Betroffene nimmt Einspruch wieder zurück

Frau beschimpft Mitarbeiter des Jugendamts und bekommt Strafbefehl

Garmisch-Partenkirchen - Eine 47-Jährige, deren Kind sich in der Obhut des Jugendamts befindet, hat Mitarbeiter der Behörde übel beschimpft, weil die 14-Jährige gegen den Willen der Mutter geimpft wurde. Sie legte gegen den Strafbefehl Einspruch ein. Deshalb stand sie vor dem Amtsgericht.

Ihre Beleidigungen waren ebenso fantasiereich wie brutal: Die 47-jährige von Hartz IV lebende Mutter einer 14-jährigen Tochter aus einem Dorf im Loisachtal beschimpfte nämlich zwei Mitarbeiter des Jugendamts per E-Mail mit einem ganzen Katalog von Worten. Die reichten von „Dreckskerl“ bis „Egosau“, sie nannte sie und ihre Behörde „Familienverächter und Folterer“ und warf ihnen gar vor, sie hätten ihr Kind „vergewaltigt“. Was ohnehin keineswegs stimmte, denn unter „Vergewaltigung“ verstand sie laut eigenem Bekunden nur den Zwang, dem Kind eine Impfung ohne dessen Einverständnis zu verabreichen. Nachdem die Frau wegen fünf Komplexen dieser Beleidigungen und Verleumdungen einen Strafbefehl von 900 Euro (60 Tagessätze à 15 Euro) bekommen hatte, saß sie jetzt wegen ihres Einspruchs vor dem Richter. Sie fand für all die üblen Nachreden ebenso wortreiche wie langwierige Begründungen.

Im Gespräch mit Amtsrichter Andreas Pfisterer wurde dann schnell deutlich, das die Angeklagte keinerlei Einsicht aufbrachte, ihre Äußerungen könnten beleidigend sein. Stattdessen brachte sie ausschließlich Vorhaltungen über die Maßnahmen des Jugendamts. „Doch das“, sagte Pfisterer, „ist nicht die Kompetenz des Gerichts. Wir sitzen ausschließlich wegen Ihrer Beleidigungen hier: Was Sie nämlich geäußert haben, sind durchwegs Formalbeleidigungen und Schmähkritiken“. Der Frau bleibe freilich die Möglichkeit, sich zur Frage ihrer Schuldfähigkeit psychiatrisch untersuchen zu lassen, doch diese Untersuchung müsse sie selber zahlen, ebenso einen Verteidiger, falls sie, die ohne Anwalt erschienen war, einen benötige. Er könne ihr jedenfalls jetzt nur raten, den Einspruch zurückzunehmen, „sonst wird’s möglicherweise viel teurer...“ Sichtlich wütend zog sie schließlich den Einspruch zurück, womit es bei den 900 Euro Geldstrafe bleibt.

Höchst zeitaufwändig hatte sie Pfisterer geschildert, welch Unrecht ihr angeblich seitens des für ihre Tochter zuständigen Amtsvormunds geschehen sei und wie er ihres Erachtens anders hätte verfahren müssen. Dieser „Oberar...“ gehöre „eingesperrt und der Schlüssel weggeworfen“, teilte sie ihm am 3. November 2015 in zwei E-Mails mit, „Dreckskerl“, „A...“ und „Egosau“ nannte sie ihn.

Am 12. November schließlich ereilte das Amt dann gar der E-Mail-Vorwurf, der Vormund habe ihr Kind „vergewaltigt“. Damit war, wie sie jetzt vor dem Richter erklärte, nichts anderes gemeint, als die zwangsweise Impfung der Tochter gegen die Meinung der Mutter. Sie lehnt Impfungen ausnahmslos ab. Einen Monat später erhob sie dann gar gegenüber ihrem amtlichen Zielobjekt die Frage, ob es angesichts seiner Unwissenheit wohl den „Job in der Lotterie gewonnen“ habe. Und sie teilte ihm mit, dass sein Intelligenzquotient wohl unter 70 liegen müsse. Einer Kollegin des Mannes unterbreitete sie zudem die Meinung: „Sie sind verabscheuungswürdig für die Sch..., die Sie bauen.“. Damit wollte sie der Frau ihre Missachtung auszudrücken.

Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: © dpa sym bolbild

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