heller Bock – aus. Aus der Hand von Garmisch-Partenkirchens Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer erhielt Wieland die Goldene Bürgerplakette, Demmelmayr bekam die Goldene Ehrennadel. 

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