War der Angeklagte wirklich der Täter?

Strafbefehl nach Eishockey-Schlägerei

Beim Sport kochen die Emotionen oft über: Ein Weilheimer (24) soll nach dem SCR-Spiel einen Fan der Kassel Huskies angegriffen haben. Dessen Freundin stand ihm vor Gericht zur Seite. 

Garmisch-Partenkirchen – Wie ein Eishockey-Hooligan sah der 24-jährige Mann aus Weilheim wirklich nicht aus. Dennoch saß er unter dem Verdacht, ein solcher zu sein, im Amtsgericht: Vor dem Olympia-Eissportzentrum in Garmisch-Partenkirchen soll er nach einem Spiel des SC Riessersee gegen die Kassel Huskies in eine Schlägerei verwickelt gewesen sein. Konkret wurde ihm vorgeworfen, einem gegnerischen Schlachtenbummler die flache Hand derart heftig an die Brust geknallt zu haben, dass der Mann daraufhin eine Woche lang arbeitsunfähig war. Während der Kassler davon überzeugt war, dass der Weilheimer der Schläger war, brachte ausgerechnet seine Freundin Licht ins Dunkel. Und einen Freispruch.

Laut Staatsanwältin Ines Bankwitz habe sich der grobe Vorfall am 2. Dezember 2016 gegen 23 Uhr ereignet, nachdem das Spiel erst durch ein Penaltyschießen 3:2 zu Ende gegangen war. Während die Fans aus Kassel vor dem Stadion auf ihre Spieler warteten, gerieten einige von ihnen in heftige Diskussionen mit Werdenfelsern. Wie heute in Smartphone-Zeiten üblich, wurde eifrig fotografiert und gefilmt. Während die Bilder in der Dunkelheit denkbar schlecht waren, will der verletzte Kassler auf dem halbwegs besten Foto den Weilheimer Kaufmann erkannt haben. Derjenige, den er im Laufe der Diskussionen an der Schulter gepackt und um seine Achse gedreht hat, was prompt dazu führte, dass der Angegriffene mit dem Arm ausholte und ihm die flache Hand auf den Brustkorb schlug. Das hatte für den Kassler, der daraufhin auch noch zu Boden stürzte, nicht nur erhebliche Schmerzen zur Folge. Vielmehr will er dann am Boden auch noch Fußtritte von unbekannten Leuten abgekriegt haben.

Der Weilheimer aber, der zunächst nur als Zeuge, später auf die Meinung des Kasslers hin auch als Täter angesehen wurde, bekam prompt wegen vorsätzlicher Körperverletzung einen Strafbefehl über 1500 Euro (50 Tagessätze à 30 Euro). Dagegen setzte er sich jedoch sofort mit einem Einspruch zur Wehr und saß nun mit Anwalt Rüdiger Imgart (Weilheim) als Verteidiger vor dem Kadi. „Ich sah den Streitgesprächen der schätzungsweise 15 bis 20 Garmisch-Partenkirchner und Kassler Fans zwar interessiert zu, bewegte mich aber nur außen um sie herum.“ Ohnehin seien viele der Beteiligten mit dunklen Pullovern samt Kapuzen bekleidet gewesen. „Manche wirkten auch mit ihren Schals richtig vermummt, darum konnte man mit Bestimmtheit niemanden richtig erkennen.“

Es war dann ausgerechnet die 28-jährige Freundin des Kasslers, die ihn unerwartet und schlagartig entlastete. Die Frau, die ebenfalls nicht in der Gruppe stand, sondern sich ebenso wie der Angeklagte eher außenrum bewegte, erinnert sich genau: Sie habe deutlich gesehen, dass der Weilheimer seiner Aussage gemäß keineswegs ihrem Freund nachgelaufen war, sondern zum Zeitpunkt des Schlags ruhig neben einem anderen Kassler stand. Anhand der erwiesenen Unschuld beantragte die Staatsanwältin Freispruch und Richter Paul Georg Pfluger bestätigte dies ohne Wenn und Aber in seinem Urteil.


Wolfgang Kaiser

Rubriklistenbild: ©  dpa symbolbild

Auch interessant

Meistgelesene Artikel

Murnauer Schwimmbad-Debatte: Manlik gibt Rapp contra
Der Bedarf für ein Schulschwimmbad in Murnau ist vorhanden. Da sind sich die Marktgemeinderäte einig. Ob so ein Projekt auch finanziert werden kann, ist bis dato unklar. …
Murnauer Schwimmbad-Debatte: Manlik gibt Rapp contra
Marco Wanke probt für den Eistanz im rosa Tutu 
Der Countdown läuft. Nur noch zwei Wochen, dann muss sich Marco Wanke im Olympia-Eisstadion beweisen – mit einer Kür im rosa Tutu. Das Training ist hart, sagt der …
Marco Wanke probt für den Eistanz im rosa Tutu 
Lebensmüde: Maskierter Mann klettert auf Kran für diesen Blick über den Eibsee
Dieses Video dürfte für Diskussionen im Netz sorgen: Ein maskierter Mann klettert auf einen hohen Kran, ist dabei völlig ungesichert. 
Lebensmüde: Maskierter Mann klettert auf Kran für diesen Blick über den Eibsee
Auch VR-Bank dünnt Filialnetz aus
Die Perspektiven der Banken sind auch für das Jahr 2018 nicht gerade rosig. Dem trägt die VR-Bank Werdenfels Rechnung. Um auch in Zukunft am Markt weiter gut …
Auch VR-Bank dünnt Filialnetz aus

Kommentare