Am Eingang des neuen Impfzentrums in Garmisch-Partenkirchen: (v.l.) Landrat Anton Speer, Hansjörg Wiesböck (Leiter der Koordinierungsgruppe Corona), Dr. Kristina Ott (Regionale Ärztliche Koordinatorin), Dr. Karin Kübler (Leiterin des Gesundheitsamts) und Jörg Jovy (Bayerisches Rotes Kreuz).
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Am Eingang des neuen Impfzentrums in Garmisch-Partenkirchen: (v.l.) Landrat Anton Speer, Hansjörg Wiesböck (Leiter der Koordinierungsgruppe Corona), Dr. Kristina Ott (Regionale Ärztliche Koordinatorin), Dr. Karin Kübler (Leiterin des Gesundheitsamts) und Jörg Jovy (Bayerisches Rotes Kreuz).

Container-Einrichtung am Alpspitz-Wellenbad

Neue Station: Alle warten auf den Impfstoff

  • Andreas Seiler
    vonAndreas Seiler
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Der Landkreis bereitet sich unter Hochdruck auf die Corona-Massenimpfung vor: Dazu wurde in Garmisch-Partenkirchen am Alpspitz-Wellenbad auf die Schnelle eine Container-Station hochgezogen. Doch das Wichtigste fehlt: der ersehnte Impfstoff. Noch ist unklar, wann und in welchem Umfang dieser verfügbar sein wird.

Garmisch-Partenkirchen – Es sind rund 15 miteinander verbundene Container, die das künftige Impfzentrum des Landkreises Garmisch-Partenkirchen bilden – schlicht eingerichtet, aber funktional. Bundesweit wurden im Kampf gegen Covid-19 solche Einrichtungen aus dem Boden gestampft oder in bestehenden Gebäuden geschaffen. Der geplante Ablauf in der barrierefreien Anlage im Kreisort, die neben der Teststation auf dem Parkplatz am Alpspitz-Wellenbad steht, ist simpel: Anmeldung, ärztliches Aufklärungsgespräch, Impfung – der Nächste, bitte! Für medizinische Notfälle stehen Liegen bereit. Bis zu 250 Menschen täglich sollen in dem angemieteten Provisorium, in dem sich mehrere Räume entlang eines Ganges reihen, das Vakzin erhalten.

Nur noch Restarbeiten zu erledigen

Im Großen und Ganzen steht der Mini-Komplex, den der Landkreis zusammen mit Kräften des Bayerischen Roten Kreuzes und Ärzten betreiben wird. Es sind noch einige Restarbeiten zu erledigen. Und die Software muss zum Laufen gebracht werden. „Wir sind bereit, dass die Impfstation eröffnet wird“, verkündete im Rahmen eines Pressetermins Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Doch es gibt ein dickes Fragezeichen: Niemand kann sicher sagen, wann der Impfstoff verfügbar sein wird – und in welchen Mengen er ausgeliefert wird. „Wir haben bislang keine Daten erhalten“, berichtet Speer.

Ganz Deutschland wartet auf das „Serum der Hoffnung“, wie die Bild-Zeitung den Wirkstoff kürzlich nannte, den das Mainzer Unternehmen Biontech zusammen mit dem US-Pharmariesen Pfizer entwickelt hat. Es sind aber auch andere Anbieter am Start. Die Immunisierung soll in Deutschland am 27. Dezember losgehen.

Hier im Landkreis rechnet man allerdings damit, dass sich die Anzahl der zugeteilten Dosen zumindest anfangs in Grenzen halten wird. Aus diesem Grund steht Speer der Forderung skeptisch gegenüber, gleich mehrere Zentren einzurichten, um die gewünschte Herdenimmunität schneller zu erreichen. Ein Gedankenspiel, das zum Beispiel der ehemalige Amtsarzt Volker Juds anstellt. Dies bringe jedoch nichts, argumentiert Speer, solange der Impfstoff fehle.

Risikogruppen werden zuerst geimpft

Zuerst an die Reihe kommen sollen die besonders Gefährdeten, also alte Menschen, chronisch Kranke, Pflegepersonal und Ärzte. Man sei bereits dabei, Kontakte aufzunehmen, heißt es. Außerdem sollen mobile Impfteams in die Senioren- und Pflegeheime gehen.

BRK-Sprecher Jörg Jovy kann sich gut vorstellen, dass bis Ende des ersten Quartals 2021 zumindest die besagten Risikogruppen versorgt sind – und spricht von rund 7500 Geimpften in diesem Zeitraum. Dass die gesamte Aktion organisatorisch funktioniert, daran hat der BRK-Mann keinen Zweifel, denn: „Wir sind gut aufgestellt und vorbereitet.“ Ähnlich klingt es bei Hansjörg Wiesböck, dem Leiter der Koordinierungsgruppe Corona im Landkreis: „Wir bekommen das hin“, ist der Mitarbeiter des Gesundheitsamtes überzeugt – wenngleich das Ganze eine Herausforderung sei. Schließlich betrete man in vielen Bereichen Neuland.

Die Impfung ist freiwillig und kostenlos. Anmeldungen können noch nicht angenommen werden. Neben der Verfügbarkeit gibt es noch eine große Unbekannte: die Akzeptanz. Gerade der Staffelsee-Raum gilt als Hochburg der Impfskeptiker und -gegner. Dr. Kristina Ott, Regionale Ärztliche Koordinatorin, tritt den Ängsten vor Risiken entgegen: „Wir können den Impfstoff guten Gewissens empfehlen“, sagt sie. Am Zulassungsverfahren sei nichts zu beanstanden. Man habe nur bei den Verwaltungsabläufen Gas gegeben.

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