Grafiken zu Corona-Zahlen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen
+
Die Corona-Fallzahlen für März sowie ein genauer Blick auf die Inzidenz für die vergangene Wochen vom 16. bis 22. März: Es zeigt sich, das vor allem Jüngere nun infiziert werden.

Neue Erkenntnisse bei den Corona-Zahlen im Landkreis Garmisch-Partenkirchen

Inzidenz 100 überschritten: Landkreis steht am Einstieg in die dritte Welle der Corona-Krise

  • Christian Fellner
    vonChristian Fellner
    schließen

Die Fall-Zahlen im Landkreis steigen rasant an. Was auffällt: Der Altersschnitt der Infizierten sinkt sehr deutlich ab - von 52,7 Jahren in der ersten Welle auf derzeit 38. Bei den älteren Menschen zeigen die Impfungen erste Wirkung.

Landkreis – Nun ist es raus: Ostern wird zur staaden Zeit, im Landkreis dürfte es bereits ab Freitag wieder sehr viel ruhiger werden als zuletzt. Bleibt die Inzidenz auch am heutigen Mittwoch über der Marke von 100, und davon ist bei aller Hoffnung auszugehen, dann geht der Landkreis ab Freitag in einen deutlich härteren Lockdown.

Nach der Bundesrunde hat gestern das bayerische Kabinett die schwerwiegenden Beschlüsse bestätigt. Private Kontakte sind dann nur noch auf den eigenen Haushalt plus eine fremde Person beschränkt, der Einzelhandel ruht bis zum Ende der Osterferien, weitere Öffnungsschritte gibt es danach quer durch alle Bereiche nur inzidenzabhängig und vorrangig mit Werten stabil unter 100. Für die Schulen gilt: Präsenz nur bei einer Inzidenz unter 100, sonst Distanzunterricht außer für Abschlussklassen, wobei auch dafür die Jugendlichen einen aktuellen Corona-Test benötigen. Über Ostern sind Gottesdienste in den Kirchen gestrichen, Geschäfte und Betriebe schließen vom 1. bis 5. April – lediglich die Lebensmittelbranche darf am Karsamstag für Einkäufe öffnen.

Kontaktverfolgung wird wieder deutlich schwieriger

Es ist ein harter Schlag nach den zuletzt erfolgten Öffnungen. Doch: Die Bedingungen verschlechtern sich derzeit rapide. Das verdeutlicht Hansjörg Wiesböck, der Leiter der Corona-Koordinierungsgruppe im Kreis. „Seit gut einer Woche verzeichnen wir einen starken Anstieg der Zahlen.“ Dadurch wird die Kontaktverfolgung – eines der wichtigsten Instrumente in der Bekämpfung der Pandemie – erschwert. „Wir sind wieder in einem kritischen Bereich, wo es uns nicht mehr in vollem Umfang gelingen könnte, alle Kontakte zu ermitteln“, mahnt Wiesböck. Genau das aber bleibt das große Ziel. „Dazu brauchen wir aber eine Inzidenz von deutlich unter 100.“

In den Augen der Experten rollt nun die dritte Welle über das Land. Eine, die gefährlich ist. Das bekräftigt Wiesböck. Die Bedrohung sind nach wie vor die Mutationen. Die britische Variante des Corona-Virus’ (B.1.1.7) stellt sich derzeit nicht nur auf dem Papier als deutlich infektiöser und somit aggressiver dar, sondern auch in der Realität. „Zwei Drittel, fast drei Viertel aller neuen Ansteckungen gehen bei uns auf diese Variante zurück“, betont der Experte. Damit erklärt er auch den rasanten Anstieg der Fallzahlen. „Man sieht das an den Clustern sehr deutlich. Wo ein Positivfall ist, stecken sich rundherum viel mehr Menschen an als bisher.“ Auch im Vergleich zu 2020: „Damals herrschten ähnliche Hygienemaßnahmen, jetzt haben wir viel mehr Ansteckungen.“

Öffnungen bei Schulen und Kitas sorgen für steigende Fallzahlen

Punkt zwei, der für die höheren Infektionszahlen verantwortlich zeichnet, sind laut Wiesböck die vermehrten Öffnungen der Schulen und Kinderbetreuungseinrichtungen. „Dort haben wir jetzt wieder deutlich mehr Fälle.“ In fünf Kindertagesstätten (wir berichteten) sind bereits mindestens einzelne Gruppen geschlossen. Auch in zwei Schulen gibt es drei Positivfälle: zwei im Werdenfels-Gymnasium (Klasse 5 und 7), einen in der Zugspitz-Realschule (9. Klasse).

Ein Jahr Corona in der Grafik: Wie stark sich die beiden bisherigen Wellen unterschieden haben, zeigt sich deutlich an der Zahl der täglich neuen Fälle. Nun steht die dritte Welle bevor.

Insgesamt ist eine klare Tendenz erkennbar: Es sind nicht mehr die Senioren, die das Gros der Infektionen ausmachen. Das Bild hat sich stark verschoben. Wiesböck nennt eine Kennzahl: „In der ersten Welle hatten wir einen Altersschnitt von 52,7 Jahren, jetzt liegen wir bei 38.“ Ein enormer Unterschied. Die höchsten Zahlen bei den Ansteckungen registriert das Gesundheitsamt aktuell neben den Jugendlichen bei den 20- bis 29-Jährigen sowie bei 50 bis 59-Jährigen (siehe Grafiken). „Es sind das schulische das und berufliche Umfeld, die Probleme bereiten“, fasst Wiesböck zusammen. „Wobei die Infektionen bei den Kindern nicht in den Schulen auftreten, sondern eher am Schulweg oder im privaten Bereich.“ Bei den Erwachsenen erlebten die Vertreter der Gesundheitsbehörde zuletzt unschöne Szenen auf Baustellen. „Dort werden die Maskenpflicht und die Abstände nicht eingehalten. Gibt es dann einen Positivfall, entsteht meistens gleich ein größeres Cluster.“

Impfstrategie zahlt sich aus: Keine Ausbrücke in Pflegeheimen

Fix ist, dass die Altersklasse der Rentner und Über-80-Jährigen nun deutlich besser dasteht. Für Wiesböck ein großer Erfolg, den er vor allem der Strategie anrechnet, die Heime zunächst durchzuimpfen. „Es gibt in den Pflegeeinrichtungen derzeit keinerlei größere Ausbrüche mehr.“ Grundsätzlich verfügen die älteren Generationen auch nicht mehr über so viele soziale Kontakte. So unschön das sein mag, in der Pandemie ist es ein Pluspunkt.

Mit Blick nach vorne tut sich Wiesböck schwer, große Hoffnung zu verbreiten. „Es hängt an den Menschen selbst. Wenn ihnen nicht bewusst ist, dass es wichtig ist, Kontakte so gering wie möglich zu halten, dann werden in der Konsequenz die Zahlen hoch bleiben.“ Und damit die Öffnungen limitiert. Denn die Politik wird ihren Weg verfolgen. Unabhängig davon, ob der Einzelne nun denkt, dass er an Corona nicht schwer erkranken könnte. „Doch auch die Patienten in den Kliniken werden im Schnitt jünger“, mahnt Wiesböck. Fixe Zahlen dazu existieren noch nicht. „Der Effekt wird immer erst zwei Wochen später erkennbar.“ Und derzeit befindet sich der Landkreis am Einstieg in die dritte Welle.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare