Ein Mann hält eine Maske in der Hand.
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Der Maschkera-Raum im Museum Werdenfels wird dank einer großzügigen Spende komplett umgestaltet. Leiter Josef Kümmerle liegt besonders am Herzen, auch zeitgenössische Larven zu präsentieren.

Maschkera-Raum wird neu gestaltet

„Willkommene Zeit, um verschiedenste Arbeiten zu erledigen“: Museum Werdenfels zeigt nach Lockdown neue Schätze

  • Tanja Brinkmann
    vonTanja Brinkmann
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Mit einigen Überraschungen wartet das Museum Werdenfels nach der coronabedingten Schließung auf. Neben neuen Exponaten können die Besucher auch die Ausstellung „Vom Steinbeil zur Auster-Muschel“ sehen.

  • Beim Aufräumen im Depot haben Museumsleiter Josef Kümmerle und seine Mitarbeiter einige Schätze entdeckt.
  • Spende von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther ermöglicht Umgestaltung des Maschkera-Raums.
  • Start mit Kinderprogramm und Vorträgen in die Sommersaison.

Garmisch-Partenkirchen – Zwei Herzen schlagen in Josef Kümmerles Brust. Das eine hat gelitten. Gut vier Monate lang. So lange durfte kein Besucher ins Museum Werdenfels kommen. Keiner konnte die Ausstellung „Vom Steinbeil zur Auster-Muschel“ besichtigen, keiner durfte durch die Räume schlendern, in denen originale Bauernstuben, Trachten- und Schmucksammlungen, religiöse Volkskunst, Weihnachtskrippen, das Zugspitzkreuz von 1851 sowie Werke heimischer Künstler zu sehen sind. Das hat dem Museumsleiter wehgetan. Führungen fielen aus, das Kripperlschaug’n mit Platzerlessen im Dezember genau wie die Besuche von Schulklassen.

Andererseits war der Lockdown „eine willkommene Zeit, um verschiedenste Arbeiten zu erledigen“. Und dabei Schätze zu heben. Beim Auf- und Umräumen des Depots stießen Kümmerle und seine Mitarbeiter auf zwei Schachteln. Der Inhalt: gemalte Papierkrippen aus Tirol. Kleine Kunstwerke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, die mittlerweile in zwei Vitrinen präsentiert werden. Das ist aber nicht die einzige Überraschung, die die Besucher seit einer Woche erwartet. Im Gang im ersten Stock zeigt das Museumsteam jetzt Objekte von Wilhelm Kagel junior und senior. „Aus verschiedenen Perioden“, erklärt Kümmerle. Die Stücke seien nach wie vor bei Sammlern sehr beliebt. Früher gab es keinen Haushalt, kein Gästehaus oder Hotel in Garmisch-Partenkirchen, in dem nicht Kagel-Keramik in Gebrauch war. Von 1906 bis 1988 betrieben sie ihre kunsthandwerklichen Werkstätten an der Hauptstraße in Garmisch-Partenkirchen. Nach dem Tod des Sohnes wurde die Manufaktur aufgelöst, mittlerweile steht an ihrer Stelle ein Supermarkt.

In der neuen Vitrine im Gang wird Keramik von Wilhelm Kagel junior und senior gezeigt, die Museumsmitarbeiterin Barbara Rauscher vorsichtig abstaubt.

Neben dem Umzug der Bibliothek in den Neubau samt Digitalisierung – „da ist Peter Schwarz voll im Einsatz“, lobt der Museumsleiter –, hat ihn vor allem der Maschkera-Raum beschäftigt. Anstoß dafür, diesen umzugestalten, war eine großzügige Spende von Rosi Mittermaier und Christian Neureuther. 4500 Euro haben sie Kümmerle fürs Museum überreicht, um ein Projekt seiner Wahl zu realisieren. Das Geld ist in eine neue Vitrine mit dunklem Hintergrund, auf dem die Objekte besser zur Geltung kommen, andere Aufhängungen und zeitgenössische Larven geflossen. Noch ist der Raum nicht zugänglich, derzeit sind Handwerker darin aktiv. Auch die Texte zu den Exponaten und eine erklärende Tafel fehlen bislang. „Zwei, drei Wochen dauert die Einrichtung noch“, sagt Kümmerle. Durch den Ankauf aktueller Larven von lebenden Holzbildhauern hofft er, ein neues Klientel fürs Museum zu begeistern.

Zum Muttertag dürfen Kinder einen Blumenstrauß malen

Das verspricht er sich auch von dem Programm, mit dem er nach der Schließung aufwartet. Termin steht bisher nur einer fest: Malen mit Michi Gräper am Freitag, 30. April. Noch plant Kümmerle mit zehn Kindern, die einen Blumenstrauß zum Muttertag auf Leinwand festhalten sollen. „Ich hoffe sehr, dass das möglich ist.“ Sechs Mädchen und Buben bringt Museumsmitarbeiter Schwarz zudem die römische Landvermessung mit dem Groma, einer Kombination von Lot und Visierkreuz, näher.

Der Grainauer referiert auch über „Die Hamerspach – Familie, Burg und Bergbau im 15. Jahrhundert. Wann, hängt von den Corona-Auflagen statt. Kümmerle will jedenfalls diesen wie die weiteren Vorträge im Museum abhalten. Vorgesehen ist ein Abend mit Michael Spindler, der über „Wetzsteinherstellung und -vertrieb in Unterammergau“ spricht. Außerdem stellt Bernd Zimmer sein kulturübergreifendes Kunstwerk „STOA169“, die Säulenhalle in Polling, vor und Ernst Schöller, ein Kommissar im Ruhestand, thematisiert „Diebe, Fälscher, Hintermänner – eine Betrachtung des Kunstmarkts aus polizeilicher Sicht“.

Darauf freut sich Kümmerle genau wie auf viele Besucher in der Ausstellung „Vom Steinbeil zur Auster-Muschel“. Die wurde bis November verlängert, die geplante Schau über den Tourismus im Werdenfelser Land in Kooperation mit den anderen Museen im Landkreis derweil aufs kommende Jahr verschoben. Macht Sinn, nachdem bislang gerade einmal eine Schulklasse und noch wenige Einheimische die vor- und frühgeschichtliche Funde gesehen haben. „Stücke, die am Zeilkopf bei Eschenlohe entdeckt wurden, bereichern diese Ausstellung“, sagt Schwarz. Dort wurde eine Siedlungsstele und Opferstätte aufgetan, mit Stücken, die bis zu 4500 Jahre vor Christus datieren. „Großartig“ findet er die Objekte, die mit anderen Fundstücken belegen, dass die Geschichte des Werdenfelser Landes schon in der Jungsteinzeit begann.

Das Museum Werdenfels

hat unter Einhaltung der aktuellen Hygiene- und Abstandsregelungen wieder dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr geöffnet.

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