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Mit diesem Entwurf haben Münchner Architekten gewonnen. 

Wettbewerb entschieden: Erster Schritt auf langem Weg

Umbau des Alten Finanzamts in Seniorenzentrum: Jetzt wird verhandelt

  • Peter Reinbold
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Der Wettbewerbssieger steht fest. Damit kann womöglich noch in diesem Jahr der Umbau des Alten Finanzamts in ein Seniorenzentrum und der Bau eines Hauses für bedürftige Garmisch-Partenkirchner auf dem Gelände des Alten Zollhauses beginnen. 

Starkes Interesse erzeugen die Entwürfe und das Siegermodell bei den Besuchern der Ausstellung.

Garmisch-Partenkirchen – Die neun Juroren und ihre Berater haben es sich nicht leicht gemacht. Davon zeugt schon die Dauer des Brainstormings und des Bewertens. Am Dienstag saßen die neun Männer und Frauen, darunter Bürgermeisterin Dr. Sigrid Meierhofer (SPD), Viktor Wohlmannstetter, der Geschäftsführer der Longleif GaPa gGmbH, einige Gemeinderäte mit Sachverstand unter dem Vorsitz von Michael Deppisch von 9 bis 20.30 Uhr zusammen. Sie wälzten Papier und diskutierten. Heraus kam ein einstimmiges Ergebnis, wie das Areal rund um das Alte Finanzamt und das Alte Zollhaus in Zukunft aussehen soll.

Café, Freifläche und Laubengang

Gnade vor den Augen aller fand der Sieger-Entwurf des H2M-Architekturbüros aus München, der am Donnerstag vorgestellt wurde. Das Alte Finanzamt wird in ein Seniorenzentrum umgestaltet, die Hülle soll unverändert bleiben, und es soll ein Haus entstehen, in dem in Zukunft bedürftige Garmisch-Partenkirchner Bürger wohnen dürfen. „Das Belegungsrecht hat die Gemeinde“, erklärt Wohlmannstetter. Zudem beinhaltet das Gebäude ein Café. Eine Freifläche soll dem Rückzug, der Entspannung und dem kommunikativen Miteinander dienen. Die Verbindung schafft ein Laubengang.

Der erste Preis ist mit 20 000 Euro dotiert, insgesamt hatte die Longleif GaPa gGmbH, die die 56 Millionen Euro der Leifheit-Stiftung verwaltet, 52 000 Euro ausgelobt. Die Differenz teilt man sich unter den Plätzen zwei bis fünf auf. Insgesamt hatten 14 Büros Entwürfe eingereicht.

25 Wohnungen für bis zu 50 alte Menschen

Freude bei Juroren und Siegerteam: (v.l.) Dr. Sigrid Meierhofer, Michael Deppisch, Christopher Hoetter, Gabriele Bruckmayer, Daniel Schaar (alle H2M-Architekturbüro), Viktor Wohlmannstetter und Professor Daniel Halswick (H2M-Architekturbüro).

„Es hat sich gelohnt, dass wir einen Wettbewerb gemacht haben“, sagt Wohlmannstetter. Meierhofer nennt das Ergebnis „einen ersten Schritt auf einem langen Weg“. In der Anlage sollen 25 Wohnungen zwischen 30 und 60 Quadratmeter entstehen, in denen 30 bis 50 bedürftige alte Menschen ein neues Zuhause finden. Zudem besteht die Möglichkeit, auf 280 Quadratmetern für bis zu acht Personen eine Wohngemeinschaft zu schaffen. „Allerdings besitzt jeder ein eigenes Zimmer. Das ist keine Kommune“, stellt Meierhofer klar. Zur Grundausstattung gehören eine barrierefreie Terrasse, Balkon oder Loggia. Auf eine Tiefgarage wird verzichtet. Ganz bewusst. „Die hätte das Ganze verteuert“, erklärt Wohlmannstetter.

Der Wettbewerb ist abgeschlossen, was allerdings nicht heißt, dass in absehbarer Zeit mit den Arbeiten begonnen wird. Was jetzt folgt, sind Verhandlungen mit den ersten drei Preisträgern. Wer aus diesem Verfahren als Sieger hervorgeht, erhält einen Vertrag zur Umsetzung seines Entwurfs. Damit kann die eigentlich Bauplanung beginnen. Dass der von H2M-Architekten, die auch vor einigen Jahren am Wettbewerb für das Kongresshaus beteiligt gewesen waren und den dritten Platz belegt hatten, auch in die Tat umgesetzt wird, steht damit nicht fest. Wohlmannstetter hofft, dass man sich mit den Münchnern einigen kann. „Wir haben uns für sie entschlossen, weil ihr Entwurf am besten unsere Vorgaben umsetzt.“

Hoffnung: Beide Gebäude in zwei Jahren bezugsfertig

Der Bürgermeisterin wäre es lieb, wenn die Bagger so schnell wie möglich anrollen würden. Sie hofft, dass beide Gebäude spätestens „in zwei Jahren bezugsfertig sind“. Ein sportlicher Zeitplan. Wohlmannstetter verweist darauf, dass die Gewerke europaweit ausgeschrieben und danach gesichtet werden müssen. Zehn Millionen Euro hat der Longleif-Geschäftsführer für das Alte Finanzamt und den Neubau angesetzt. Klar ist ihm allerdings auch, dass dieser Betrag womöglich nicht ausreicht, da die Baukostenpreise explosionsartig gestiegen sind. Das Grundstück befindet sich indes noch im Eigentum der Gemeinde, soll jedoch noch heuer im Frühjahr an die LongLeif GaPa gGmbH übertragen werden. Einen entsprechenden Gemeinderatsbeschluss gibt es bereits.

Zehn Millionen aus Leifheit-Vermögen gehen an Geriatronik

Die Leifheit-Millionen beginnen zu schmelzen. Weitere knapp zehn Millionen Euro muss Wohlmannstetter in die nächsten Tagen in Richtung Geriatronik überweisen. Am Mittwoch hat der Gemeinderat in einer denkwürdigen Sitzung nichtöffentlich den Vertrag mit der Technischen Universität (TU) München abgesegnet. Eine Außenstelle der Munich School of Robotics and Machine Intelligence, die zur TU gehört und deren Direktor Professor Sami Haddadin ist, forscht bereits in Garmisch-Partenkirchen an Assistenzrobotern, die in Zukunft eingesetzt werden sollen, um alten Menschen ein selbstbestimmtes Leben in den eigenen vier Wänden zu ermöglichen.

Auch das Sozialministerium unterstützt die Garmisch-Partenkirchner Projekte. Erst vor wenigen Tagen sagte Ministerin Kerstin Schreyer (CSU) 100 000 Euro für eine Musterwohnung zu. In den Zimmern sollen vor allem technische Assistenz-Systeme gezeigt werden.

Interessierte Bürger

können bis Sonntag, 24. Februar, täglich zwischen 10 und 12 Uhr sowie zwischen 14 und 16 Uhr die Siegerentwürfe im Saal Pflegersee im Kongresszentrum begutachten.

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